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Sehen „Captain Fantastic“ und mehr DVD-Tipps
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16:34 23.01.2017
Klassische Superhelden wie Flash in den DVD-Tipps der Woche Quelle: Privat
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Hannover

River – Erste Staffel:

Wir wissen spätestens seit M. Night Shyamalans Spukklassiker „Sixth Sense“: Manche Menschen können tote Menschen sehen. Stellan Skarsgard etwa, der großartige schwedische Charakterdarsteller, der als Londoner Kriminaler John River alles daran setzt, den Mörder seiner auf offener Straße hingerichteten Kollegin zu finden. Die ruhelosen Geister von Mordopfern, Selbst- und viktorianischen Serienmördern kommen ihm dabei in die Quere und als Zuschauer ist man geneigt, dem sympathischen Protagonisten trotz dieser Visionen/Halluzinationen zu vertrauen, wie man damals dem kleinen Haley Joel Osment geglaubt hat. Auch wenn es objektiv wahrscheinlicher ist, dass dieser Mann gerade dabei ist, seinen Verstand zu verlieren. Die BBC mischt in „River“ zwei Teile Krimi mit einem Teil Grusel. Das Ergebnis ist ein ungewöhnliches, vorzüglich geschriebenes, hochenergetisches Sechs-Episoden-Drama von Abi Morgan, bei dem man manchem Klischee zum Trotz den Charakteren (Adeel Akhtar, Eddie Marsan, Leslie Manville) bis zur Auflösung folgt.

River, Staffel 1 Quelle: Privat

Captain Fantastic:

Manche Eltern lehren ihre Kinder das Überleben für den Fall eines zivilisatorischen Kollaps, halten sie vom traditionellen Bildungssystem fern und bringen ihnen die Errungenschaften der Menschheit auf eigene Faust bei. Manchmal funktioniert ein solches mit Zügen des Fanatismus behaftetes Experiment und ganz wunderbare neue Menschen betreten die Welt. Matt Ross‘ „Captain Fantastic“ ist trotz des Titels kein DC-oder Marvelfilm. Viggo Mortensen spielt diesen Captain, den hochgebildeten Vater Ben, der mit seinen Kindern zur Beerdigung seiner Frau aus der Wildnis in die Bürgerlichkeit reist, wo sein Schwiegervater (Frank Langella) seine alternative Lebensführung für Wahnsinn hält, ihm die Schuld am Tod seiner Tochter unterstellt und die Enkel „übernehmen“ will. Der Trailer ließ eine Komödie vermuten, der Film ist tiefernst, ein doppeltes Plädoyer für die Freiheit, bei dem der Zuschauer auch den freigeistigen Captain in Frage stellen darf.

Captain Fantastic Quelle: Privat

Club der roten Bänder – Zweite Staffel:

Das Krankenhaus als Abenteuerspielplatz schwer kranker Kinder und Jugendlicher. Die deutsche Adaption einer spanischen Originalserie hält auch in der zweiten Season ihr Niveau durch ein wohlfeiles Drehbuch und eine erstklassige Besetzung, voran der charismatische Tim Oliver Schultz, der mit seinen 28 Jahren den 17jährigen Anführer Leo eindrucksvoll wie einen Cäsar der Krebsstation spielt. Nach ihren Entlassungen schrumpfen die überlebenswichtigen „roten Bänder“ für die Clubmitglieder Emma (Luise Befort) und Jonas (Damian Hardung) in der Außenansicht zu etwas Unwirklichem, Lächerlichen. Erzählt wird in den zehn Folgen, wie Schicksalsschläge den Club wieder zusammenführen. Ein spannendes, anrührendes Drama, das Trost zu spenden vermag durch seine Menschlichkeit und seinen magischen Realismus.

Club der roten Bänder Quelle: Privat

Flash, Staffel 2:

