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"Mittelerde Collector's Edition" und mehr

DVD-Tipps von Matthias Halbig "Mittelerde Collector's Edition" und mehr

Von Luxus-Sammlerboxen für Almodóvar- und Mittelerde-Fans bis zu einer ungewöhnlichen Marvel-Heldin, von atmosphärischem Agenten-Thrill bis zu absurd-unterhaltsamem Hollywood-Klamauk: Die DVD-Tipps von Matthias Halbig.

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Pedro Almodóvar – Die große Edition

Vom Kinodebüt "Pepi, Luci, Bom und der Rest der Bande" (1980) bis zum jüngsten Mutter-Tochter-Melodram "Julietta": Der komplette Almodóvar ist drauf auf dieser mit 19 Filmen prall gefüllten DVD-Box. Die Entwicklung eines Meisterregisseurs aus der schrillen Madrider Subkultur wird gewürdigt.  

Pedro Almodóvar – Die große Edition

Mittelerde Ultimate Collector's Edition

Wahrscheinlich ist Regisseur Peter Jackson fertig mit der Ablichtung von Mittelerde, es steht kaum zu erwarten/zu befürchten, dass er noch Teile des "Silmarillion" verfilmen oder das märchenhafte kleine "Blatt von Tüftler" in eine Dreistundenfantasie packen wird. In den drei "Herr der Ringe"-Adaptionen hatte Jackson Tolkiens tollkühnes Universum visuell überwältigend und nahezu perfekt verdichtet, in den "Hobbit"-Filmen hatte er es dagegen bis zum Zerreißen überdehnt. Dennoch sind Jacksons Sechs die Königsklasse des Fantasyfilms (wenn man HBOs cineastisches Fernsehepos "Game of Thrones" mal außer Acht lässt).

Sie liegen jetzt in einem ganz großen Paket vor, mit den erweiterten Filmversionen (zwei Stunden beim "Ring", eine beim "Hobbit") sowie mit allen bekannten Extras, extravagant aufgemacht. Und es gibt noch eine schmalere Ausgabe mit den kürzeren Kinoversionen aller Filme. Neue Ausgaben für Neueinsteiger oder Fans, die alles haben müssen und die auch mal keine Beutelschneidereien darstellen, weil ja nur Bekanntes in eine gemeinsame Hülle gesteckt wurde.

Mittelerde Ultimate Collector's Edition

Outcast, Staffel 1

Eigentlich sind Satan, Besessene und Austreiber ja ein alter Zauberhut. Ein bisschen arg abgenutzt durch viele Billigfilme, seit 1973 Linda Blair im "Exorzist" unter Teufelsbraten Pazuzus Einfluss den Kopf nach hinten drehte und zwischen urplötzlich rundumverschlechterten Zahnreihen grünen Schleim auswarf. In der Serie "Outcast" nun wird das abgehalfterte Böse in einer Stadt mit dem nicht von ungefähr katholischen Namen Rome (in West Virginia) noch einmal höchst erschreckend lebendig. Was vor allem an der Fantasie und dem gleichermaßen ausgeprägten Realitätssinn des (Comic-)Schöpfers Robert Kirkman ("The Walking Dead", "Fear the Walking Dead") liegt.

Kirkmans Held Kyle Barnes (Patrick Fugit) wird seit früher Kindheit von jenseitigen Mächten  heimgesucht. Groß geworden, will er dem auf den Grund gehen und stößt auf ein menschheitsgefährdendes Geheimnis. Zehn Episoden, die einen bekriechen, unter die Haut gehen, die alle Härchen aufrichten und einen ein paar Mal nach dem Aus-Knopf der Fernbedienung tasten lassen (was man dann vermeidet, weil einen das psychologische Drama unter allem Grauen denn doch bei der Stange hält). Gute Besetzung, gute Story, tolle Effekte. Spukiges Fest!

