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“Nocturnal Animals" und mehr Filmtipps

DVD-Tipps von Matthias Halbig “Nocturnal Animals" und mehr Filmtipps

Von Wikingergöttern auf Entdeckungsreise durch die USA, über Emma Watson als “Schöne", die mit dem Biest tanzt, bis zu einem düster-eleganten Thriller mit Hitchcock-Format: die DVD-Tipps von Matthias Halbig.

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Quelle: Fotolia

Hannover.  

American Gods, Staffel 1: Kaum sind fünf Minuten vorbei, hat man sich schon mal weggeschmissen vor Lachen. Da kommen die ersten Wikinger abgekämpft in Amerika an, ein abgemagerter Haufen mit gehörnten Helmen, völlig erledigt vom vielen Rudern, überglücklich auf Land gestoßen zu sein. Und nachdem sie erstmal von den fremden Stechmücken halb aufgefressen werden, treffen geschätzte 500 Indianerpfeile ausschließlich einen besonders unglückseligen dieser Normannen. Der historische Exkurs zu Beginn der Serie “American Gods“ markiert auch die “Einreise“ der Wikinger-Gottheiten in jene Lande, die später einmal Vereinigte Staaten von Amerika heißen sollen.

Wotan alias Mr. Wednesday (Ian McShane), der Oberste von ihnen, heuert Jahrhunderte später den Ex-Häftling mit dem mystisch anmutenden Namen Shadow Moon (Ricky Whittle) als Chauffeur und Mann fürs Gröbere an. Wednesday will die anderen der aus aller Welt in die USA immigrierten alten Götter ausfindig machen, um sie für einen Krieg gegen die neuen, menschengemachten Anbetungswürdigkeiten zu gewinnen – gegen das Internet oder das (von “Akte X“-Star Gillian Anderson im Lucille-Ball-Outfit verkörperte) Fernsehen. Für Moon, der einen Tag vorm Ende seiner Haftstrafe entlassen wurde, um an der Beerdigung seiner Frau Laura (Emily Browning) teilnehmen zu können, ist es der Beginn einer psychedelischen Odyssee, für den (deutschen) Zuschauer eine Reise zu sich selbst, denn nicht nur im “promised Land“ hat man die (sinnstiftenden) alten höchsten Wesen zugunsten der (unterhaltsam zerstreuenden) neuen vergessen.

Eine “unendliche Geschichte“ für Erwachsene, in der babylonische Fruchtbarkeitsgöttinnen ihre Sexpartner durch die Vagina einsaugen und der slawische Czernobog (Peter Stormare) sehr bedauert, dass er in den Schlachthöfen Chicagos nicht mehr mit dem Vorschlaghammer arbeiten darf. Schöne, trashige Spezialeffekte, aber auch eindrucksvolle Trickszenen, ein hervorragender Soundtrack, eine explosive Fantasie - mehr solcher wilder, schönen, philosophischen Neil-Gaiman-Verfilmungen in Kino und Fernsehen, bitteschön! Vorzugsweise “Niemalsland“!

American Gods

American Gods

Quelle: Studiocanal

Quarry, Staffel1: Anfang der Siebzigerjahre ist es für die amerikanischen GIs nicht mehr allzu ruhmreich, nach Hause zurückzukehren. Die Stimmung hat sich längst gedreht, Mac Conway (Logan Marshalll-Green, bekannt aus Ridley Scotts “Prometheus“) ist zwar vom Verdacht, an einem My-Lai-ähnlichen Massaker beteiligt gewesen zu sein, freigesprochen worden, aber die Demonstranten am Flughafen halten ihn dennoch für schuldig.

So geht es Conway wie Sylvester Stallones “Rocky“ oder dem namenlosen Veteranen in Bruce Springsteens Song “Born in the USA“: Er bekommt die Beine nicht mehr recht auf dem Boden, wird vom Vater verstoßen, kriegt keinen Job - einzig seine Frau (Jodi Balfour) hält zu ihm. Ein Unterweltsgesicht pirscht sich bald an ihn heran, um sich des schießfertigen Soldaten für einige Mordaufträge zu versichern. Zwar verwahrt sich Mac gegen das Ansinnen - als er indes vergeblich versucht, seinen besten Freund aus Kriegszeiten vor Dummheiten zu bewahren, gerät er doch in die Fänge des Brokers (Peter Mullan) und wird in einem aufgegebenen Steinbruch zum “Quarry“, dem Mann fürs Grobe. Was sein Privatleben nachhaltig ruiniert.

