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"Ice Age 5" und weitere DVD-Tipps

DVD-Tipps von Matthias Halbig "Ice Age 5" und weitere DVD-Tipps

Von der tragischen Lebensgeschichten eines schwarzen Clowns über einen Gruselklassiker von Stephen King, von Zeitreisen in Parallelwelten bis zum fünften Abenteuer von Sid, Scrat und ihren Urzeitkollegen: Die DVD-Tipps von Matthias Halbig.

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Monsieur Chocolat

Der von abnehmenden Erfolg geplagte und bei seinem schäbigen Wanderzirkus vom Rauswurf bedrohte weiße Clown Footit erwählt den Publikumsschocker, den Darsteller der (nach heutigen Maßstäben extrem rassistischen) Kannibalennnumer zum Kompagnon, um sich aus seiner Misere zu juxen. Damit werden die beiden Ende des 19. Jahrhunderts ein so durchschlagender Erfolg, dass die Pariser Manegen aufmerksam werden und sie zu Stars in der glamourösen Hauptstadt werden. Omar Sy ("Ziemlich beste Freunde") ist der lebensfrohe "Monsieur Chocolat", James Thiérrée der miesepetrige Footit. Letzteren plagt zudem die Eifersucht: Der Schwarze ist – trotz dass er im Zirkusrund als Watschenmann fungiert, ein Charmeur, dem die Frauen erliegen. Wie jeder weiß, sind Clownsgeschichten Tragödien – diese konventionell erzählte, reizvoll ausgestattete, geht allerdings extrem zu Herzen.

Monsieur Chocolat

Es

Da steht ein Clown auf dem vereisten Flüsschen Kenduskeag. Was sucht er da? Und warum um Himmels Willen steht seine Luftballontraube gegen die Windrichtung? Etwas ist höllisch faul mit diesem bunten Pennywise, und wer das nicht rechtzeitig erkennt von der minderjährigen Bevölkerung des Städtchens Derry in Maine, den packt er tödlich am Schlafittchen. Eine Clique von Kindern besiegt das Böse aus einer anderen Dimension nach schwerem Kampf, doch hat sich Pennywise nur in die Tiefen des örtlichen Kanals verkrochen und tritt 27 Jahre erneut hervor. Neben dem Transvestiten Frank'n'Furter aus der "Rocky Horror Picture Show" ist der Horrorclown aus der Stephen-King-Verfilmung "Es" Tim Currys populärste Rolle, den Anführer seiner Gegner spielt Richard "John Boy Walton" Thomas. Jetzt gibt's den ansehnlichen TV-Dreistünder mit seinem unbesiegbaren Ungeheuer auf BluRay. Wobei einen freilich Kings dickleibiger Roman (einer seiner besten) noch weit stärker das Fürchten lehrt. P.S.: Im September 2017 kommt eine vielversprechende Neuverfilmung ins Kino.

Es

11.22.63 – Der Anschlag, Staffel 1

Manchmal werden Zeitreisen in Literatur, Film und Fernsehen in der Absicht vorgenommen, die Vergangenheit stark zu verändern. Oft ist der Reisende in solchen Fällen der Mann, der Hitler durch ein Attentat noch vor dessen Machtergreifung 1933 umbringen möchte. In der ersten Staffel von "11.22.63 – Der Anschlag" geht es darum, einen Attentäter vom Morden abzuhalten. Am 22. November 1963 wurde Präsident John F. Kennedy in Dallas von Lee Harvey Oswald erschossen. Was danach folgte, ist die "amerikanische Endzeit". Amerika schlafwandelt bis heute, wählt dumm Trump, und seufzt zugleich: Was wäre gewesen, wenn Kennedy damals überlebt hätte? Der Oscar-Preisträger Kevin Macdonald verhandelt diese Wunschvorstellung in acht eindringlich erzählte Ein-Stunden-Episoden. Die Zeit ist dabei, wie könnte es anders sein, ein stures, gewalttätiges Monster. Eine Nichtermordung des Präsidenten würde ihr, so scheint es, ein Zuviel an Veränderung aufbürden. So verwundet sie ihre Heiler. Man folgt James Franco ("The Interview") in der Hauptrolle gern in das Wunderland Amerika, in dem er sich einrichtet, sich an Oswald heranpirscht, sich verliebt. Ein Land, dessen Verheißungsfülle ein Trug ist. Ob er seine unmögliche Mission schaffen wird? Man erliegt schnell der Faszination dieser Idee.

11.22.63 – Der Anschlag, Staffel 1

Outlander, Staffel 2

Und nochmal geht's durch die Jahrhunderte. Zeitreisen sind für gewöhnlich der Science-fiction zugehörig, in "Outlander" ist der Rücksturz der schönen Krankenschwester Claire (Caitriona Balfe) in das Jahr 1743 eher Fantasy (ein magischer Steinkreis fungiert als Portal). Claire stößt im abenteuerlichen Gestern auf einen sadistischen englischen Bösewicht, der ihrem gegenwärtigen Ehemann aufs Haar gleicht und der ihr verstärkt nach dem Mieder trachtet. Und sie verliebt sich parallel in den jungen schottischen Freiheitskämpfer Jamie (Sam Heughan). Beider Versuch, durch eine Reise an den französischen Hof die Zukunft Schottlands zu beeinflussen und eine vernichtende Schlacht zu verhindern, gerät in der zweiten Staffel über weite Strecken spannend, und das, obwohl sich die Serie (bis auf das überraschende Staffelfinale) sehr eng an die Romanvorlage hält. In schwelgerischen Bildern wird von politischen Intrigen und privaten Gemeinheiten erzählt. Nach dem letzten Abspann kann man Staffel 3 dann kaum erwarten, dort jedoch, so wurde von den Serienmachen schon angekündigt, erwarten den Zuschauer deutliche Abweichungen von Diana Gabaldons beliebter, bestsellender "Highland-Saga".

