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"Jessica Jones" und mehr DVD-Tipps

DVD-Tipps von Matthias Halbig "Jessica Jones" und mehr DVD-Tipps

Von feinstem Film Noir aus dem Hause Marvel bis zur größten Zombieherde aller Zeiten, von einer "Tarzan"-Neuauflage mit Alexander Skarsgard und Christoph Waltz bis zu einer Enttäuschung von der BBC: Die DVD-Tipps von Matthias Halbig.

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Jessica Jones, Staffel 1

New York ist die Stadt, die herumschläft. Solche Städte bedeuten gute Geschäfte für Privatdetektive wie Jessica Jones. Sie findet allnächtlich den Schmutz, den ihre Klienten fürchten und begehren. Sie sitzt auf Dächern, Balkonen und Simsen und fotografiert durch die Fenster Sex, Gewalt, Geheimnisse. Dazu steigt Dampf aus den Gullys und U-Bahn-Schächten, und eine Trompete lässt ihre Jazzschwaden durch die winternassen Straßen schweben. Das hier ist bester Film noir aus dem Comichaus Marvel, ein New York, in dem selbst die Schatten schießen.

Die von Krysten Ritter (bekannt als Jesses Freundin aus "Breaking Bad") gespielte Jones passt da rein, eine schneewittchenblasse, stets sehr verletzt dreinblickende Ostküstenschwester von Sam Spade und Philip Marlowe, die ihrem einstigen Gegenspieler, dem wahnsinnigen Willenskontrolleur Kilgrave (David Tennant) wieder begegnet. Und Kilgrave glaubt blöderweise sie zu lieben. So stürzt Jones über ihren neuesten Fall zurück in den Albtraum ihres Lebens. Und wir stürzen mit, glücklich, gespannt, völlig willenlose Bingewatcher.

Jessica Jones, Staffel 1

The Legend of Tarzan

Ins paradiesische Kongobecken kehrt Lord Greystoke (Alexander Skarsgard) zurück. Hier wuchs er einst unter Affen auf (der Film von David Yates bescheidet sich bezüglich der 1000 Mal erzählten Herkunftsgeschichte wohltuend mit einigen Rückblenden), hier weilt er mit seiner Gattin Jane und dem schwarzen US-Bürgerkriegsveteran Washington Williams, um im Auftrag der britischen Krone dem belgischen König Leopold auf den Zahn zu fühlen, der seine marode Staatskasse offenbar durch Sklavenhandel saniert. In der alten Heimat nennt man ihn wie früher, als er noch Herr des Dschungels war: Tarzan.

Der Regisseur, der im Alleingang die zweite Hälfte der acht "Harry Potter"-Filme drehte (und dessen "Fantastische Tierwesen …" derzeit im Kino laufen, hat ganz offenbar ein Faible für Waisen, die unter Sonderbedingungen groß wurden. Tarzans belgischer Widersacher vor Ort (wie jeder bessere Widersacher wird er von Christoph Waltz gespielt) brennt das Dorf seiner Freunde nieder und versklavt diese, um den verfolgenden Helden in die Falle eines in Diamanten-Kopfgeld zahlenden, rachsüchtigen Häuptlings zu locken. Ein Abenteuerfilm im Geiste der alten Johnny-Weissmüller- und Lex-Barker-Tarzaniaden bricht sich Bahn. Die Sorte Tarzan-Film, in der sich Antilope, Leu und Krokodil freudig vor den Karren des Helden spannen lassen. Guckgenuss ohne Reue!

The Legend of Tarzan

The Walking Dead, Staffel 6

Keine Sorge, die große Umleitungsaktion der größten Zombieherde aller Zeiten weg von der metallenen Stadtmauer des Örtchens Alexandria kann nicht glatt gehen. Da draußen in der Wildnis sind außer den tumben, geräusch- und geruchsgesteuerten Beißern noch an der Seele deformierte Menschen unterwegs, die die Siedlung überfallen und mit dem Getöse die Aufmerksamkeit Tausender Untoter auf sich ziehen. Selbst in der sichersten Siedlung kann man also nicht in Frieden leben, wenn da ein böser Nachbar in der Nähe wohnt, dessen oberste Priorität es ist, absolute Kontrolle über alle Lebenden zu besitzen.

Auch der neueste Traum vom Ankommen und Neuanfangen, den Rick (Andrew Lincoln), Glenn (Steven Yeun), Michonne (Danai Gurira) und ihre Freunde hegen, ist nur einer auf Zeit. Der Nachbar namens Negan (Jeffrey Dean Morgan) ist ein völlig irrer Despot vom Schlage des Governors aus Staffel 3 und 4. Am Ende steht der grimmigste Cliffhanger einer Serie, die zwar noch spannend aber auch schon mächtig redundant ist und die in einer der nächsten Staffeln zu einem befriedigenden Ende kommen muss. Ein Ende, das nicht in der nächsten, niederlassenwert erscheinenden Siedlung liegen kann.

The Walking Dead, Staffel 6

Fear the Walking Dead, Staffel 2

Die Leute von "The Walking Dead" sind längst harte Endzeitritter. Soweit sind Cliff Curtis, Kim Dickens und ihre Lieben in "Fear the Walking Dead" noch nicht. Die ersten Episoden der zweiten Staffel verlaufen – gemessen an der Originalserie – noch relativ arm an "Begegnungen" der fauligen Art. Auf der Jacht auf dem offenen Meer gären vor allem die Konflikte innerhalb der unfreiwilligen Gemeinschaft, deren Mitglieder sich, ihrer Sicherheiten beraubt, in klaustrophobischen und anderen Angstzuständen befinden.

