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“Wonder Woman“ und mehr DVD-Tipps

DVD-Tipps von Matthias Halbig “Wonder Woman“ und mehr DVD-Tipps

Von frischem Wind im Superheldenlager, über das Finale einer großen Zombiesaga, bis zu solidem Action-meets-Fun-Entertainment für einen Fernsehabend ohne Reue und Nachdenken: die DVD-Tipps von Matthias Halbig.

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Quelle: iStockphoto

Hannover.
Wonder Woman: Eine der besseren Comicverfilmungen in einer Welt, die derzeit alles daran setzt, den Myriaden Superhelden aller gezeichneten Paralleluniversen ein Denkmal per Film oder Fernsehserie zu setzen (und die dabei immer öfter nur eine bunte, schnelle Leere erzeugt). “Wonder Woman“ nun ist alt, geschaffen 1941, eine von den “grandes dames“ der Powerfrauen, die Dienstälteste aus Batmans Verlag DC.

In Patty Jenkins‘ Film wird ihre Geschichte neu erzählt, die einer Amazonenprinzessin, deren friedlich abgeschiedene, übernatürlich abgesicherte Insel von den (männlichen) Kräften des Krieges heimgesucht wird. Und die einem der Eindringlinge (Chris “Captain Kirk“ Pine) in unsere Welt hinein folgt, der wie sie an den Sieg des Guten glaubt, und mit ihr die Menschheit, die sich gerade im Ersten Weltkrieg befindet, vor der Vernichtung durch abscheuliche Superwaffen retten will. Den Urheber der Apokalypse glaubt Diana in dem deutschen General Ludendorff (Danny Huston) zu erkennen - einer Reinkarnation des mörderischen Kriegsgott Ares, der in der Überzeugung, die Schöpfung von Zeus sei ein das Paradies Erde verheerender Fehlschlag, nach deren Auslöschung trachtet.

Oberflächlich ist “Wonder Woman“ der übliche Comic-Hurrikan aus Actionszenen, der zwei Stunden lang ohne Unterlass über den Bildschirm wirbelt. Aber unterschwellig werden Ignoranz, Feindseligkeit und Destruktivität der Alphaspezies Mensch verhandelt. Und Gal Gadot macht mächtig Eindruck als olympische friedensbewegte Kämpferin, die sich am Ende einen fatalen Irrtum eingestehen muss. Schön, dass die Comic-Leinwand mal nicht von Kerlen mit oder ohne Cape beherrscht wird. Bleibt zu hoffen, dass Wonder Woman im anstehenden “Justice League“-Ensemblefilm entsprechend zum Zuge kommt. Mehr Östrogen, weniger Testosteron!

Wonder Woman

Wonder Woman

Quelle: Warner

Bates Motel, Staffel 5: Alfred Hitchcocks “Psycho“ stand am Beginn und war zugleich der erste Meilenstein des Genres Psychothriller. Die Idee, auf Hitchs Film über den schizophrenen Norman Bates eine Fernsehserie zu begründen, erschien zu Beginn als reiner Wahnsinn, zum Scheitern verurteilt wie schon die Kinofortsetzungen des Films mit Anthony Perkins und das farbige Remake von Gus van Sant gescheitert waren. Zu groß war der Mythos des Originalfilms. Und dennoch reizte uns der Gedanke, wie es wohl dazu gekommen war, dass Norman in den Kleidern seiner Mutter mordete, während die Mumie von Norma Bates unbestattet in dem gruseligen Haus über dem Bates Motel “lebte“.

