Startseite KN
Lasst die Spiele beginnen!

Gamescom Lasst die Spiele beginnen!

Die Gamescom in Köln ist die weltweit wichtigste Publikumsmesse der Computerspielebranche. Doch die Besucher haben es schwer: Mehrere Stunden anstehen für ein paar Minuten Spielen ist längst zum Normalfall geworden.

Köln 50.937531 6.9602786
Google Map of 50.937531,6.9602786
Köln Mehr Infos
Nächster Artikel
Das Ende der Seilschaften

Im Spielerausch: Die Gamescom 2017 dürfte die Vorjahresausgabe noch übertrumpfen.

Quelle: Koelnmesse GmbH

Köln. Im vergangenen Jahr kamen 345 000 zumeist junge, gamebegeisterte Menschen zur Koelnmesse. Sie wälzten sich über 193 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und tauchten – oft mit der inzwischen obligatorischen Datenbrille im Gesicht – in spacige Spielewelten ein. Wie eine Fachmesse mutet die Gamescom längst nicht mehr an – eher wie Festival für adrenalingetriebene Spielenerds. Ordner lenken die Besucherströme. Animateure springen auf Bühnen herum. Alle schwitzen.

Mit Spaß hat das Gedränge wenig zu tun; eher mit verkaufsoffenem Sonntag. Die Überfüllung der Messe ist ein Dauerproblem, für das es keine einfachen Lösungen gibt. Größer wurde die Veranstaltung schon. Länger kann sie kaum noch werden. Tickets sind mit wenigen Ausnahmen schon Wochen vor dem Start ausverkauft. Empfehlen kann man das Spektakel nur leidensfähigen, fitten Menschen.

Dass die Gamescom notorisch überfüllt ist, belegt andererseits ihren Erfolg. Zwar produziert die Konkurrenzmesse E3 in Los Angeles größere Schlagzeilen, aber Köln ist, als weltweit größte Publikumsmesse für Videospiele, das Event der Nutzer. Und das ist die richtige Zukunftsperspektive. Denn die Spieler werden immer mächtiger, bestimmen mehr mit. Die Spielefirmen kommen in Scharen, über 900 Aussteller sind es dieses Jahr. Auch als Entwickler darf man die Gamescom nicht verpassen. Sogar Angela Merkel reist zum Eröffnungsbesuch an.

Aber wie sieht es für die Spieler aus? Die können sich die Anreise eigentlich sparen. Denn vom Renommee der Messe hat ein herkömmlicher Besucher kaum etwas – außer Schlange stehen vielleicht. Das Leitthema der Gamescom lautet in diesem Jahr „Einfach zusammen spielen“. Aber genau das ist kaum noch möglich. Mehrere Stunden Wartezeit pro Titel sind eher die Regel als die Ausnahme – für maximal 15 Minuten Zockerei.

Ohnehin ist das Spektakel aus einer gewissen Distanz fast spannender als aus der Mittendrinperspektive. Unvergleichlich ist es, als Beobachter den Blick durch die in Blau und Grün erstrahlenden Erlebniswelten von Playstation und Xbox schweifen zu lassen, den Gamern beim mitunter fast verbissenen Spielen im EA-Collosseum zuzuschauen.

Wer etwas erleben will, der sollte um die großen Spielefirmen einen Bogen machen. Denn auf der Messe finden sich Tausende Titel, die noch keine Schlagzeilen schreiben.Vor allem die Indie Arena Booth in Halle 10.1 ist so etwas wie eine kleinere, nettere Messe inmitten der großen.

Ein interessantes Experiment ist die Wahlkampfarena – Vertreter der großen Parteien lassen sich am Mittwoch von Youtube-Stars interviewen. Auch für Cosplayer macht die Messe Platz – also für Menschen, die sich als Videospielcharakter verkleiden. Im Cosplay Village in Halle 10 kann man Verkleidete fotografieren, Tipps und Hilfe für eigene Kostüme finden oder sich zum Cosplay Contest auf die Bühne trauen.

Längst haben sich Videospiele haben unter dem Schlagwort E-Sports als ernst zu nehmender und vereinsmäßig organisierter sportlicher Wettstreit etabliert. Die Athleten kämpfen auf beeindruckendem Niveau. Das Highlight des Jahres ist der chaotische Überlebenskampf mit „Player Unknown’s Battlegrounds“. Der Überraschungshit veranstaltet in Köln eines der ersten Turniere.

Und wem die ganzen Neuheiten und Trends nichts sagen? Der zückt die Ohrstöpsel, lässt die Jugend machen und schleppt sich in den großen „Family & Friends“-Bereich in Halle 10.2. Dort gibt es neben Sitzsäcken, Funsport und Kinderspielen auch die gut ausgestattete Sonderschau zum Retrogaming. Ein Ort also, an dem sich genervte Eltern in jene Zeit zurückversetzen können, als sie selbst noch einen Joystick in den schwitzigen Händen gehalten haben.

Von Jan Bojaryn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Technik & Apps 2/3