Outcast, Staffel 1

Agent Carter – komplette Serie

Comicheft-Pulp-Fiction, Screwball-Comedy und der dunkle Glamour des Film Noir treffen in den 18 Episoden der Marvel/ABC-Serie "Agent Carter" aufeinander. Peggy Carter, Offizierin und Freundin des (im ersten "First Avenger"-Film) im Ewigen Eis verschütt gegangenen Captain America, wird zunächst auf einen Schreibtischposten versetzt, weil nach Kriegsende die – vermeintlich fähigeren – Männer von den Schlachtfeldern zurückkehren.

Was folgt, ist eine sehr eigenwillige und humorreiche Emanzipationsgeschichte in Action, die die Vierzigerjahre in ansehnlichen Kostümen und Kulissen auferstehen lässt (die Handlungszeit der Serie setzt 1946 ein, ein Jahr nach den Ereignissen des Films). Hayley Atwell wirkt in ihrer Rolle wie eine der großen Diven aus Hollywoods Schwarzer Serie. Nur, dass sie als Agentin völlig undamenhafte Gefechtsbereitschaft zeigt. Eine der ungewöhnlicheren, besseren Marveliaden.

Agent Carter

Verräter wie wir

Wenn ein netter Mann, einem durchsetzungsstarken Mann einen Gefallen tut, kann das unter Umständen sein Leben gewaltig durcheinanderbringen. Ewan McGregor geht das so, er spielt in Susanna Whites John-Le-Carré-Adaption "Verräter wie wir" Perry, einen naiven britischen Literaturprofessor, der für den obersten Geldwäscher der russischen Mafia einen USB-Stick mit belastendem Material an den MI6 übergibt. Der Wäscher wähnt sich in Lebensgefahr, seine Informationen legen den Verdacht nahe, dass viele hochrangige britische Politiker und Banker in Diensten Russlands arbeiten. Und Britagent Hector (Damian Lewis) leitet ohne grünes Licht seiner zögerlichen Vorgesetzten eine Geheimdienstaktion in die Wege, durch die Perry und seine Frau Gail (Naomie Harris) in zwielichtige Gesellschaft und Lebensgefahr geraten (und über sich selbst hinauswachsen).

Auf die unglaubwürdige Prämisse folgt ein eher konventioneller Carré-Thrill – was immer noch äußerst unterhaltsam ist – mit Verrätern an allen Ecken und Enden und natürlich auch in den eigenen Reihen. Dazu passen Dod Mantles geschmackvolle Nacht-und-Schatten-Bilder, die reichlich Atmosphäre schaffen. Was indes vor allem in Erinnerung bleiben wird, ist Stellan Skarsgard als desparater, kraftdampfender Verbrecher Dima, der ums Überleben seiner Familie kämpft.

Verräter wie wir

Independence Day – Wiederkehr

Verteidigungssysteme aktivieren! Sämtliche Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag abbrechen! Das Schiff, das da mittels Stealth-ähnlicher Alientechnologie quasi aus dem Nichts erscheint und erstmal den Mann im Mond rasiert, hat einen Durchmesser von 5000 Kilometern und ist feindlich gesinnt. Auf Größe kommt es eben doch an, jedenfalls bei Roland Emmerich, dessen Kinomenschheit in "Independence Day 2" 20 Jahre nach der ersten eine zweite Invasion abwehren muss – ohne Will Smith, dafür mit Liam Hemsworth und den preisgünstigen Hollywood-Alteisen Jeff Goldblum und Bill Pullman.

Alles Geld wird in die Bilder investiert, die streckenweise einfach zu kolossal sind (Wolkenkratzer-Levitation, aufeinander krachende Metropolen) um im Zuschauerverstand noch Gefühle auslösen zu können. Die Unglaubwürdigkeit des Geschehens wird durch die Comedy-Elemente noch verstärkt, zudem durch das Pathos der Donnermusik und die "Har! Har!"-Tollkühnheit der Piloten-Asse. "ID 2" ist so pompös, dass man sich veralbert fühlt und abwinkt. Die vereinte Menschheit in der Gefahrenabwehr? Das hat 1996 funktioniert – knapp nach Ronnie, Gorbi und dem Abriss der Berliner Mauer. Heute gibt es Putin, Kim Jong Un, Erdogan und Trump sowie eine zersplitterte EU mit rechten Regierungen oder Strömungen. Warum also solche Aliens, wenn wir uns selber haben?

