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Narcos und mehr DVD-Tipps

DVD-Tipps von Matthias Halbig Narcos und mehr DVD-Tipps

Neues von Wagner Moura als Drogenboss Pablo Escobar, Benzingetränktes mit Vin Diesel und Helen Mirren, testosterongeschwängerte US-Soldatengeschichten, knallbunte Superheldenteenager und kontroverse Theorien über die Lebensmittelindustrie: die DVD-Tipps von Matthias Halbig.

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Quelle: iStockphoto

Hannover.  

Narcos, 2. Staffel: In Kolumbien ist inzwischen alles längst nett, normal und unbedrohlich. So jedenfalls beschreiben Reisende das Land, das vom Auswärtigen Amt auch nach dem Ende des bewaffneten Kampfes der Guerillagruppe Farc immer noch als nicht unbedenklich bereisbar betrachtet wird. Nett und normal aber will im Fernsehen niemand sehen, lieber blickt man zurück in eine Zeit, in der in Kolumbien alles mörderisch drunter und drüber ging.

Dem skrupellos seine Ziele verfolgenden Pablo Emilio Escobar Gaviria, dessen industriell aufgezogener Drogenhandel und seinem Aufstieg zu einem der reichsten Männer der Welt war die erste Staffel der Netflix-Serie “Narcos“ gewidmet, die einen langen Zeitraum umfasste. Erzähler war Steve Murphy, Agent der DEA, der amerikanischen Drogenvollzugsbehörde, der aus seinen Erinnerungen schöpfte und die unfasslichen Ereignisse jener Zeit mit Humor würzte.

In der zweiten Staffel wird die Geschichte enger, atemloser, alles spielt in den letzten Tagen von Escobars Leben auf der Flucht bis zu seinem gewaltsamen Tod bei einer Razzia. Das Wucherpfund auch dieses Durchlaufs ist der charismatische Escobar-Darsteller Wagner Moura, Die nächste Staffel hats schwerer – sie muss ohne ihn auskommen. Dann werden die Diadochenkriege der Drogenmafia erzählt.

Narcos, Staffel 2

Narcos, Staffel 2

Quelle: Polyband/Netflix

Chicago Med, Staffel 2: Schon wenn vom Flur die knappe Ankündigung des nächsten Patienten erfolgt, spürt der Zuschauer ein leises Grummeln in der Magengegend. In Chicagos Notaufnahme geht es blutig zu, immer dramatisch, tragisch, sozialkritisch und auch mal politisch - am Ende wird ein schwerst verletzter syrischer Flüchtling eingeliefert, dessen amerikanische Freundin von ihm schwanger ist. In jeder Episode steht das vorwiegend sympathische Team mit drei bis vier oft drastischen Fällen unter Stress, und die Kamera bleibt auch dann beharrlich mit dem Auge auf den Ärmsten, wenn die Körper der Eingelieferten aufgeschnitten, wenn Stents geschoben und Brüche eingerichtet werden. Dazu kommt neues Personal, zwischen manchen funkt’s amourös oder gewittert‘s beruflich.

Zum Ende der Staffel wird es dann sehr persönlich zwischen Dr. Rhodes (Colin Donnell) und dem Psychologen Dr. Charles , dargestellt von dem großartigen Oliver Platt. Seine Tochter Robin kommt in einem derart kritischen, psychotischen Zustand auf die Station, dass ein dauerhafter Verbleib in einer psychiatrischen Einrichtung zunächst unausweichlich erscheint. Ganz böser Cliffhanger zur nächsten Staffel, auch dann werden wir der besten der drei auch mal ineinander greifenden “Chicago“-Serien (es gibt noch die Abenteuer von Feuerwehr und Polizei) trotz aller Drastik Ohr und Auge leihen.

Chicago Med, Staffel 2

Chicago Med, Staffel 2

Quelle: Universal

Meuterei am Schlangenfluss: Klingt wie der Titel von einem alten “Bessy“- oder “Silberpfeil“-Comicheftchen aus den Sechzigerjahren, ist aber einer der schönsten James-Stewart-Western (neben “Winchester 73“, “Der gebrochene Pfeil“, “Der Mann vom großen Fluss“ und “Der Mann der Liberty Valance erschoss“ ).