Die Verantwortlichen von Cinemax (“Outcast“) erschaffen mit viel Liebe die Südstaaten von 1972 neu, die Atmosphäre ist stimmig, der Held braucht allerdings Zeit, um dem Zuschauer ans Herz zu wachsen. Die Musik dagegen springt gleich über. Soul hat Seele wie der Name schon sagt, und Otis Redding singt todsicher nur für gute Serien. Das Problem, das viele Serien am Ende doch den konkurrierenden Kinofilmen unterlegen macht: die erste Staffel ist auch schon die einzige, die Geschichte von Mac endet offen, man muss sie sich selbst zu Ende denken. Macht man dann halt in der Not.

Quarry, Staffel 1

Quarry, Staffel 1

Quelle: Warner

Nocturnal Animals: Der Texaner Tom Ford dreht Filme, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Sein Erstling, “A Single Man“, von 2009 handelte von der Unmöglichkeit, nach dem Tod des Partners sein Leben wiederaufzunehmen. Sein zweiter Film, “Nocturnal Animals“ erzählt von der Unmöglichkeit, nach dem Verrat an der wahren Liebe diese zu vergessen und für immer ein erfülltes Leben zu leben.

Amy Adams spielt die Galeristin Susan, die nach einem spektakulär grässlichen Performanceabend die Leere in sich aufsteigen fühlt wie nie. Die Beziehung zu dem geschäftigen Ehemann (Armie Hammer) ist kaum noch mehr als ein Einander-Wahrnehmen und die Tochter ist flügge, fährt mit dem Freund übers Wochenende weg. Da trifft gerade rechtzeitig das Manuskript “Nocturnal Animals“ ein, der erste Roman ihres Ex-Freundes Edward (Jake Gyllenhaal), der ihr das Buch auch noch gewidmet hat. Sie gerät in den Sog eines Thrillers über einen Mann (auch Gyllenhaal), der seine Frau und Tochter nicht vor einer Gruppe durchgeknallter Hillbillies auf dem nächtlichen Highway beschützen kann, und der wie ein zarter besaiteter Charles Bronson in “Ein Mann sieht Rot“ auf Rache sinnt.

Das Buch wird in Szenen visualisiert, die zum Bedrückendsten und Aufwühlendsten gehören, was das US-Kino in den jüngsten Jahren zu bieten hatte. Und die Wirklichkeit teilt sich auf in Susans leere, kalte Gegenwart und Rückblenden, die dem Zuschauer vor Augen führen, wie die nun gebannte Leserin einst zu feige war, ein unkonventionelles, unsicheres Leben an der Seite eines in Künstlers zu wagen und bourgeoisen Sicherheitsvorstellungen den Vorrang vor der Liebe gab.

Fords elegant inszenierter, spannender Drama-Thriller-Hybrid lebt zudem von exquisiten Darstellungen (Laura Linney als Susans Mutter, einer harten Southern Belle, Michael Shannon als Sheriff im Roman) und von der Musik von Abel Korzeniowski, die an Bernard Herrmanns beste Arbeiten mit Hitchcock erinnert. Am Ende schlägt der Autor ein Treffen nach all den Jahren vor. Man hat dabei, eingedenk des Plots in seinem Roman, zu Recht ein ziemlich ungutes Gefühl …

Nocturnal Animals

Nocturnal Animals

Quelle: Universal

Grimm, Staffel 5: Es ist die Liebe zum Fantastischen Film, die sich immer auch auf Trash erstreckt. Sie hat den Fan von Grusel und Fantasy über vier Staffeln der Märchenkrimireihe “Grimm“ bei der Stange gehalten. Vier Staffeln mit ordentlichen bis passablen Schauspielern, stumpfen, immer das eh schon Gezeigte bestätigenden Dialogen und Trickeffekten, die ein ums andere Mal “Fernsehen ist arm!“ schrien. Mit der fünften Staffel nun geht es bergauf mit der Märchenstunde.

