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Sehen “Into the Forest“ und mehr DVD-Tipps
Sonntag Tipps & Kritik Sehen “Into the Forest“ und mehr DVD-Tipps
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19:53 31.03.2017
Quelle: dpa
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Hannover

Wentworth, Staffel 1:
Man lässt sich nur zu gern ankitzeln von der Mikroparallelgesellschaft Gefängnis, wo Verbrecher in Hackordnungen leben und Verbrechen begehen, während Wärter nach Kräften wegschauen, tolerieren, abkassieren. Die australische Serie „Wentworth“ über ein Frauengefängnis ist ein Prequel der alten, hierzulande nicht allzu bekannten australischen Serie „Prisoner Cell Block H“ (692 Episoden ab 1979). Deren Fans können erleben, wie die Insassin Bea Smith (Danielle Cormack), die versucht hatte ihren gewalttätigen Mann umzubringen, die spätere Gefängniskönigin wird.

Wer diesbezüglich keine Vorkenntnisse hat, wird allerdings genauso schnell in den Sog der äußerst spannenden, klischee-, tempo-und überraschungsreichen, überwiegend exzellent gespielten, indes eher routiniert gefilmten Erzählungen gezogen. Der Krieg zwischen den Rivalinnen Franky (Nicole Da Silva) und Jacs (Kris McQuade) wird brutalst ausgefochten. Eine realistischere Alternative für Fans der schrägen Hinter-Gitter-Thrills „Oz“ und „Orange is the New Black“. Hier wird zwar manchmal mit den Mitteln der Kolportage am Spannungsrad gedreht, Thrill und Tragik werden aber von Episode zu Episode gesteigert. Vier Staffeln sind fertig, die fünfte wurde in Auftrag gegeben.

Wentworth, Staffel 1 Quelle: Verleih

The Night Of, Staffel 1: Ein Junge und ein Mädchen lassen die Beine am Hudson River unter der glitzernden Brücke baumeln. Er hat sich das Taxi seines Vaters „geborgt“, um zu einer Party in Downtown zu kommen, sie ist in einen Wagen gestiegen. Sie scheint traurig, er hört ihr zu, sie werfen Euphorizer ein, sie fahren zu ihr nach Hause, trinken, reden, spielen Spielchen, schlafen miteinander, dann ist das Mädchen tot, erstochen mit 22 Stichen. Die HBO-Serie „The Night of“ hat von Bild 1 an die unheilschwangere Atmosphäre großer Thriller, die umso unerträglicher wird, je mehr sich dieses New York als beinahe lückenlos von Überwachungskameras kontrolliert erweist. Sie zeigt einen schüchternen jungen Pakistani, Tutor an der Uni, der sich integriert fühlt, weniger als Moslem oder Migrantenkind, denn als New Yorker und Weltbürger. Und der von einem kleinen, braven Leben in das Justizsystem stürzt, in die Gefängnishölle, eine Welt der Vorurteile. Die Dominosteine eines geraden Lebens geraten ins Wanken, und reißen auch seine Familie unbarmherzig mit.

Der Zuschauer ist acht Episoden lang ganz nah an den Ereignissen, fühlt Angst und Panik und Einsamkeit des Protagonisten mit, und wagt immer weniger auf einen guten Ausgang zu hoffen. Selten saß jemand in einer Serie tiefer in der Tinte als der von Riz Ahmed gespielte, sensible Held dieser Tragödie. Dicht inszeniert von Steven Zaillian, mit Peyman Mooadi (“Nader und Simin“) als Vater des Verdächtigten und John Turturro als gutherzigem Columbo der kleinen Anwälte vortrefflich besitzt. Eine von den Serien, die man bis zum letzten Bild abspeichert und nicht mehr vergessen wird.

The Night Of, Staffel 1 Quelle: Verleih

Die Insel der besonderen Kinder: Das Haus, von dem der geliebte Großvater (Terence Stamp) als Traumort seiner Kindheit schwärmte, ist nur noch eine Ruine. Eine deutsche Bombe fiel im Zweiten Weltkrieg aufs Dach und vernichtete das Heim der „besonderen Kinder“ und die Kinder gleich mit. Und dann sind sie eben doch nicht tot. Sondern leben in einer Zeitschleife, in der die Bombe jede Nacht aufs Neue gestoppt wird, und in die der junge Jake (Asa Butterfield) aus unserer Gegenwart eindringt. Die Heimleiterin Miss Peregrine (Eva Green) dreht Abend für Abend die Uhr zurück und alle sind für einen weiterenTag in Sicherheit. Gefahr droht indes von dem bizarren Bösewicht Barron (Samuel L. Jackson), der sich vom Verzehr der kindlichen Augäpfel ewiges Leben für sich und seine Mitmonster verspricht und den Frieden der märchenhaften Mutanten stört.

Tim Burton, seit seinen Anfängen Meister des zauberhaften Schauerstücks, liefert ein weiteres seiner gruselschönen Panoptiken und erzählt damit im Grunde auf eine wundersame Art nur von der ganz ewigen juvenilen Sehnsucht nach dem Einzigartigsein. Die „X-Men“ treffen die Hogwarts-Schüler auf der „Insel der besonderen Kinder“ (nach dem Fantasyroman von Ransom Riggs) und wenngleich man sich eine etwas stärkere Auslotung der Charaktere gewünscht hätte, können sich Zuschauers Augen kaum sattsehen an den außergewöhnlichen Bildern.