Auf die alte, heute als gemütlich bis behäbig empfundene Art erzählt Regisseur Anthony Mann in dem 1952 entstandenen Film von dem Treckführer und einstigen Schurken Glyn McLyntock (Stewart). Der kauft unterwegs Lebensmittel für die Siedler ein, die dann aber nicht rechtzeitig in der neuen Siedlung ankommen – der Winter steht bevor und jemand Gieriges versucht, mit einem Weiterverkauf doppeltes Geld zu machen. McLyntock, der den Deal nicht mitmachen will, reißt sich die Waren unter den Nagel und flieht vor ruchlosen Verfolgern. Emerson Cole (Arthur Kennedy), ein Mann, den er vorm Galgen gerettet hat, wird dabei sein ärgster Feind.

Ein Road-Movie im Wilden Westen, ohne Straße, voller Spannung, mit Oregons wunderschöner Wildnis und eben Jimmy Stewart, dem besten Jedermann, den der Hollywood-Western je hervorbrachte. Und was für die deutsche Veröffentlichung vielleicht am wichtigsten ist: endlich mit der Originalsynchronisation. Zeitgleich veröffentlicht wurden übrigens die Stewart-Western “Die Uhr ist abgelaufen“ (1957, James Neilson) und “Rancho River“ (1966, Regie: Andrew Victor MacLaglen).

Meuterei am Schlangenfluss

Meuterei am Schlangenfluss

Quelle: KochMedia

Six, erste Staffel: Der Navy-Seal-Mann Rip Taggart (Tarantino-Star Walton Goggins) ist ein ganz harter Hund des Krieges. Er schießt, skalpiert die Toten, in seiner Grausamkeit steht er den Taliban nicht nach, gegen die er in Afghanistan kämpft. Nach dem Einsatz am Hindukusch verdingt er sich als Söldner, in Nigeria gerät er mit einer Lehrerin und einer Mädchenklasse in die Hände der Terrorgruppe Boko Haram. Und während er versucht, erst sein eigenes, dann das Überleben aller Gefangenen zu sichern, wird sein altes Team unter dem Kommando von Joe “Bear“ Graves (Barry Sloane) ausgeschickt, ihn zu befreien. Die Zeit drängt: Die Islamisten fordern zehn Millionen Dollar Lösegeld – ist es nach einer Woche nicht bezahlt, soll Rip sterben. Und noch ein anderer Islamist ist unterwegs, eine offene Rechnung mit ihm tödlich zu begleichen.

Krieg ist in dieser Serie des History Channel Heroismus, Patriotismus, sind harte Trainingseinheiten am Strand, ist Gewalt im Dienst des Guten. Aber er ist auch Gewalt um der Gewalt Willen, die Deformierung des Menschen, das unentrinnbare Inferno. Die Serie beleuchtet in Rückblenden die Mechanismen der Kameraderie, die Unbedingtheit von Pflicht und Gehorsam, die Verwandlung des tapferen Soldaten Rip in einen Schlächter, während sie in der Gegenwart die emanzipatorische Rückständigkeit des fundamentalistischen Islam, seinen Frauenhass verdammt, die Lösung der religiösen Konflikte durch militärische Operationen aber durchaus infrage stellt.

Das alles wird spannend, wenngleich nicht sonderlich originell erzählt. Die Klischees purzeln übereinander, der Bildschirm dampft von Testosteron, die Actionszenen liefern, wonach der Actionfan verlangt. Und das Privatleben der glorreichen Seals gibt es auch noch – es ist eine Seifenoper mit Krisen und Sex rittlings. “Du tust diese Dinge, um uns zu beschützen“, tröstet die Ehefrau den am Boden zerstörten Bear, der gerade eine arabische Frau erschossen und ein kleines Mädchen entführt hat. Wir sind gespannt, wo es in der zweiten Staffel hingeht – Richtung Heiligsprechung der US-Krieger oder eher Richtung Nachdenklichkeit.

Six, Staffel 1

Six, Staffel 1

Quelle: Concorde

Fast & Furious 8: Nicht leicht, wenn man dieser Tage Diesel heißt. Wobei für sicher gelten kann, dass Actionschauspieler Vin Diesel nie auf diese Art Treibstoff zurückgreift. In den Adern seiner „F&F“-Autos fließt der Beschleunigung zufolge Benzin vom Planeten Krypton. Alle naselang und so auch jetzt wieder kommt ein Film mit Auto-Pilot Dom, dem Superhelden der Mobilität, der diesmal scheinbar zu einem Verräter wird, aber natürlich erpresst wird, eine Superwaffe zu stehlen für eine von Charlize Theron gespielte, blonde, schöne, das Weltheil gefährdende Superbogeywoman.