Independence Day – Wiederkehr

Ein ganzes halbes Jahr

So geht Ironie des Schicksals in einem dürftigen Drehbuch: Die Freundin verbietet Will (Sam Claflin) das Motorradfahren bei Regenwetter, woraufhin der zu Fuß auf die regennasse Straße tritt und von einem Motorradfahrer umgefahren wird. Die ob der Querschnittlähmung verschwundene sexuelle Spannkraft macht aus der Freundin schon bald eine Ex und die tut sich natürlich mit Wills bestem Freund zusammen. Bis dahin hat es schon den Anschein, als würde der Film "ein ganzes halbes Jahr" dauern. Dass er gefühlt ein ganzes währt, liegt am Auftritt der Arbeitssuchenden Louisa "Lou" Clark, die den an den Rollstuhl gefesselten, supersarkastischen und dem eigenen Ableben zugeneigten Sohn aus reichem Hause aufmuntern soll.

Emilia Clarke, die als zarte, blonde Khaleesi in der sechsten Staffel der Fantasyerie "Game of Thrones" derzeit zur Eroberung des Eisernen Thrones der sieben Königslande ansetzt (ein Erfolg gilt als sicher) spielt hier die Antiheldin. Mit Zopffrisuren à la Prinzessin Leia  und bunten Klamotten, die an Mike Leighs Philantropin Poppy aus "Happy-go-Lucky" erinnern, kichert sie sich beim Versuch als süßester Schussel, seit es Filmromanzen gibt, durchzugehen, nicht gerade in die Zuschauerherzen. Fehlbesetzung in einem Fehlfilm.

Ein ganzes halbes Jahr

187 – restaurierte Version

Gelähmte Verwaltung, gelähmte Lehrer und Schüler, die sich im Gangster-Paradies fühlen, die mafiös Rosenkränze zwischen ihren Fingern perlen lassen und Kommunikation auf Beleidigung und Drohung reduziert haben. Restauriert in Bild und Ton erzählt "187" von einem Lehrer namens Garfield (Samuel L. Jackson), der seine Arbeit trotz aller widriger Umstände liebt, und 15 Monate nach einer fast tödlichen Attacke versucht, seinen alten pädagogischen Enthusiasmus wiederzufinden.

1997 inszenierte "Waterworld"-Regisseur Kevin Reynolds diesen Film, der ein amerikanisches Statement hätte werden können, der dann aber in seinem letzten Drittel eine so überraschende wie unvorteilhafte Wendung nimmt, um ein Thrillerpublikum, die Freunde der Rache, zu erregen. Dennoch bleibt dieser "Lehrer sieht Rot"-Streifen sehenswert, was an Jackson liegt, der als gebrochener Mann im Lazarusmodus eine beeindruckende Performance hinlegt.

187

Weinberg

Wie konnte der Mann ohne Gedächtnis (Friedrich Mücke) die Weinkönigin tot im Rebstock hängen sehen, wo sie doch erst einen Tag später, am Eröffnungstag des Weinfests dort entseelt gefunden wird. Klar, dass dieser seltsame Herr Fuchs dadurch nicht als Prophet erkannt und bestaunt wird sondern vielmehr als Hauptverdächtiger gilt. Kein einfacher Krimi läuft mit "Weinberg" ab, wir werden in der Miniserie in die Nebel der Mystery geführt, das deutsche "Twin Peaks" entfaltet sich vorm Auge des Zuschauers mit einer erst panischen dann mausetoten deutschen Laura Palmer.