Der hartherzige Bootseigner Strand (Colman Domingo), der sich weigert, weitere Flüchtige an Bord zu nehmen wird in seiner Misanthropie schrecklich bestätigt, während die empathischeren Charaktere schmerzhaft erkennen müssen, dass sie sich in einer Endzeit auch der zivilisierten Verhaltensweisen befinden. Der Zombie ist des Menschen Wolf, von den Mitmenschen ganz zu schweigen. Zur Mitte endet die etwas behäbige Inszenierung deshalb endlich,  das Tempo wird zur Freude der Serienfans angezogen. In den letzten drei Folgen explodiert das kalifornische Familiendrama mit seltsam aussehenden Zweibeinern dann geradezu.

Fear the Walking Dead, Staffel 2

Backtrack

Ob die Ehe von Peter Bower Bestand haben wird, ist noch nicht klar. Eine Sekunde war es nur, die er in ein Schaufenster sah, statt auf seine kleine Tochter, die gerade ihre ersten Versuche auf dem Fahrrad unternahm. Diese Sekunde hat alles Glück ins schwärzeste Gegenteil verkehrt. Und da ist noch etwas: Besuche eines seltsamen, stummen Mädchens, das auftaucht und sich dann wieder in Luft aufzulösen scheint. Ein Zug voller vorwurfsvoll aus dem Fenster spähender Leute. Es hat einen Grund, weshalb der Held von Michael Petronis "Backtrack" tote Menschen sehen kann wie einst der kleine Junge in M. Night Shyamalans Überraschungserfolg "The Sixth Sense".

Nein, das australische Schauerstück ist keineswegs originell, es saugt sein Material aus vielerlei Filmen, unter anderem aus Nicolas Roegs "Wenn die Gondeln Trauer tragen". Aber der Film hat starke, atmosphärische Bilder, einen aufreibenden Soundtrack und setzt seine Schreck-und Gänsehautmomente überaus effektiv ein. Überdies besitzt er in Adrien Brody, Sam Neill und "Hell on Wheels"-Star Robin McLeavy eine Besetzung, die sich, nun ja, sehen lassen kann.

Backtrack

Accused, Staffel 1 und 2

Jimmy McGovern ist der Schöpfer von "Für alle Fälle Fitz", der Krimiserie mit Robbie Coltrane, die auch hierzulande großes Gefallen fand. In England gilt seither: Fernsehen = Gernsehen, wenn nur der Name McGovern draufsteht. Beim Vorspann von "Accused" steht der Name auch direkt unterm Titel, zehn Geschichten, die erzählen, wie Leute von geringer bis keiner Bescholtenheit durch Dummheit oder einer Verkettung unglücklicher Umstände vor Gericht ihre Freiheit oder doch zumindest ihr ganzes privates Glück verlieren. Für McGovern finden sich erneut eindrucksvolle Schauspieler wie Christopher Eccleston als kleiner Handwerksmeister mit ungeduldiger Geliebter und einer Tochter, der er eine stattliche Hochzeit bezahlen möchte, oder Sean Bean als Transvestit, der die falschen Entscheidungen trifft.

Die trifft er allerdings, weil McGovern seine Geschichten offenbar ohne größere Recherche aufgeschrieben hat, und sein Personal schon mal Dinge tun lässt, die nicht nur ein bisschen unplausibel sind sondern die sie nie im Leben wagen würden. Konstruiert wirkt diese eher durchschnittliche Serie der BBC, die sonst so Eindrucksvolles hervorbringt: "Sherlock", "Ripper Street", "Luther", "Spooks", "Orphan Black", um nur einige empfehlenswertere zu nennen.

Accused, Staffel 1 und 2

Justice League – Gefängnisausbruch in Gotham City

Das Arkham Asylum, Gotham Citys berühmte Nervenheilanstalt ist zugleich die ausbruchreiste Verwahrstätte aller Zeiten und Lande, man sollte sich so langsam mal ein anderes Kittchen für die bunt gewandeten Comic-Bösewichte Joker, Harley Quinn und Scarecrow suchen – die Sache wird langsam langweilig. Zuvor jedoch sollte man einen Blick in "Justice League – Gefängnisausbruch in Gotham City" werfen, auf die Lego-Trickfilmversion dieser Ereignisse. Darin wollen Batmans beste Freunde dem überarbeiteten dunklen Ritter einen Urlaub ermöglichen, während Superman auf Gotham aufpasst.

Der blaurote Kryptonier freilich ist schon allein mit dem Joker heillos überfordert, erst recht mit der ganzen flüchtigen Arkham-Bande. Derweil trifft Batman in den Ferien auf einen alten Konkurrenten, gerät unter die Fuchtel seiner resoluten Lehrerin und hat alsbald auch in der Fremde alle Heldenhände voll zu tun. Superman als Superstrahlemann und Batman als taffer Kerl, der intellektuell schnell an die Grenzen gerät sind Hauptfiguren eines vergnüglichen Spiels mit den Comicklischees, nicht so verwegen lustig, atemraubend und originell wie "The Lego Movie" (2014), aber doch ein willkommener Wegbereiter für das im kommenden Februar im Kino anlaufende "The Lego Batman Movie" (2017).

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