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"Game of Thrones" und weitere DVD-Tipps

DVD-Tipps von Matthias Halbig "Game of Thrones" und weitere DVD-Tipps

Von epischer Edel-Fantasy bis zu verrückten Hutmachern, von Frust und Schießwut an der mexikanischen Grenze bis zum beklagenswerten Zustand der deutschen Komödie: Die DVD-Tipps von Matthias Halbig.

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Shades of Blue, Season 1

Jennifer Lopez ist Officer Harlee Santos, alleinerziehende Mutter, Ex-Frau eines prügelnden Ehemannes, und in der Klemme ihres Lebens: Ein FBI-Agent hat sie mit einem Trick an den Haken genommen, um – gegen Straffreiheit – ihre korrupte New Yorker Polizeieinheit auffliegen zu lassen. Die wird von Lieutenant Matt Wozniak (Ray Liotta) geführt, der seinerseits von einem Vertrauten bei den Föderationsagenten einen Wink bekommt und fortan in wachsender Paranoia nach dem Maulwurf in den eigenen Reihen fahndet.

Eine klassische kleine Polizeigeschichte entwickelt sich zu einer größeren (ziemlich guten), in deren Verlauf man zunächst widerwillig immer mehr Sympathie für die kriminellen Verbrechensbekämpfer aufbringt – sogar für Wosniak, den mörderischen Cop mit dem verschlagenen Krokodilsblick. Am Ende kann man dann kaum Staffel 2 dieser straffen, taffen Coperette erwarten.

Shades of Blue, Season 1

Game of Thrones, Season 6

HBO legt sich mit der sechsten Staffel seiner Edelfantasy mächtig ins Zeug, die Serie nähert sich imposant der Zielgeraden. In Westeros geht es drunter und drüber, in der Hauptstadt Königsmund führt der Rachedurst des gefährlichsten Geschöpfs dieser Welt – einer gedemütigten Königinmutter – zum großen Sterben. Dass Jon Schnee nicht so tot ist wie es Ende der fünften Season den Anschein hatte, hat sich längst herumgesprochen und gilt nicht mehr als Spoiler. Und noch ein anderer Totgeglaubter kehrt zur Freude der "GoT"-Fans zurück.

Zudem erfährt eine hoffnungsvolle kleine Kriegerin den Abschluss ihrer lebensgefährlichen Ausbildung und die Khaleesi sticht mit dem Heer der Unbefleckten und den eigentlich wasserscheuen Dothraki-Reitern in See. Der große, böse Winter schneit auch seine erste Flocken und so lässt sich abschließend sagen, dass die Serienmacher mit der ersten Staffel ohne eine Romanvorlage von George R. R. Martin hervorragende Arbeit geleistet haben. Nur noch zwei Seasons bis klar ist, wer am Ende auf dem Eisernen Thron sitzt (oder ob es das bizarre Möbel aus Schwertern dann überhaupt noch gibt).

Game of Thrones, Season 6

Alice im Wunderland - Hinter den Spiegeln

Pardauz! Schon flieht Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska) durch einen Spiegel, purzelt durch ihn hindurch auf ein Brett mit lebenden Schachfiguren und stößt dabei den Eiermann Humptydumpty vom Tisch. Verweise auf Lewis Carrolls zweites Alice-Buch "Hinter den Spiegeln", das 1871 erschien, das aber mit dem Film wenig gemein hat. Regisseur James Bobin ("Muppets most wanted") und seine Autorin Linda Woolverton erfinden lieber nach Herzenslust selber: Wie Alice (Mia Wasikowska) dem zu Tode deprimierten Hutmacher (Johnny Depp) sowohl den Mut als auch dessen totgeglaubte Familie zurückholen will. Wie sie dazu aus dem Räderwerk der Ewigkeit die Chronosphärenkugel stiehlt, um in die Vergangenheit reisen zu können.

Wie die Rote Königin (Helena Bonham Carter) erst so böse und gemein wurde, nachdem ihre ach so tugendhafte weiße Schwester (Anne Hathaway) sie mit einer Lüge in Verruf gebracht hatte. Und wie das ewige Wesen Zeit (Sacha Baron Cohen) zwar ein unerbittlicher Verfolger, aber doch viel netter ist als sein Ruf. Ein Film rollt ab, der actionreich Familie und Freundschaft verhandelt, ein Film über verletzten Stolz, verkannte Liebe, Reue und Vergebung, über Gleichheit und die Vollendung von Alice' Emanzipation. Ein deutliches "Mehrchen" gegenüber Tim Burtons "Alice"-Film (2010), in dem die Heldin von einem Kaninchen mit Uhr vor einer üblen Ehe gerettet wurde.

Alice im Wunderland - Hinter den Spiegeln

Desierto

Man trifft sie in vielen US-Filmen, diese "ganzen Kerle" von unausgegorenem Gemüt, immer zornig, weil Laubadende in der amerikanischen Politik Schuld haben, dass das Land so langsam vor die Hunde geht. Einer ihrer Lieblingswirkungsorte ist diese Grenze im Süden, über die so viele Illegale einströmen, dass das gute weiße Amerika bald zum zweiten Mexiko werden wird, so ihre Paranoia. Einer von diesen frustrierten Typen (Jeffrey Dean Morgan, bekannt aus "Grey's Anatomy", "Good Wife" und "The Walking Dead") nimmt in Jonás Cuaróns "Desierto" die Flinte in die Hand und schießt im Niemandsland mit wachsendem Vergnügen Einwanderer tot.