Undurchsichtige Menschen werfen rätselhafte Blicke, auch die Musik tut überaus geheimnisvoll. Qualitätsfernsehen will man zeigen, den Amis, Briten und Skandinaviern vorführen, dass es in Deutschland mehr gibt als "Tatort" und "Polizeiruf". Und so lässt man Tann und Tal feindselig starren, und es wäre auch alles sehr wirksam, wären da nicht die theaterhaften Dialoge und das steife Spiel vieler Akteure, voran Arved Birnbaum als Bürgermeister. So hat es die deutsche Provinz recht schwer, in Sachen Gänsehauterzeugung an die großen, lang vergangenen Tage der (Schauer-)Romantik anzuknüpfen.

Weinberg

Central Intelligence

Kevin Hart ist Calvin Joyner, der an der Schule der Jahrgangsstar war, dem eine Zukunft aus Gold prognostiziert wurde, der es dann aber nur bis zum chaotischen, stets entlassungsgefährdeten Buchhalter brachte. Dwayne Johnson dagegen ist Bob Stone. Er war auf der Highschool der Fettwanst, den die schulüblichen Mobber bis zum Abschlussfest piesackten und der heute ein im Abenteuerland lebender, von Freund und Feind gejagter CIA-Mann ist. Bob braucht Calvins "Buchhalterskills", um die gute Welt davor zu retten, dass böse Terroristen an einen Code geraten, mit dem sich der Satellitenschutzschirm über Amerika entfernen lässt.

Aus der ins Klamaukige gezogenen, charakterlichen Diskrepanz von geschwätzig-ängstlichem Schreibtischdduckmäuser (stets in Fluchtbewegung, natürlich trotzdem mit der schönsten Frau verheiratet) und muskelbepacktem, kugelsicherem Alleskönner (vermeintlich naiv auf die Macht der Freundschaft vertrauend, von vermeintlichen CIA-Kollegen in Verdacht gebracht, selbst der mordende Psychopath zu sein, den er jagt) erwächst genug absurde Komik, um sich durch diese Königskollektion des Unplausiblen nicht allzu schlecht unterhalten zu fühlen. Hart ist ein talentierter Clown, Johnson ist … nunja … Johnson. Reicht doch.

Central Intelligence

Otto Waalkes – Holldrio Again, Otto live in Essen

"Hollerehidi!" Das klingt erstmal wie Frohlocken von der Alm, aber – Trick und Täuschung – der da so alpin juchzt, ist ein Flachländer. Einer von der Sorte, bei denen es nur einen geben kann. Schon beim ersten Über-die-Bühne-Hoppeln in der bequem schlackernden Lotterhose wird Emdens großer Sohn Otto Waalkes von den Essener Nonsens-Fans und Friesen-Nerds gefeiert. Viel vom 70er-Jahre-Spaß hat sich ja inzwischen erledigt. Allen Ernstes – wie konnte man sich bloß über die Kleinholzkomiker Terence Hill und Bud Spencer beeumeln? Oder über Sprüche-Crimedians wie Jason King? Selbst Louis de Funés, Zwerg Zwerchfell aus Frankreich, gereicht heute nicht mehr in allen seinen Filmen zur Freude.

Aber Otto mit seiner auf DVD und BluRay gebannten Show "Holldrio Again", der geht noch gut. Jaaa, maiin Käntt!!! Und apropos Käntt: Man kann gern auch seinen Nachwuchs neben sich aufs Sofa setzen, der kennt Otto ja als Stimme von Faultier Sid (hier live als Handpuppe) aus den "Ice-Age"-Filmen. Die lieben Kleinen hören hier freilich auch so einige schlüpfrige Sachen, nach denen das Ohren-Auswaschen nicht mehr wirklich hilft. Stoff für die Frühreifenrunde montags auf dem Schulhof.

Otto Waalkes – Holldrio Again, Otto live in Essen
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