Die Geschichte um Detective Nick Burkhardt (David Giuntoli), der ein Nachfahre der deutschen Märchensammler Jakob und Wilhelm Grimm ist, und der deshalb in unserer Welt versteckte “Wesen“ enttarnen kann, macht einen Qualitätssprung. Mit der Ankunft eines Babys von Nick und seiner Gegnerin Adalind (Claire Coffee) wird das persönliche Drama des Helden wohltuend vertieft, mit dem Unwesen des Clans der Black Claw kommt ein großer Handlungsbogen in die Monster-der-Woche-Show. Nebenher wird der Ursprung des Werwolf-Mythos ergründet, ein beängstigender Ghoul wird gestellt und die Helden Nick und Monroe reisen nach Deutschland, die Heimat der Grimms, um im Schwarzwald an ein mythisches Artefakt zu kommen.

Noch immer quillt das gesprochene Wort, aber die Abteilung Spezialeffekte scheint ein paar Dollar mehr zu bekommen. Freilich: Wer mit Staffel 5 einsteigt, versteht nur Bahnhof, wer alles nachvollziehen will, muss sich zuvor durch vier lange Staffeln ackern. Und wenn man dann noch bedenkt, wie viele erstklassige Serien schon viel früher und ohne echtes Ende, abgebrochen wurden, erfasst einen schon heiliger Grimm.

Grimm, Staffel 5

Grimm, Staffel 5

Quelle: Universal

Die Schöne und das Biest: Eine klassischere Märchenstunde als “Grimm“: Die alte Vettel mit der blutroten Rose war in Wahrheit eine schöne Zauberin. Pech für den bornierten Prinzen (Dan Stevens), der ihr während seines glanzvollen Fests im Schloss kein Obdach vor dem Sturm gewähren wollte. Durchgefallen bei der Charakterprüfung, verdammt zu einer Existenz als grausiges Ungeheuer mit Fell - zero Mitleid.

Ein wenig ähnelt die Vorrede zu Disneys Realverfilmung des französischen Märchens “Die Schöne und das Biest“ der von Peter Jacksons “Herr der Ringe“. Angesiedelt nicht im Fantasy-Mittelalter sondern in der Zeit nach Shakespeare, tanzt Heldin Belle (aktuelles Lieblingsbuch: “Romeo & Julia“) darin durch die Straßen ihres Fachwerkstädtchens - hübsch, anmutig und gebildet. Sie wird von dem selbstverliebten Schürzenjäger Gaston (Luke Evans) umworben, von drei überpuderten Grazien angezickt und kommt auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater als unbezwingbare Unschuld in das verwunschene Schloss, um dort die christlicherseits geforderte Märchenpflicht der Erlösung zu erfüllen.

Emma Watson spielt bravourös die Hauptrolle in einem wirbelnden, bunten, kostbar ausgestatteten und gelegentlich auch hauchzart gruseligen Singspiel, mit dem das Haus der Maus die Verwandlungen seiner Zeichentrickklassiker in Spielfilme erfolgreich fortsetzt. Das lebende Inventar (Tasse, Kerzenleuchter, Uhr, Kleiderschrank) ist für Komik in der Gruselromanze zuständig. Dass der Prinz im Pelz des Raubtiers um einiges attraktiver aussieht als in seiner menschlichen Gestalt, mag man als Zuschauer bedauern. Bella indes findet ihn offensichtlich überaus apart. Und nur darauf kommts schließlich an!

Die Schöne und das Biest

Die Schöne und das Biest

Quelle: Disney

Unternehmen Capricorn: Bis heute hält sich das gemeine Gerücht, dass Neil Armstrong seinen “großen Schritt für die Menschheit“ zuhause auf der Erde gemacht hat und nicht auf dem Mond. Der Wettlauf um den Mond gegen die Sowjetunion sei mit Hilfe von Hollywood gewonnen worden, so die steile These, aus der auch schon mehrere Filme gemacht wurden. Peter Hyams (“Outland“, “Presidio“) erzählte schon 1977 von Hybris und Horror des Fortschritts.

Die fiktive Capricorn soll unbedingt zum Mars, die drei Nasa-Astronauten bekommen noch eine Bibel verehrt, damit auch Gott an Bord des Schiffs ist, da wird in letzter Sekunde ein technischer Defekt geltend gemacht. Die Capricorn fliegt ohne Crew los, in einem Studio werden Marsspaziergänge nachgestellt, um das in die Kritik geratene Raumfahrtprogramm zu retten. Der Mix aus Raumflug und Betrug scheint auch wider allen Erwartungen gutzugehen, leider verglüht die Landekapsel beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Was das Todesurteil für die drei Marsreisenden (James Brolin, ein erstaunlich junger Sam Waterston und O. J.Simpson) bedeutet, die von niemandem mehr gesehen werden dürfen und die vom Geheimdienst in Hubschraubern durch die Wüste verfolgt werden.