Weiter an Bord: Dwayne Johnson und Jason Statham, Kurt Russell auf der Seite des Gesetzes, Helen “älter, härter, besser“ Mirren und ein paar “Game of Thrones“-Popularitäten, die dieser Tage in fast jedem Film zu finden sind (Misandeh und Wildling Thormund – dies nur als Info für “GoT“-Fans). Und natürlich sind da diese Traumchicas für Turbotypen, die in superknappen Hotpants mit dem Popo schaukeln, Dekolleté ausstellen, dass es weh tut, am liebsten Sex mit ihrem Lieblingsschrauber haben und deren bevorzugte Gesprächsthemen auch noch Autos und Motoren sind.

“Was ist das Beste in ihrem Leben?“ fragt Theron. “Familie!“, grummelt Diesel. “Frei sein!“ korrigiert ihn Theron. Alles falsch, richtig ist dagegen: Mit Pferdestärkenmärchenstunden wie dieser pathetischen, temporeichen und vor allem völlig unglaubwürdigen Actionsause (wer würde Typen wie Doms Prolltruppe ernsthaft für Weltrettungsaufträge anheuern?) sein Geld zu verdienen.

 Fast & Furious 8

Fast & Furious 8

Quelle: Universal

The Founder: “Und Zwiebeln, und Zwiebeln. Eine Sinfonie der Effizienz.“ Wenn die Gebrüder Richard „Dick“ und Maurice McDonald das Funktionieren der Abläufe in ihrem neuartigen Rapidrestaurant “kalt“ proben, fällt einem die Kinnlade runter vor Staunen (und Amüsement). Wie ein Dirigent schickt der Chef sein Personal über die aufgemalten Stationen, bis alles soweit gediehen ist, dass ein Hamburger-Mahl mit Softdrink in 30 Sekunden fertig ist, zubereitet nach den Fließbandmethoden der Autoindustrie. Aber die Leute wollen noch längst nicht aus ihren Autos aussteigen, sie wollen keine Papiertüten selbst entsorgen.

Fast wäre die Idee von McDonald’s Schnellimbiss den Bach runtergegangen, dann aber wird der Laden der beiden Brüder in San Bernardino zur Sensation. Und der findige Mister Ray Croc (ein fantastischer Michael Keaton), leidlich erfolgreicher Verkäufer von zäh verkäuflichen sechsarmigen Milchshake-Mixern, kommt mit der zweiten guten Idee rüber: Franchise- Highspeed-Bürgerläden, in Lizenz geführt - all over America. Spätestens jetzt wird unser Appetit auf John Lee Hancocks hinreißend böse Komödie des Kapitalismus zu Hunger. Croc wird zum Krokodil, das die auf Qualitätssicherung und Rufwahrung bedachten McDonalds (“Das ist nicht McDonald’s!“) freundlich, beharrlich und restlos bekämpft, bis er sie besiegt hat und die Brüder ihren Namen nicht einmal mehr für ihr verbliebenes Original-Restaurant benutzen dürfen.

All jenen,die ihr Leben lang von der großen, reich machenden “Coca-Cola“- oder “Cheeseburger“-Idee träumen, sollten sich “The Founder“ reinziehen. Genies sind dazu da, arm zu sterben und die Pfiffigen zu Millionären oder gar Milliardären zu machen (kennen wir auch von der “Facebook“-Verfilmung “The Social Network“).

The Founder

The Founder

Quelle: Splendid

Power Rangers – Der Film: Jeder Teenager hätte gern zwei, drei Superkräfte. Um es den widerlichen Schulhofbullys mal so richtig zu zeigen, um das Mädchen, das einem gefällt, dazu zu bringen, einen mal anders als schräg anzusehen oder um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Später verliert sich das. Der Film “Power Rangers“ von Dean Israelites erinnert einen an diese alten Träume wie es schon die “Spider-Man“-Filme taten.

Fünf natürlich amerikanische Teenager (von der Verliererseite des Highschool-Lebens) entdecken Powermünzen aus grauer Vorzeit und treten in bunten Uniformen das Erbe einer prähistorischen superkräftigen Krieger-Gruppe an, die sich vor 65 Millionen Jahren wegen des so genannten Zeokristalls zerstritt, mit dem man – natürlich – nichts weniger als die Macht über das Universum erlangen konnte. Die Geschichte ist so über alle Maßen dünn und dürftig wie damals die Serie “Mighty Morphin Power Rangers“ (1993 – 1995), auf der dieser Film basiert.

