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Sonntag Technik & Apps Urlaub im Weltall
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20:01 15.07.2016
Revolution in der Raumfahrt: Die großen Weltraumagenturen Nasa und Esa hinken inzwischen bei der Raketenentwicklung hinter drei ambitionierten US-Milliardären hinterher. Quelle: SpaceX
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Ausgerechnet drei Milliardäre, die ihr Vermögen in ganz anderen Branchen gemacht haben, schicken sich an, die Raumfahrt zu revolutionieren – mit dem Ziel, Reisen ins Weltall dank wiederverwendbarer Raumschiffe zu einem Massengeschäft zu machen. Tesla-Gründer Elon Musk, Amazon-Chef Jeff Bezos und Richard Branson, Kopf der Virgin-Gruppe, haben sich eine Herkulesaufgabe vorgenommen, die lange Zeit allenfalls der US-Raumfahrtbehörde Nasa und ihrem europäischen Pendant, der Esa, zugetraut wurde.

Doch stagnierende Etats bei den vorwiegend staatlich finanzierten Raumfahrtagenturen einerseits und die stetig wachsenden Vermögen der Superreichen andererseits haben das Blatt gewendet: Branson, Bezos und Musk scheinen mit vollen Händen ausgeben zu können, was Nasa und Esa fehlt.

Recyclingraketen machen Raumfahrt günstiger

Dennoch hängt die Revolution der Raumfahrt an mehr als am Finanziellen: "Diese Unternehmer zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur Geld haben, sondern auch bereit sind, Risiken einzugehen", meint Thomas Reiter, früherer Astronaut und heutiger Direktor des Fachbereichs "Bemannte und Robotische Forschung" bei der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa). Mut und Ausdauer seien entscheidende Voraussetzungen, um im diffizilen Raumfahrtgeschäft erfolgreich zu sein, weil Rückschläge die extrem kostspieligen Projekte jederzeit ins Wanken bringen könnten.

Das Hauptaugenmerk der drei größten privaten Raumfahrtinitiativen liegt darauf, die Technik effizienter und Reisen ins All damit irgendwann vergleichsweise erschwinglich zu machen. Raumfahrtexperte Bernhard Schmidt von der Fraunhofer-Gesellschaft rechnet vor: "Eine Ariane-Rakete kostet mehr als 100 Millionen Euro. Wenn sie wiederverwendet werden könnte, müssten die Teile zwar überprüft und gegebenenfalls repariert werden, aber man schmeißt nicht die ganzen 100 Millionen Euro weg."

Eigentlich ist eine Recyclingrakete kein technologisches Hexenwerk. Die benötigten Systeme sind weitgehend aus dem Flugzeugbau bekannt und werden via GPS wieder zur Erde gelotst. Bislang scheiterte der Bau von Mehrwegsystemen eher an der Kurzlebigkeit des Materials, das beträchtlichen Belastungen ausgesetzt ist.

Warteliste für die Schwerelosigkeit

Doch mit jedem Testflug, den die Raumfahrzeuge der drei Milliardäre erfolgreich absolvieren, steigt die Wahrscheinlichkeit, bald mehr Menschen ins All zu befördern – ein vor allem geschäftlicher Antrieb, der bei Nasa und Esa bislang noch keine Rolle spielt.

Richard Branson, Chef von Virgin Galactic, will mit seinem Raumflugkörper zunächst nur an die Grenze zum Weltraum, der sogenannten Kármán-Linie, und verspricht seinen Kunden in etwa 100 Kilometern Höhe sieben Minuten Schwerelosigkeit zu einem fürstlichen Preis: 250 000 US-Dollar kostet ein Ticket für diese Grenzerfahrung. Die Warteliste ist ungeachtet der Summe lang und mit Ashton Kutcher, Brad Pitt, Angelina Jolie sowie Tom Hanks äußerst prominent besetzt.

