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Technik & Apps Fein und gemein: Videospiele aus der Nische
Sonntag Technik & Apps
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20:00 12.02.2016
Die besten Computerspiele kommen oft nicht von großen Studios, sondern von unabhängigen Entwicklern. Besondere Highlights werden bei den Independent Games Awards prämiert. Quelle: Shutterstock
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Darkest Dungeon

Frischer Wind im dunklen Comic-Verlies: "Darkest Dungeon" ist ein erbarmungsloses Rollenspiel alter Schule. Gleichzeitig verlässt der Titel angestammte Fantasypfade: Denn die eigenen Helden sterben hier rasch, einmal getroffene Entscheidungen lassen sich nicht rückgängig machen. In rundenbasierten Kämpfen gilt es eine Gruppe zwielichtiger Charaktere durch feuchte Gemäuer zu steuern. Das hört sich vertraut an, ist es aber nicht.

Denn anstatt sich Superritter zu erschaffen und sie in schimmernde Rüstungen zu stecken, zählt in dieser Welt das Überleben. Oft genug tragen die gebeutelten Protagonisten psychische Schäden aus den Kämpfen davon und schleppen sich dergestalt gehandicapt am Abgrund der eigenen Seele entlang. Die Erzählung speist sich aus der Dynamik des Spiels anstatt aus Zwischensequenzen. Die reich inszenierte Hoffnungslosigkeit beschert dem Fan ein düsteres Spielerlebnis.

Anbieter: Red Hook Studios
Plattform: PC, Mac, PS4, Vita
Preis: 20 Euro

Undertale

Geradezu friedvoll gestaltet sich das Rollenspiel-Adventure "Undertale". Zwar trifft der Spieler in diesem Titel auf Monster, die von den Menschen unter die Erde verbannt wurden: Allerdings können diese Kreaturen gewaltfrei überwunden werden. Als Scheusal-Flüsterin wird ein namenloses Mädchen gesteuert, das in einem Meer aus Blumen erwacht. Die Seele der Avatarin wird von einem Herz repräsentiert. Die Botschaft lautet "Liebe statt Hiebe". Und lieben soll man insbesondere seine Feinde.

Von knarzigen 8-Bit-Beats untermalt, entwickelt sich der eigene Charakter rollenspieltypisch nach und nach immer weiter und gewinnt an Stärke und Fähigkeiten. In den Ruinen warten knifflige Puzzles, Türfallen und sonstige Hindernisse. So hangelt man sich von Raum zu Raum. Und übt Konversation statt Kampf: "Undertale" steht für unblutigen Adventure-Spaß in oldschooliger Pixeloptik.

Anbieter: Toby Fox
Plattform: PC, Mac
Preis: 10 Euro

Keep Talking and Nobody Explodes

Für allerhand Nervenkitzel sorgt "Keep Talking and Nobody Explodes", ein Titel des kleinen kanadischen Entwicklerkollektivs Steel Crate Games. Im Mittelpunkt des makabren Partyspiels steht eine virtuelle Bombe, die jeden Moment in die Luft gehen kann. Einer der Mitspieler sitzt mit dem Sprengsatz in einem isolierten Raum. Unter Zeitdruck ist es seine Aufgabe, den Pixelböller zu entschärfen.

Die anderen Mitspieler übernehmen die Rollen von Experten und müssen Anweisungen geben, wie sich so ein Ding unschädlich machen lässt. Schließlich sind nur sie im Besitz der Betriebsanleitung. Der Clou dabei: Sie können die Bombe nicht sehen und müssen somit alles erklären und erfragen, ebenso wie das schweißgebadete Gegenüber. Für den authentischen Kick des aktiven Bombenentschärfers unterstützt "Keep Talking and Nobody Explodes" auch den Einsatz einer sogenannten Virtual-Reality-Brille.

Anbieter: Steel Crate Games
Plattform: PC, Mac
Preis: 15 Euro

Mini Metro

Wann kommt die Bahn? Antworten auf diese täglich aktuelle Frage liefert "Mini Metro". Hier darf der Takt der öffentlichen Verkehrsmittel mitbestimmt werden. Minimalistisch (aber doch kompliziert) verbinden wir zu Anfang Punkt A mit B, die Linie färbt sich gelb. Nun pendelt die Stilisierung eines U-Bahn-Waggons zwischen den ersten beiden Stationen hin und her: Der Grundstein für ein (un-)übersichtliches Netz ist gelegt. Nach einer Weile kommen die nächsten Linien hinzu, die Fahrgastzahlen steigen an.

Überall auf der Karte bieten sich Möglichkeiten, mehr Loks einzusetzen oder einen Tunnel unter dem Fluss zu bauen. Immer wieder poppen vakante Spots auf, an denen weitere Haltestellen entstehen. "Mini Metro" ist trotzdem nie hektisch, sondern ein Spiel zur meditativen Tiefenentspannung: organisch und selbsterklärend. Wird es in den Stationen zu voll, endet das Spiel.

Anbieter: Dinosaur Polo Club
Plattform: PC, Mac
Preis: 10 Euro

Superhot

Dass Ego-Shooter auch mehr leisten können als die Killerspiel-Debatte zu befeuern, zeigt das stylische "Superhot". Das Besondere an dem Titel: Zeit schreitet nur voran, wenn der Spieler den Avatar bewegt. Daraus entsteht eine eigene Ästhetik und ein verändertes Spielerlebnis. Denn die Kämpfe sind keine platte Ballerei mehr, sondern arten in entschleunigte Taktikmomente aus.

Das Ableben gesichtsloser Gegner wird vor schneeweißen Hintergründen kunstvoll inszeniert: Nach einem Treffer zerbersten sie in Zeitlupe wie Porzellanfiguren in tausend Stücke. Kurze Sequenzen und kleine Areale sorgen für Abwechslung – Schritt für Schritt und Kugel für Kugel. Offenbar gibt es durchaus eine Nachfrage für einen Avantgarde-Shooter: Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter spendeten Gamer aus aller Welt 250 000 US-Dollar, um die Entwicklung von "Superhot" zu realisieren.

Anbieter: Superhot Team
Plattform: PC, Mac, Xbox One
Preis: 12 Euro

Her Story

Eigentlich ist die Einbettung von Videoaufnahmen in Spielen seit den Neunzigern gar nicht mehr angesagt. Sam Barlow, Entwickler von "Her Story", greift den Trend von vorgestern trotzdem auf und modifiziert ihn. Durch die eingespielten Videoschnipsel eines Verhörs muss sich der Spieler einen Mord detektivisch zusammenreimen. Dieser Ansatz sprengt Genre-Konventionen: Die Linien zwischen Storytelling und Interaktion verschwimmen.

Aufgrund der nicht linearen Erzählung bleibt viel Raum für und herrscht auch viel Bedarf an Fantasie. Permanent tappt man im Dunkeln, die Geschichte fügt sich erst allmählich in Spielers Kopf zusammen. Anstatt alles auf einem Silbertablett zu präsentieren, arbeitet der virtuelle Thriller subtil. "Her Story" ist plastisch, eine einzigartige Interaktion mit einer Erzählung, auch durch die herausragende Schauspielleistung der Protagonistin.

Anbieter: Sam Barlow
Plattform: PC, Mac, iPhone, iPad
Preis: 6 Euro

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