Weil die Drehbuchautoren aber zumindest ein wenig tiefer in ihre Figuren blicken lassen, kommen einem die gut zwei Stunden (!) nicht völlig verschwendet vor. Dacre Montgomery, Naomi Scott und ihre drei Kollegen verfügen durchaus über darstellerisches Talent, Bryan “Breaking Bad“ Cranston versucht den Film mit einem Auftritt als Rangers-Guro Zordon zu adeln. Aber nicht vergessen, das Popcorn vorher in die Mikrowelle zu packen.

Power Rangers

Power Rangers

Quelle: Studiocanal

Wentworth, Staffel 3: Wir sind ein paar Monate nach der Veröffentlichung von Staffel 2 schon wieder zurück in unserem Lieblingsfrauengefängnis im australischen Nirgendwo. Dorthin kehrt unsere Heldin Bea (Danielle Cormack) nach ihre Flucht und dem Mord an dem Mann, der ihre Tochter umbrachte, zurück - nicht als Schaf in Anstaltsuniform sondern als gereifte Insassin, die das Paralleluniversum Zuchthaus jetzt nutzt, ihre Muskeln spielen zu lassen. Bei der Anstaltsleiterin Ferguson (Pamela Rabe) erreicht Bea Hafterleichterungen für ihre Gefährtinnen - bis hin zur Frühstückspizza.

Ihr Aufstieg zum Top Dog setzt sich damit fort, parallel sinkt der Stern der einstigen Bienenkönigin Franky (Nicole da Silva), bis Bea spüren muss, dass Ferguson doch am längeren Hebel sitzt. Mord, Totschlag, unverhoffte Krankheiten und erschütternde Wiedersehen prägen die dritte Staffel der Serie, die düsterer geraten ist als die vorherigen und in einem Inferno endet. Die Serie für all die, die es hart und finster lieben, denen „Orange is the New Black“ zu sonnig ist - so cool, dass es mit “Celblok H“ (Niederlande) und “BlockB – Unter Arrest“ (Deutschland) schon Ableger gibt, die es mit dem Original indes bei weitem nicht aufnehmen können.

Wentworth, Staffel 3

Wentworth, Staffel 3

Quelle: WVG

What the Health: Eine Attacke auf die (nicht nur) amerikanischen Ernährungsgewohnheiten: Rinder- und Schweinefleisch? Auf keinen Fall! Hühnchenfleisch? For Heaven’s Sake! Milch? Macht Knochen brüchig statt stark, erhöht das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken angeblich um 49 Prozent. Eier? Jedes so ungesund wie fünf Zigaretten. Und Käse? Wer dieses Zeug isst, ist des Todes. Experten erzählen in dem von Joaquin Phoenix produzierten Dokumentarfilm “What the Health“ Erschütterndes.

Dass sogar auf Gesundheitswebsites Krankmachendes zur besseren Ernährung empfohlen wird, ist – so die Filmemacher Kip Andersen und Keegan Kuhn - Ergebnis einer mächtigen Lebensmittelindustrie, die sich mit den Gesundheitsverbänden verbandelt, und sich zu wehren weiß gegen die wirklich guten Studien und ihre furchtbaren Entdeckungen. Viele Ergebnisse des Regieduos erscheinen plausibel, manche Erkenntnis ist völlig neu. Das Herunterspielen von Zucker bei der Entstehung von Diabetes gegenüber rotem Fleisch scheint alles bisherige Wissen über die “Zuckerkrankheit“ revidieren zu wollen. Am Ende des mit Spannungsmusik unterlegten, in reißerischem Infotainment-Sprech servierten 88-Minuten-Stücks ist man sich so gut wie sicher, mit jeder je genossenen Leckerei seine Lebenszeit verkürzt zu haben.

Diese Doku hat naturgemäß heftigen Widerstand auf den Plan gerufen, auch weil sie von Interessen geleitet zu sein scheint – nämlich einen veganen Lebensstil zu propagieren. Die unvorbereiteten Zuschauer werden in amerikanischer “Everything must be a Thriller“-Weise mit einer gigantischen Verschwörungsgeschichte in Angst und Schrecken versetzt und zutiefst verwirrt. Wir würden das alles (zumindest vieles) wirklich gerne glauben, würden es uns aber in einem ruhigen, sachlichen Stil, gefiltert von glaubwürdigen Fachjournalisten, wünschen.

What The Health

What The Health

Quelle: Polyband

Von Matthias Halbig

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