Die Serie der Produzenten Kerry Ehrin (auch die wichtigste Autorin von “Bates Motel“) und Carlton Cuse erwies sich dann von Beginn an als Meisterstück des cineastischen Fernsehens. Freddie Highmore als höflicher, gebildeter Mustersohn und Vera Farmiga als sinnlich-dominante Mutter waren ein bemerkens- und liebenswertes Schreckenspaar, das mit dem Motel ein neues Leben beginnen wollte, dem man atemlos durch vier Serienstaffeln folgte, bis Norma dann in der vierten Staffel ums Leben kam, um selbiges gebracht von dem eigenen Sohn. Und nun ist Norman allein und doch zu zweit, Mutter Norma, die in Wirklichkeit nur noch - auf geisteskranke Art – in seinem Kopf existiert, ist für den Zuschauer weiterhin präsent und wie immer sperrig, wenn es darum geht, dem gehemmten Norman die (auch sexuellen) Freiheiten eines jungen Mannes zu gestatten.

Staffel 5 treibt das Grauen auf die Spitze, jetzt setzen die – in unsere Gegenwart verlegten – Ereignisse aus dem Hitchcock-Film ein, die Geschichte auch der unglückseligen Marion Crane, die eincheckt, um nie mehr auszuchecken und die von Popstar Rihanna gespielt wird. Dass es nun zu Ende geht wird unter “schade“ verbucht, von allen Serien, die derzeit auf Filmen gründen, ist “Bates Motel“ die faszinierendste, lebendigste, morbideste, beste.

Bates Motel, Staffel 5

Bates Motel, Staffel 5

Quelle: Universal

The Walking Dead, Staffel 7: Die Zombies sind schon lange nicht mehr die schlimmsten Wesen im Amerika nach dem Ende der Welt. Die Menschheit, die allerorten einen allzeit gefährdeten Neubeginn im Kleinsten wagt, etabliert dabei alle möglichen Formen des Zusammenlebens – nicht immer auf den Grundfesten der Demokratie. Als irrer postapokalyptischer Depot Negan macht Jeffrey Dean Morgan in der siebten Staffel der Serie gewaltig Eindruck. Aber er kann zugleich nie die Tatsache nicht verbergen, dass er nur eine schlimmere Neuausgabe jenes von David Morrissey gespielten irren Governors aus der zweiten Staffel ist.

Damals wusste “The Walking Dead“ noch Spannung durch den Wechsel zwischen Psychologisierung der Charaktere und mürbe einherstolperdem, nimmermüdem Monsterschrecken zu erzeugen. Zwar wird auch diesmal mit dem Auseinanderdriften der Überlebenden um Sheriff Rick Grimes nach dem Tod zweier Gruppenmitglieder auf die emotionale Karte gesetzt. Doch die Ermordung von Glenn und Abraham zuvor wird so tabubrechend gewalttätig inszeniert, dass man als Zuschauer angewidert die Luft anhält.

Der Exzess zum Start ist stets das schwächste Mittel zur Publikumsrekrutierung. Danach ist alles wie gewohnt, die Abteilung Maske leistet Außerordentliches, während die verbleibenden Helden um ihre Freiheit und um ihr Überleben kämpfen. Zwar werden ein paar neue, interessante Charaktere eingeführt, zwar gibt es auch einige hübsche Volten. Aber es wird höchste Zeit, dass Ricks Leute endlich den endgültig sicheren Ort finden, der diese Serie an ihr verdientes gutes Ende bringt.

The Walking Dead, Staffel 7

The Walking Dead, Staffel 7

Quelle: fox

Divorce, Staffel 1: Der Klassiker. Die Frau hat einen Liebhaber, mit dem sie bislang (mindestens 32 Mal) herrlichen Sex gepflegt hat. Zuhause warten der langweilige Mann mit seinen Stuhlgangproblemen, fader Sex und die schwierigen Kinder. Man teilt dem Routinepartner mit, dass Glück etwas anderes sei und man sich scheiden zu lassen gedenke. Was den Liebhaber sofort abtörnt und ihn, den vermeintlich partnerschaftlichen Neuanfang, als feigen Genießer von folgenlosen Schäferstündchen ausweist.