Outlander, Staffel 2

Supergirl, Staffel 1

Wenn Kara Danvers (Melissa Benoist) verzückt quietschend auf dem Sofa herumkugelt, weil ihre erste Heldentat (Verhindern eines Flugzeugabsturzes) in den Nachrichten gebracht wird, dann wird der Charakter der Serie "Supergirl" gleich in der ersten Episode offenbart. Hier kommt keine verdüsterte oder an die Wirklichkeit angenäherte Superheldengeschichte, keine verfilmte Graphic Novel mit Tiefgang und Schwermut, sondern eine leichte, amüsante, heftchenhafte Story über ein Mädel mit Mumm und Spezialkräften. Erzählt wird in der ersten Staffel, wie die 12jährige Kara Zor-El ein paar Sekunden nach rettenden Abflug ihres Cousins vom Planeten Krypton Richtung Erde zu dessen Schutz hinterhergeschickt wird, von den Trümmern ihrer berstenden Heimat aber abgelenkt und in einen abgelegenen (Comic-)Teil des Weltalls geschleudert wird. Von dort entkommt sie zweieinhalb Jahrzehnte später zur Erde – ein intergalaktisches Hochsicherheitsgefängnis unbeabsichtigt im Gefolge. Der Cousin braucht inzwischen keinen Schutz mehr, er ist "Superman", der Held von Metropolis. Als "Supergirl" in National City hat die süße Kara bald tödlichen Ärger mit den Alienknackis, die einst von ihrer Mutter, einer Richterin, verurteilt wurden. Die Erde muss gerettet werden, dabei helfen ihr der Zeitungskollege Jimmy Olsen (einst in den Comics ein sommersprossiger Blondschopf, jetzt schwarz und attraktiv) und eine irdische Ziehschwester (Chyler Leigh), die einer Außerirdischen-Abwehr-Agency angehört. Ach ja, wer es noch nicht wusste: Das "S"-Emblem auf der Brust von Cousin und Cousine steht nicht etwa für "Super" sondern ist ein Familienwappen.

Supergirl, Staffel 1

Ice Age 5 – Kollision voraus

Säbelzahnhörnchen Scrat, stets der leckeren Unglückseichel verpflichtet, setzt auf der Jagd nach der unerreichbaren Beute ein im ewigen Eis eingefrorenes Ufo frei und bewirkt auf seinem unfreiwilligen, rüpeligen Raumflug die Kursänderung eines gewaltigen Asteroiden Richtung Erde. Das fünfte Abenteuer der Urzeitgefährten Sid (Faultier), Manni (Mammut) und Diego (Säbelzahntiger) samt ihrer Familie und sonstigen Anhangs ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen, geschwätzig, meist hysterisch, gelegentlich lustig – was neuerlich der Sid-Synchronisation durch den verlässlichen Alt-Comedian Otto Waalkes zu danken ist. Bösewichte sind diesmal Dinovögel, die wie ein Mix aus Ara und Allosaurus wirken (also eher albern aussehen), und es gibt ein Fantasy-Diamantental mit Faultier-Prinzessinnen und Einhörnern darin. Und weil in der "Ice Age"-Filmreihe inzwischen gar nichts mehr der Realität irgendeines Erdzeitalters auch nur im Ansatz verpflichtet ist, geht es so lange drunter und drüber, bis auch diese Endzeit happy endet – was nur unverfrorene Drehbuchautoren braucht, wie es Michael J. Wilson, Michael Berg und Yoni Brenner sind. Was die wohl für den sechsten Film ausbaldowern werden.

Ice Age 5 – Kollision voraus

Vor ihren Augen

Beeindruckend an Billy Rays Thriller "Vor ihren Augen" ist vor allem Julia Roberts, die eine vom Unglück gebrochene, verhärmte Polizistin so deprimierend echt spielt, dass rein gar nichts mehr an die "Pretty Woman" von einst erinnert. Ihre Jessica Cobb hat das Schlimmste überhaupt erlebt: Das vergewaltigte, ermordete, mit Bleichmittel getränkte Mädchen, das ihr Kollege Ray (Chiwetel Ejiofor) in einem Müllcontainer entdeckt, ist ihre Tochter. Viele Jahre gehen ins Land, eines Tages kehrt Ray, inzwischen Terrorbekämpfer beim FBI, zu Jess und seiner alten Einheit zurück, weil er den damals entkommenen Hauptverdächtigen ausgemacht hat. Die Staatsanwältin (Nicole Kidman) verhält sich weniger kooperativ als gedacht, das FBI ebenfalls. Und als am Ende alles gelungen scheint, wird ein wirklich schreckliches Geheimnis aufgedeckt. Der bis dahin eher reizarme Thriller lebt weitgehend von Roberts Spiel und ebendieser Überraschung. Die indes nur dann eine ist, wenn man das Original, das ungleich intensivere, Oscar-gekürte, argentinische Drama "In ihren Augen" (2009) von Juan José Campanella nicht kennt. Campanellas Film besitzt – vor dem Hintergrund der argentinischen Diktatur – noch eine politische Dimension, die Rays Adaption fehlt. 

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