Die Insel der besonderen Kinder Quelle: Verleih

Ouija - Ursprung des Bösen: Als die mit getürktem Seelenheraufbeschwören ihr Geld verdienenden Zanders ausziehen sollen aus ihrem Häuschen, findet die kleine Doris (Lulu Wilson) in einem Wandversteck genau zur rechten Zeit eine Tasche mit Dollarscheinen. Was ihr gelingen konnte, weil sie über Mutters neues magisches Brett mit dem allwissenden Jenseits in Verbindung steht. Doris hat bald auch einen neuen „Freund“, einen unsichtbaren Frechdachs namens Marcus, der ihr bei den Hausaufgaben hilft und der großen Schwester nächtens die Bettdecke wegzieht, Eines Tages kommen die Zanders dann in Kontakt mit der Seele des toten Vaters und die Skepsis weicht der Freude. Die Aussicht, der Kundschaft künftig nicht mehr Trostlügen auftischen zu müssen, sondern echte übersinnliche Hilfe bei Trauer und Ängsten bieten zu können, gibt der Geisterruferin Alice (Elizabeth Reaser) Auftrieb.

Bald schon, wie das in Horrorfilmen mit unsichtbaren Freunden so ist, läuft Marcus aus dem Ruder, lässt er Doris mit den Stimmen von Toten sprechen und nimmt sie in Besitz - eine böse Präsenz, die nicht mehr raus will aus dem Mädchen. Mike Flanagans Prequel zu den bisherigen „Ouija“-Filmen steht für sich, ist besser als die Vorgänger. Der Spuk ist speziell und einigermaßen originell (sieht man mal vom Ende ab), gleitet leise heran, flüstert und atmet und zeigt sich in Traumspiegeln und muss ausgetrieben werden nach allen Regeln des Exorzismus. Beeindruckend ist Flanagans verblüffend reichhaltige Wiedergabe des Jahres 1967. Man würde am liebsten sofort in diese Welt einziehen, wäre sie nur garantiert dämonenfrei.

Ouija – Ursprung des Bösen Quelle: Verleih

Into the Forest: Kanadische Wälder sind schöne Wälder: Gewaltige Nadelbäume, märchenhaft farnverhangen und verwunschen grün. Die Regisseurin Patricia Rozema bildet sie „Into the Forest“ so leuchtend ab, dass man sie sofort durchwandern möchte. Allerdings nicht unbedingt in der Handlungszeit dieses Films. Eine kleine Familie, Vater und zwei Töchter, lebt dort in einem schönen Haus, als eines Tages ein Stromausfall die gesamte Westküste Nordamerikas in eine Endzeitwelt verwandelt. Bald sind die beiden Schwestern Nell und Eva auf sich gestellt.

Ellen Page (“Juno“) und Evan Rachel Wood (“Westworld“) sind beeindruckend in einer relativ leisen Zivilisationsapokalypse, die lange unspektakulär bleibt, bis eines Tages jemand in den Frieden einfällt und ihn bösartig bricht. Ein nachdenklich machender Film vom Überleben durch Gemeinschaftsgeist, dessen Melancholie akzentuiert wird von Max Richters kongenialer Filmmusik.

Into The Forest Quelle: Verleih

Don’t breathe: Nun, diese drei jungen Einbrecher sind definitiv keine Verwandten der kriminellen Robin-Hood-artigen Gesellschaftskritiker aus „Die fetten Jahre sind vorbei“. Das Trio in „Don’t breathe“ bricht zwar auch in Villen ein, bestiehlt auch die abwesenden Reichen, Eigennutz ist aber schon deren ganze Philosophie. Der letzte große Coup für den Start in ein besseres Leben: Ein blinder Kriegsveteran (Stephen Lang), der in einer heruntergekommenen, fast verlassenen Siedlung auf dem Geld sitzt, das er als Entschädigung für den Unfalltod seiner Tochter erhalten hat, soll um sein Vermögen gebracht werden.

Rocky (Jane Levy), Alex (Dylan Minnette) und Money (Daniel Zovatto) erfahren jedoch bald auf die harte Tour, dass der Alte nicht nur einen extrem grimmigen Rottweiler besitzt sondern auch selbst erstaunlich orientiert wehrhaft ist für einen Mann ohne Augenlicht. Das Haus wird zum Revier einer Menschenjagd, die von dem gebürtigen Uruguayer Fede Alvarez atemlos inszeniert wurde und über die volle Distanz spannend ist. Freilich muss man über Logiklöcher hinwegsehen - vor allem über die schier unglaublichen Widerstandskräfte aller Beteiligten. Der eine hält Gas aus, der andere überlebt Stiche gewaltiger Heckenscheren. Und was sie nicht umbringt, scheint sie noch härter zu machen.

Don’t Breathe Quelle: Verleih

Von Matthias Halbig

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