Es gab Zeiten - damals fuhr man noch Bonanzarad, pflegte Sammelalben mit diversen Klebebildreihen und las wie verrückt Schundheftchen über Superhelden - da fand man es plausibel, ein Mensch könne durch einen Blitzschlag nicht nur verletzt oder getötet werden sondern unter bestimmten, nicht im Detail bekannten Umständen, auch mit der Gabe irrsinniger Schnelligkeit bedacht werden. Und hoffte heimlich selbst darauf, es möge einen irgendwann ein solcher besonderer Blitz treffen, damit man fürderhin Gutes tun und die Mädels kriegen könnte. Heute, längst einen Besseren belehrt aber hoffnunglos auf der Suche nach einer Rückkehr in die magische Welt, die einen einst gefangennahm, lässt man sich nur zu gern auf eine Fernsehserie über Barry Allen alias „Flash“ ein, der in Central City, einer Stadt des DC-Comicuniversums in gewohnt hurtigem Tempo für Recht und Ordnung sorgt. Zumal wenn diese Serie – anders als die Vorgängerin von 1990 – tricktechnisch sexy daher kommt. Staffel Zwei ist mehr vom selben, der Hauptplot einer zweiten Erde, von der doppelgängerische Metamenschen durch Löcher im Multiversumsgewebe geschickt werden, um den von Gary Gustin sympathisch mit seiner neuen Rolle fremdelnden Helden Allen auszulöschen, überzeugt nur in der ersten Hälfte. Die superschnelle Gegenexistenz Zoom ist auch eigentlich zu heftchenhaft, man muss sich mit der Kopfzeitmaschine schon sehr in die Bonanzaradzeit zurückversetzen, um hier nicht breit zu grinsen. Weit lieber als diesen vampirischen Anti-Flash verfolgen wir denn doch die (zu geringen) Aktivitäten des von Mark „Luke Skywalker“ Hamill gespielten, trickreichen Typen namens „Trickster“.

Flash, Staffel 2 Quelle: Privat

Arrow, Staffel 4:

Seit Frank Millers und kurz darauf Tim Burtons „Batman“-Version haben Superhelden Selbstzweifel, Ängste, Traumata, sind die Geretteten nicht zwangsläufig dankbare Bewunderer und steht das Volk, das solche Helden erleben darf, ihnen zu einem nicht unerheblichem Anteil desinteressiert bis ablehnend gegenüber. Die Welt ist kompliziert geworden für die spezialbegabten Träger von lustigen Anzügen (mit oft bewegungshinderlichen Capes), was Kinofilme und Fersehserien mit ihnen umso sehenswerter macht. Marvel hat in der Psychologisierung der Helden und ihrer Einbettung in eine realistische Welt zwar einigen Vorsprung, die Serie „Arrow“ aber lässt das Konkurrenzhaus DC aufholen, auch die vierte Staffel um Oliver Queen (Stephen Amell) im kalifornischen Star City entwickelt ihre Charaktere glaubwürdig weiter. Während der Bogenschütze zur Ruhe kommen will und sich mit seiner geliebten Felicity (Emily Bett Rickards) in ein häusliches Idyll begeben möchte, startet ein neuer Unhold namens Damien Dahrk (Neal McDonough) sein Unwesen in der Stadt und umzu. Das Böse macht dem Guten den Frieden schal, er ist gefordert – und nicht nur an dieser Front. Komplex, mit vielen unterschwelligen Plötchen versehen - so dass man schnell mal den Überblick verliert - landet „Arrow“ auch im vierten Durchlauf einen Volltreffer.

Arrow, Staffel 4 Quelle: Privat

Preacher, Staffel 1:

Kein Cape, kein Strampler, dennoch ein berufsbedingt zuweilen besonders gewandeter Held. Auch Jesse Custer (Dominic Cooper), der „Preacher“ aus der gleichnamigen ABC-Serie, hat seinen Ursprung in einem Comic. Garth Ennis und Steve Dillon haben den Pfarrer einer texanischen Kleinstadt geschaffen, von dem ein Wesen aus der Twilight Zone Besitz ergreift, was ihm sowohl üble Kopfschmerzen als auch außergewöhnliche Kräfte beschert. Im Grunde eine weitere, abgewandelte Art der klassischen Besessenheitsstory, die sich seit William Friedkins Adaption des William-Peter-Blatty-Romans „Der Exorzist“ vor nunmehr 44 Jahren in der Populärkultur breitgemacht hat. Welchen Ursprungs die Kraft, die den früheren Kriminellen und an seinem spirituellen Überbau zweifelnden Priester befällt, nun ist, bleibt erstmal im Dunkel. Jedenfalls kann Custer nun Menschen unter seinen Willen bringen und gerät ins Visier zweier übernatürlicher Gestalten. Mithilfe seiner Ex (Ruth Negga) und eines Vampirs (Joseph Gilgun) macht er das sowieso doppelbödige, von wenig erbaulichen Gestalten bevölkerte Annville zum Schauplatz einer schwarzhumorigen, splattrigen und überdurchschnittlich unterhaltsamen Suche nach dem (einigermaßen) Gut-Sein in einer bösen Welt. Richtig besessen wird man von dieser Serie allerdings (noch) nicht.

Preacher, Staffel 1 Quelle: Privat

Von Matthias Halbig

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