Bransons SpaceShipTwo erinnert in seiner Form an ein gewöhnliches Flugzeug, das mitsamt seines Mutterschiffs in 15 Kilometer Höhe aufsteigt. Von dort aus fliegt das Raumschiff dann bis an die subortitale Grenze, die Schwelle zum Weltraum also.

Drei Wege ins All: Die Rakete Falcon 9 von Elon Musk (links) soll ab 2018 den Mars ansteuern. Richard Bransons SpaceShipTwo (rechts) begnügt sich hingegen mit Ausflügen an die Grenze zum Weltraum – Schwerelosigkeit inklusive. Jeff Bezos' Raumschiff New Shepard (Mitte) wiederum ist als erstes Weltraum-Fluggerät unbeschadet zur Erde zurückgekehrt. Quelle: SpaceX / Blue Origin / afp

Bransons Projekt steht allerdings unter keinem guten Stern: Der Prototyp des SpaceShipTwo stürzte im Oktober 2014 bei einem Testflug ab und wurde zerstört. Mit 100 Millionen US-Dollar aus seinem auf 5 Milliarden geschätzten Privatvermögen will der britische Unternehmer sein Raumfahrtprojekt wieder auf Kurs bringen, hinkt seinen beiden Mitbewerbern aber noch deutlich hinterher.

Jeff Bezos, der mit einem geschätzten Privatvermögen von 45 Milliarden Dollar über ungleich üppigere Mittel verfügt, ist mit seinem Unternehmen Blue Origin schon einen großen Schritt weiter. Dessen Raumschiff New Shepard, benannt nach Alan Shepard, dem ersten US-Astronauten, besteht aus zwei Modulen: einer Rakete und einer Kapsel für bis zu sechs Passagiere. Als Erstem überhaupt ist es Blue Origin gelungen, ein Raumschiff gänzlich unversehrt zur Erde zurückzubringen und es wiederzuverwenden.

An einem derartigen Recyclingkonzept arbeitet auch das Unternehmen SpaceX, hinter dem Tesla-Gründer Elon Musk steht. Zehn bis 20 Missionen soll dessen Rakete Falcon 9 eines Tages überstehen können. In Testflügen ist es immerhin schon mehrfach gelungen, den Launcher, also den Raketenantrieb, unbeschadet auf einer Plattform im Wasser zu landen. An der suborbitalen Grenze macht der Geschäftsmann mit geschätzten 13 Milliarden Dollar auf dem Privatkonto erst gar nicht halt. Er will deutlich höher hinaus. Das erklärte Ziel des 44-Jährigen: der Mars.

Pendelverkehr zum Mars

Geht es nach Musk, soll es in 20 Jahren einen regelmäßigen Pendelverkehr zum Roten Planeten geben. Schon 2018, so sieht es der straffe Zeitplan des Milliardärs vor, soll die erste, noch unbemannte SpaceX gen Mars abheben – mit dem Ziel, Daten zu sammeln, die eine bemannte Mission berechenbar machen sollen. 2024 soll schließlich ein "Mars Colonial Transporter" erste Kolonisten auf den Mars absetzen.

Warum überhaupt strebt Musk die Reise auf unseren unwirtlichen Nachbarplaneten an? Um den Fortbestand der Menschheit zu sichern, die, sollte die Erde eines Tages tatsächlich durch eine ökologische oder nukleare Katastrophe unbewohnbar geworden sein, auf dem Mars in einer künstlichen Stadt für bis zu 80 000 Menschen Zuflucht finden soll.

Esa-Direktor Thomas Reiter treiben derart düstere Science-Fiction-Visionen ein kalten Schauer über den Rücken: "Der Gedanke, dass wir den Mars erobern, weil wir unseren eigenen Planeten zerstört haben, ist bedrückend", meint der 58-Jährige. "Das Motiv für Raumfahrt soll die Erforschung des Unbekannten sein, nicht Flucht", ist Reiter überzeugt.

Von Carsten Bergmann

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