Einer jener Filme, die den politischen Bestimmern jegliche Schweinerei zutrauen. Für heutige Verhältnisse läuft das Unternehmen vor allem in der ersten Hälfte eher zäh an, kommt allerdings mit der Flucht der Astronauten doch noch auf Touren (auch dank eines witzigen Kurzauftritt von Telly “Kojak“ Savalas. Unter Abzug all der Dialogredundanzen hätte man die Spielzeit von mehr als zwei Stunden freilich auf wohltuende 100 Minuten verdichten können.

Unternehmen Capricorn

Unternehmen Capricorn

Quelle: Koch Media

Shooter, 1. Staffel: Der Scharfschütze Bobby Lee Swagger (Ryan Philippe) ist der beste Sniper der Marines. Einer der alles übers Schießen weiß und der dummen Jägern im Wald schon mal die Leviten liest, wenn sie Wölfe mit Fußfallen jagen. Er lebt mit seiner Frau und Tochter glücklich außerhalb der Stadt, als ihn der Ruf des Vaterlandes ereilt. Beim Staatsbesuch des ukrainischen Amtskollegen hat es angeblich ein talentierter Scharfschütze auf den First Man der Vereinigten Staaten abgesehen. Bobby Lee fühlt sich in den Attentäter ein, irrt sich allerdings über dessen Versteck, und am Ende es ist es der ukrainische Staatschef, der tot zu Boden geht.

Wegen des Attentats wird Swagger in Haft gesteckt und kommt schnell auf das, was der Zuschauer längst weiß: Dass er von seinem Auftraggeber, seinem ehemaligen Chef, bei den Marines in Afghanistan verladen wurde, dass er mächtige Feinde hat, dass all seine Paranoia gerechtfertigt ist. Um seine Familie zu schützen, die in höchster Gefahr schwebt, ist der schuldlose Schütze bereit, die Tat zu gestehen, dennoch planen die Verschwörer seinen Tod. Nur eine junge FBI-Agentin (Cynthia Addai-Robinson) stellt sich an seine Seite.

“Shooter“ basiert auf dem gleichnamigen Kinofilm von 2007, in dem Mark Wahlberg die Swagger-Rolle spielte. Die Titelfigur beherrscht auch in der Serie die Kunst, unverletzt durch prasselnde Projektilgarben zu tänzeln, hat eine taffe Ehefrau, die im Angesicht des Feindes nie verzagt und eine coole, kleine Tochter, die sich Gutenacht-Geschichten über die Sniper-Abenteuer ihres Vaters in Afghanistan erzählen lässt. Obwohl somit eigentlich nichts schief gehen kann, kommt Langeweile selten auf, blickt der Zuschauer bis zum Ende der letzten der zehn Episoden mit Swagger gebannt durchs Zielfernrohr.

Shooter, Staffel 1

Shooter, Staffel 1

Quelle: Paramount

Poldark, Staffeln 1 & 2: 1783 kehrt Ross Poldark aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg in seine britische Heimat Cornwall zurück. Eine Kugel hat er sich eingefangen, seine Rotröcke konnten die Freiheit Amerikas von den Ansprüchen der Krone nicht verhindern, sein Vater ist tot, das Erbe heruntergekommen und seine einstige Geliebte Elizabeth steht vor der Hochzeit mit seinem Cousin. Dennoch erwägt Poldark nicht, sein Glück anderswo zu suchen. Er baut die alte Familienmine wieder auf, bietet den armen Leuten der Umgebung Arbeit und gerechten Lohn an und bringt Unruhe in die Reihen der dünkelhaften Herrschaften, indem er die Klassenschranken lockert und die Verantwortung der Wohlhabenden gegenüber den einfachen Leuten anmahnt.