Daraufhin erfolgt die sofortige Rückbesinnung auf den Langweiler, die Gören und den 08/15-Eros als feste Pfeiler des trauten Heims. Aber der gehörnte Ehemann hat den Liebhaber ausfindig gemacht und seinerseits das Interesse an einer Fortführung der Ehe verloren. In “Divorce“ sind Frances (Sarah Jessica Parker) und Robert (Thomas Haden Church) zwei lächerliche Erwachsene, die einander in kindischen Verhaltensweisen übertreffen und ihren Nachwuchs damit wieder und wieder in Staunen versetzen. 19 Jahre nach “Sex and the City“ ist Parker in der Vorstadt angelangt, der “Carrie“-Lack ist ziemlich ab, und Haden Church ist ein fantastischer, tragikomischer Durchschnittsprinz mit strauchigem Handwerkerschnurrbart.

Aber Sharon Horgans Komödie schwankt unstetig zwischen Mitgefühl und dem Ätschfinger für die Kombattanten im Ring der untergehenden Zweisamkeit. Am Grunde dieser Geschichte, die mit Supertramp und anderem hörenswerten Siebzigerjahrepop und –rock verfugt ist, wartet eine schwarze, ernüchternde Traurigkeit auf den Zuschauer. Der muss er sich stellen, oder sich einen anderen Spaß suchen, der einen nicht so unangenehm berührt.

Divorce, Staffel 1

Divorce, Staffel 1:

Quelle: Warner/HBO

The Missing, Staffel 2: Elf Jahre lang war Alice Webster, die Tochter eines britischen Militärs (David Morrissey), der in Deutschland stationiert ist, eine Gefangene in der Gewalt eines pädophilen Kerkermeisters. Als der völlig Entkräfteten (Abigail Hardingham) die Flucht gelingt, beginnt die Suche nach dem Kidnapper und nach der gut aber eben nicht perfekt verborgenen Wahrheit. Die überforderte Offizierin Eve Stone (Laura Fraser) erhält Hilfe von dem französischen Inspektor im Ruhestand, Julien Baptiste (Tchéky Karyo), dem aus der ersten Staffel bekannten Spezialisten für Entführungen, der in der Zurückgekehrten in Wahrheit Sophie Giroux vermutet – eine spurlos Verschwundene, nach der er lange Jahre vergeblich gesucht hat.

Die Drehbuchautoren Harry und Jack Williams zerlegen ihre Geschichte erneut in verschiedene Zeitebenen und erschaffen ein weiteres, brillant komplexes, dichtes, aufwühlendes Crimedrama, eine Rätselschlange, ein Puzzle, das den Zuschauer herausfordert (vom beiläufigen Quasselgucken wird dringend abgeraten!) und über die ausgefeilten Charaktere acht einstündige Episoden permanent in Spannung hält, ihn vermuten, wissen und verwerfen lässt.

Das vermeintlich Offensichtliche trügt hier, man folgt dem sanften, bestimmten, unverzagten Baptiste durch die bösen Labyrinthe dieses Falls. Einziger Schwachpunkt sind ein paar der Synchronstimmen, deren Phrasierung zu distanziert erscheint und nach Ablesen klingt. Im englischsprachigen Original ist “The Missing 2“ eine der finstersten Wonnen des Jahres, getragen von einem unglaublich lebensechten Ensemble.

The Missing, Staffel 2

The Missing, Staffel 2

Quelle: Pandastorm

Lethal Weapon, Staffel 1: Das ist eine jener Polizeiserien, in denen der Bösewicht, der sich partout nicht zum Waffe-Niederlegen überreden lassen will, im Moment des Betätigens des Abzugs von einem Bus überfahren wird. Wo sich Polizisten mit ihrem Wagen urplötzlich in einem Formel-1-Rennen wiederfinden. Wo ein Cop mit einem Stapel Pizzen in einen Banküberfall hineinlatscht und mit der Himmelfahrtsmasche tatsächlich die Geiseln befreien kann. Wo Sex eine Lösung für alle Verspannungen ist und jeder Leichenfund mit einem lockeren Copspruch ins Lustige gezogen werden kann.