Gael Garcia Bernal führt eine Gruppe Mexikaner an, die verzweifelt versucht, dem tollwütigen Killer und seinem auf Menschen abgerichteten Schäferhund zu entkommen. Die Überfremdungsangst in den USA ist hier indes nur Mittel zur Spannungserzeugung, eine wirklich ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema findet nicht statt. Stattdessen brabbelt der je nach Storybedarf mal hervorragend mal mittelprächtig schießende Heckenschütze im Selbstgespräch ein paar Allgemeinplätze, die seine bedenkliche psychische Befindlichkeit zum Ausdruck bringen. Besser wäre Schweigen gewesen: Ein gänzlich unerklärter Angreifer hätte aus "Desierto" einen Thriller wie Steven Spielbergs "Duell" von 1973 gemacht.

Desierto

Confirmation

Anita Hill steht auf. Die Professorin für Rechtswissenschaften an der Universität von Oklahoma muss 1986 zwar zunächst überzeugt werden, dass ihre Aussage gegen den von Präsident George Bush für den Obersten Gerichtshof nominierten Richter Clarence Thomas allen Frauen in den Vereinigten Staaten dienen könnte. Dann aber macht sie ihre Aussage vor der Senatskommission – wegen konsequenter sexueller Belästigung, die sie zehn Jahre zuvor seitens Thomas erlitten hat. Und muss erleben, wie sie instrumentalisiert und attackiert wird.

In "Confirmation", einem Politdrama von Rick Famuyiwa, legen die Schauspieler Kerry Washington und Wendell Pierce derart überzeugende Leistungen hin, dass man bezüglich seiner Aversionen eher auf die schmierigen Strippenzieher hinter den Anhörungskulissen zurückgreift als auf den Bezichtigten selbst. Denn Thomas' Parteigängern ist jedes Mittel recht, um Hills Ansehen in den Schutz zu ziehen. Dass die Drehbuchautorin Susannah Grant ("Erin Brockovich") in der Frage, wer hier wohl die Wahrheit spricht, Position für Hill bezieht, geschieht leise, ist aber unmissverständlich und – da Thomas' Schuld nicht zweifelsfrei nachgewiesen wurde – vorverurteilend. Das es in der Folge zu einer US-weiten Diskussion um männliche Sexualmoral am Arbeitsplatz kam, macht die Sache nicht besser.

Confirmation

Wir Monster

Hat Sarah (Janina Fautz) ihre beste Freundin Charlie (Marie Bendig) nach dem eher belanglosen Streit im Auto tatsächlich in die Tiefe der Talsperre geschubst? Die Eltern Paul (Mehdi Nebbou) und Christine (Ulrike C. Tscharre), eigentlich getrennt, finden zu einer gemeinsamen Aufgabe – die Tochter zu begleiten, sie zu beschützen, um zu vertuschen, was da an Schrecklichem geschehen ist. Die vermutete Rechnung der Tochter geht auf, es erfüllt sich, was Kinder gescheiterter Familien sich am meisten ersehnen: Die Eltern kommen wieder zusammen, das Unheil macht alles wieder heil.

Der Walsroder Sebastian Ko hat mit "Wir Monster" einen stillen Thriller geschaffen, einen Anschleicher, der am schwärzesten wird, wenn das mörderische Mädchen im wieder traut gewordenen Familienkreis zu Lächeln und Liebenswürdigkeit zurückkehrt – als wäre nichts geschehen. Paul und Christine rätseln, der Zuschauer rätselt mit, das seltsame, kalte Kind muss ergründet werden. Das Ende überrascht nicht jeden, aber als man den Film längst abgehakt glaubt, wirkt er in Wahrheit noch nach, sickert ein, kehrt ins Gedächtnis zurück wie ein guter Song, den man gehört hat.

Wir Monster

Wie Männer über Frauen reden

Wie tief die deutsche Komödie sinken kann, zeigt Henrik Regels "Wie Männer über Frauen reden". In dem Film plappert eine Truppe bindungsskeptischer bis -unwilliger Troglodyten unter Führung von Oliver Korritke gestelzt geschriebene Chauvinistenprosa, bittet junge Frauen ins Bett und bringt dabei das Fremdschämzentrum in Zuschauers Gehirn in Infarktnähe. Und die Kamera glaubt, dem Filmtitel am besten dadurch gerecht zu werden, dass sie die kurvigeren Gegenden weiblicher Anatomie unter straffer Garderobe abbildet.

Natürlich sind die Frauen dieses Films sexaffin, zugleich aber total romantisch und auf Dauerbeziehungen aus. Und natürlich steckt auch in den Sexistisches am Schnürchen rausrotzenden Höhlenmännern in Wahrheit Pantoffelprinzen für drei Zimmer, Küche, Bad und Kinder. Die Schauspieler sind – bis auf Frederick Lau – so lau wie das Drehbuch, aber immerhin ist die Popmusik, die hier alle naslang in die Bilder platzt, recht gut gewählt.

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