Unter den schmutzstarrenden Gewändern des jungenhaften Wildfangs Demelza kommt zudem eine wunderschöne, junge Frau zum Vorschein, die vom ungelittenen Mädchen für alles zu Ross‘ Ehefrau wird. Aidan Turner (der Zwerg Kili aus der “Hobbit“-Trilogie) und Eleanor Tomlinson spielen die Hauptrollen im Remake der Siebzigerjahreserie “Poldark“, deren erste beiden Staffeln auf DVD und Blu-Ray vorliegen. Böse Banken, die den Profit über die Menschlichkeit stellen, das Aufflammen einer Typhus-Seuche und ein junger Arbeiter, der beim Wildern ertappt wurde, fordern das soziale Gewissen des Helden in einer herzlosen Gesellschaft heraus. Eine ansprechende Historienserie –zuweilen etwas pathetisch – mit einem Helden, dessen Liebe und Verbundenheit zum einfachen Volk immer wieder an Robin Hood erinnert.

Poldark

Poldark

Quelle: Edel

Der Moment der Wahrheit: James Vanderbilts „Der Moment der Wahrheit“ ist der Film, den man sich derzeit unbedingt ansehen sollte, um sich bewusst zu werden, wie wichtig unabhängige, überparteiliche Medien für eine funktionierende Demokratie sind, und wie gefährdet sie gerade in diesem Augenblick in den Ländern von Putin, Erdogan und dem großen, westlichen Wahrheit-Lüge-Mixer Trump sind.

Erzählt wird eine wahre Geschichte aus der Präsidentschaft von George W. Bush. Ein Journalistenteam unter Mary Mapes erfährt, dass „wertvolle“ sprich reiche Mitglieder der Gesellschaft wie der aktuell amtierende First Man mit Tricksereien vom Einsatz im Vietnamkrieg ferngehalten wurden. Und versucht, diese ungerechtfertigte Bevorzugung für ihren Sender CBS und deren berühmten Anchorman Dan Rather (Robert Redford) festzuklopfen. “Wir sorgen für Ihren Schutz“, verspricht Mary zwei “Quellen“. Und muss schon bald feststellen, dass sie selbst Schutz benötigt vor einer Diffamierungswelle und einem Shitstorm gegen sie und ihren Qualitätsjournalismus, die auch ins eigene Haus schwappen und ihren und überdies Rathers Jobs gefährden. Aussagen werden zurückgezogen oder relativiert, Kleinigkeiten der Arbeitsweise im Detail zerpflückt, bis der Ruf exquisiter Journalisten ruiniert ist und sie wie Recherche-Dilettanten dastehen.

“Der Moment …“ erzählt, wie schwer die Wahrheit zu fassen ist, wie leicht sie in den eigenen Reihen auf die Abschussliste kommt, wenn die Quote, Auflage, wirtschaftlichen Interessen gefährdet sind. “Aus Neugier“ sei er Journalist geworden, sagt Dan Rather. Und “Bald kaufen wir die Storys von irgendjemandem und lesen sie wichtigtuerisch vor“ sagt er später nach der Wiederwahl Bushs. “Die Wahrheit …“ ist einer der intensivsten Journalistenfilme und wichtigsten Politthriller seit Alan J. Pakulas “Die Unbestechlichen“ von 1976 (auch mit Redford). Also: unbedingt ansehen!

Der Moment der Wahrheit

Der Moment der Wahrheit

Quelle: Universum

Viral: Zufall? Schicksal? Schlechtes Drehbuch? Ausgerechnet, als in der Schule das Thema „Parasiten“ durchgenommen wird, bekommt die quirlige Gracie einen Anfall und spuckt einen Helfer mit Blut voll – weil sie einen (mörderischen) „Gast“ aufgelesen hat, der seinen Wirt kontrolliert. Dann wird die brave Vorstadt auch schon unter Quarantäne gestellt, die Kinder feiern noch schnell ein paar wilde Partys, haben Sex als wäre es der letzte Tag und die noch jungfräuliche Emma (Sofia Black D’Elia) verliebt sich in den netten Nachbarsjungen Evan (Travis Tope). Am nächsten Tag sind die Straßen leer, der Fernseher sendet nur noch Testbild, Infizierte sollen ans Militär gemeldet und ausgeliefert werden.

Ariel Schulmans und Henry Joosts C-Horrorfilm über eine unheimliche Schwarmintelligenz birgt zwar ein paar krasse Jumpscares, folgt ansonsten aber nur der alten Schockerregel, dass Pandoras Büchse schwer wieder zu verschließen ist, und endet offen, weil den Regisseuren ganz offenbar kein Ende (und auch sonst ziemlich wenig) eingefallen ist.

Viral

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Quelle: Alive

Von Matthias Halbig

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