Der eher spießige Familienvater Roger Murtaugh (Damon Wayans) und der nach dem Unfalltod seiner hochschwangeren Frau todessehnsüchtige Ex-Marine Martin Riggs (Clayne Crwaford) werden am Tag nach Murtaughs Rückkehr von einer Rehabilitation in den Polizeidienst ein Team, wie es unterschiedlicher nicht sein könnte. Kein tiefgreifendes Qualitätsfernsehen, aber gutes Action-meets-Fun-Entertainment für einen Fernsehabend ohne Reue und Nachdenken. 30 Jahre nach dem ersten und 19 nach dem letzten “Lethal Weapon“-Film wandeln die beiden Darsteller recht ansehnlich in den Schuhen von Mel Gibson und Danny Glover.

Lethal Weapon, Staffel 1

Lethal Weapon, Staffel 1

Quelle: Warner

House of Cards, Season 5: Zeit in Serien hat etwas von einem Stretchgummi. Fast zwei Staffeln dauert das jetzt schon mit den Wahlen im Amerika von Präsident Frank Underwood (Kevin Spacey). Wenn er gewinnt, wird seine Ehefrau Claire (Robin Wright) Vizepräsidentin. Underwoods Sinnspruch “Ich werde nicht weichen“, gilt als ausgemacht, die Hilfsschufte in Underwoods Diensten finden schließlich Kompromittierendes bezüglich des Militärdiensts des hoffnungsvollen republikanischen Konkurrenten Will Conway (Joel Kinnaman).

Die Frage, ob die Underwoods die Wahl gewinnen, die sich schon mal in der Gefühlsaufwallung der Unbesiegbarkeit Lieder aus “Camelot“ vorsingen, dem Lieblingsmusical von John F. Kennedy, wird schon in Episode 4 beantwortet. Dennoch bleibt ds Geschehen über die volle Distanz spannend, auch wenn Beau Willimon, Showrunner der ersten vier Staffeln, nicht mehr an Bord ist. Wenn die Assistentin im Präsidentenlimousine Unglücksfälle aus den USA vorträgt, und die Underwoods über die medienwirksamste Wohltätigkeit entscheiden – wo wird man medial am trostreichsten und sozialsten erscheinen, ist man amüsiert und empört zugleich. So bitterkomisch die fünfte Staffel auch ist, so cartoonhaft unwirklich und glaubwürdig zugleich, wird der Irrsinn der Serie doch längst von der realen Clownspolitik in Washington übertroffen.

Als Zuschauer einer Fernsehserie empfinden wir das Geschehen im Weißen Haus Frank Underwoods als Komödie, als Betroffene unserer Wirklichkeit fühlen wir uns als Mitwirkende in einem Spiel mit völlig ungewissem Ausgang. Was nach Sicht der fünften Staffel dieser bösen (inzwischen aber durchschaubaren) Serie bleibt, ist das dumpfe Gefühl, dass zu viele Zuschauer ihr Politbild in “House of Cards“ bestätigt fanden und daraufhin beschlossen, die alte, verrottete Establishmentherrschaft der Underwoods und Clintons abzuwählen.

House of Cards, Season 5

House of Cards, Season 5

Quelle: Sony

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie: Sam (Zoey Deutch, bekannt aus “Beautiful Creatures“) ist die netteste einer Viererbande von Highschool-Bitches, für die Sex das allzeit rangerste Thema ist, und die sonst mit Vorliebe die nicht ganz so aufgebrezelten Klassenkameradinnen mobben - Mädchen wie Juliet (Elena Kampouris), die schüchtern ist, seelisch verletzt scheint und düstere Bilder malt. Am Abend nach der Party, auf der Sam ihre Jungfräulichkeit verlieren sollte - wozu es dank des Betrunkenheitsgrades ihres Freundes nicht kommt - verunglückt das Auto mit dem Quartett schwer.

Und weil Sam am Morgen in ihrem Bett erwacht, und alles abläuft wie am Tag zuvor, wähnt man sie in einer Zwischenwelt und sich als Zuschauer in einer Art “Und täglich grüßt das Murmeltier“-Variante in der Spielart „traurig“. Eine Weile tapst Sam noch ziemlich verwirrt und wütend durch die Endlosschleife ihres Todestages, bis sie beschließt, die Dinge zu ändern. Den doofen Freund zu schassen, nicht mehr die zickig-zornige Familiennemesis zu sein, und sich bei Juliet, die sich in der Nacht der Party das Leben nahm, zu entschuldigen und ihr Lebensmut zu geben, auf dass sie diesen Tag überlebt.

Regisseurin Ry Russo-Young macht aus dem Märchen ein erlebenswertes Moralspiel, das mancher Bitch aus dem wirklichen Leben durchaus zu denken geben könnte. Was sie nicht aufzulösen vermag, ist der logische Knick. Wenn alle Tage nach ihrem Unfall nur Kopfgespinste waren, dann hat sich in Wirklichkeit für niemanden etwas verändert – außer für Sam in ihrem seltsamen Koma. Und wenn die letzte, und beste Version dieses Murmeltiertags die mustergültige war, was ist aus den anderen Tagen dieses langen Loops geworden? Hat das höchste Wesen hinter all dem kosmischen Rauschen sie nur eine Exklusivlektion gelehrt? Im Bereich der Fantasy mag alles möglich sein, aber längst nicht alles ist schlüssig.

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie.

Quelle: Capelight

Es war einmal in Deutschland: Ein KZ-Insasse wurde im Dritten Reich aus dem Lager auf den Obersalzberg verfrachtet, um Hitler auf seinem Berghof ein paar lockere Witzchen beizubringen, damit der seinem faschistischen Diktatorenkumpel Mussolini gegenüber als größter Spaßmacher aller Zeiten bestehen konnte. Nein, der neue Film von Sam Gabarski (“Irina Palm“) basiert nicht auf den derzeit in gefühlt der Hälfte aller Kinofilme ins Feld geführten “wahren Begebenheiten“ sondern auf zwei Romanen von Michel Bergmann (“Die Teilacher“, “Machloikes“).

In der Nachkriegszeit hat jener Daniel Bermann (Moritz Bleibtreu) Schwierigkeiten, in Frankfurt eine Lizenz für seine Geschäfte mit Aussteuerwäsche zu bekommen, weil er wegen seiner “Lehrtätigkeit“ im Verdacht steht, mit den Nazis kollaboriert zuhaben. Die US-Offizierin Sara Simon (Antje Traue) versteht diesbezüglich überhaupt keinen Spaß, und so erzählt sich der mit einer gesegneten Fantasie begabte Bermann um Kopf und Kragen, während seine jüdischen Teilhaber, allesamt NS-Versehrte mit Amerika-Traum, sich mit Charme und charmanten Schwindeleien das Geld für die Auswanderung verdienen. Moritz Bleibtreu ist gut in der Rolle des Schlawiners mit Chuzpe und Herz, die anderen Figuren aber bleiben blass und schablonenhaft, allen voran die attraktive Verhörspezialistin.

Der hinter- und abgründige jüdische Witz, der seinen Erzählern und seinem Publikum immer auch dazu diente, die ungeheuerlichen Diskrimierungen und Verfolgungen der Geschichte zu ertragen, tritt hier immer wieder beispielhaft zutage. Die Ungeheuerlichkeit des Holocaust aber, der mehreren Generationen europäischer Juden das Leben nahm oder das Dasein auf Lebenszeit verstümmelte, wird nur selten in dem Gezeigten erfühlbar. Gabarski bleibt hier hinter den Erwartungen. Und zu Hitler und Bermann: Böse Menschen mögen Lieder kennen, haben aber zweifelsfrei keinen Humor – ganz egal wie viele Witze man ihnen auch erzählt.

Es war einmal in Deutschland

Es war einmal in Deutschland

Quelle: X-Filme/Warner

Von Matthias Halbig

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