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Tipps Klassik im Kuhstall
Sonntag Tipps & Kritik Tipps Klassik im Kuhstall
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20:01 08.07.2016
Ob im Kuhstall oder unter freiem Himmel, ob elitär in Bregenz oder für ein breites Publikum in Mecklenburg-Vorpommern: Klassik-Festivals erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Quelle: Büttner / dpa
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Schleswig-Holstein Musik Festival

Klassik im Kuhstall und Cross-Over in Kirchen und Konzertsälen gibt es beim von Justus Frantz und Leonard Bernstein gegründeten Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) zwischen Hamburg und Flensburg. 160 000 Besucher werden bis zum 28. August erwartet. Schwerpunkt ist 2016 der Ur-Klassiker Joseph Haydn. Intendant Christian Kuhnt meint, da wäre noch vieles zu entdecken. Erst vor kurzem sei etwa herausgekommen, dass Haydn 1760 im Wiener Stephansdom nicht Maria Anna Aloysia Apollonia Keller geheiratet habe, sondern deren jüngere Schwester Maria Anna Theresia. Oha! Den Genuss beim Hören des Abschlusskonzertes – Haydns Oratorium "Die Schöpfung" in einer Kieler Großsporthalle – wird dies kaum schmälern.

Klassiker im Norden: Das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) läuft noch bis zum 28. August 2016. Quelle: Schleswig-Holstein Musik Festival

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

Eine SHMF-Kopie läuft noch bis zum 17. September: die Festspiele MV. Dass dort etliche der Top-Acts auftreten, die auch das Nachbarfestival bespielen, stört nicht weiter. Nigel Kennedy kam nach Fleesensee mit den Songs von Jimi Hendrix, in Lübeck, Neumünster und Flensburg wird er Vivaldi und Eigenes spielen. Dirigent und Pianist Christoph Eschenbach, die Cellistin Sol Gabetta, die famosen Wiener Blechbläser von Mnozil Brass und der umtriebige Geiger Daniel Hope sind in Ost und West vertreten. Doch die Festspiele MV haben eine wunderbare Entdeckung vorzuweisen – die 1986 in Oslo geborene Geigerin Vilde Frang. Ein breiteres Publikum kann die "Preisträgerin in Residence" in einer ganzen Reihe von Solokonzerten und Kammermusikabenden bewundern.

Rheingau Musik Festival

Eine ganz eigene Handschrift trägt das Programm des Rheingau Musik Festivals (RMF). Noch bis zum 27. August tröpfeln Konzerte und Degustationen dahin – ein Gemischtwarenladen aus Klassik (zum Beispiel mit dem Pianisten Grigory Sokolov), Operette (mit Sopranistin Annette Dasch), Jazz (mit Till Brönner), Pop (mit Max Mutzke) und Blödsinn (mit Matthias Brodowy). Sogar die Berliner Philharmoniker haben sich bereits ins Rheingau, diese etwas amorphe Region westlich von Frankfurt, gewagt, wo Weingüter um den Hauptspielort, das Kloster Eberbach, noch ganz andere Genüsse versprechen. Intendant Michael Herrmann bestimmt seit der Gründung 1987 das RMF, großherzig, konservativ und auch ein bisschen schrullig.

Bregenzer Festspiele

Ab in den Süden: In der Vorarlberger Metropole Bregenz (30 000 Einwohner) richten sie wieder ihre Seebühne her. Das im Bodensee festgezurrte Bühnenbild ist für einige Festspielgäste attraktiver als das Musiktheater. Für Giacomo Puccinis chinesische Oper "Turandot" wurde die Große Mauer nachgebaut. "Sie wird von über 200 Terrakotta-Kriegern durchkreuzt, die in den Himmel wie ins Wasser streben", heißt es. Premiere der Wiederaufnahme ist am 21. Juli. Wer genau wissen will, warum die Akustik hier so fantastisch ist, sollte bei Wikipedia das Stichwort "Bregenzer Richtungshören" nachschlagen.

Elitärer Augen- und Ohrenschmaus: Die Bregenzer Festspiele mit ihrer prächtigen Bühne im Bodensee finden vom 21. Juli bis zum 21. August statt. Quelle: Getty

Salzburger Festspiele

Im Großen Festspielhaus wird zunächst Joseph Haydns "Schöpfung" mit dem Chamber Orchestra Europe aufgeführt. Schön, dass in Österreich Europa wenigstens kulturell hoch im Kurs steht. Der Chor des Bayerischen Rundfunks und einige Solisten aus Nachbarländern sind dabei. Wie es sich für Salzburg und sein "Fest des bayrisch-österreichischen Stammes" (Festivalgründer Hugo von Hofmannsthal) gehört, folgt am Tag zwei der "Jedermann" auf dem Domplatz. Im "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" macht Peter Lohmeyer als Tod eine ganz gruslige Figur. Seinetwegen lohnt sich schon der Besuch.

Bayreuther Festspiele

Hier dreht sich zurzeit viel um Zäune, Einlasskontrollen und Sonderausweise. Man glaubt am Grünen Hügel von Bayreuth, im Fadenkreuz des Terrors zu stehen. Dabei kommt die Kanzlerin in diesem Jahr gar nicht zur ersten Premiere. Die Kosten für die ganze Abschottung liegen im Millionenbereich und sollen aus Rücklagen gezahlt werden, die eigentlich für die Neuinszenierung des "Ring des Nibelungen" 2020 gedacht waren. Die Festspiele werden am 25. Juli mit Wagners "Parsifal" eröffnet. Leider inszeniert nicht Jonathan "Hitlergruß" Meese das Bühnenweihfestspiel, da hat die Wagner-Halbschwestern Katharina und Eva der Mut verlassen. An die Stelle des Aktionskünstlers trat der Wiesbadener Stadttheaterintendant Uwe Eric Laufenberg. Mit Sicherheit wurde damit ein schöner Skandal vermieden. Schade.

Großer Aufstand am grünen Hügel: Die Bayreuther Festspiele (25. Juli bis 28. August) sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Quelle: dpa

Donaueschinger Musiktage

Neue Musik ist bei allen Sommerfestivals Mangelware. Die meisten setzen auf das klassisch-romantische Repertoire, ein bisschen Alte Musik und den einen oder anderen Ausflug zu Cross-Over und Jazz. Wer nicht so leicht zu erschrecken ist, wartet bis zum Herbst und besucht die Donaueschinger Musiktage – sie galten bislang als radikal zeitgenössisch. Doch der Veranstalter vom Südwestrundfunk bemüht sich jetzt um breitere Akzeptanz und nimmt in diesem Jahr Pop und Schlager ins Programm. Die nächsten Musiktage finden im Oktober statt. Unter anderem ist dann die Radiofone Performance "Good Morning, Deutschland" des Frankfurter Komponisten Hannes Seidl in einer Flüchtlingsunterkunft zu hören. Typisch Donaueschingen.

Moritzburg Festival

Bescheiden geht es zu beim Moritzburg Festival in Sachsen. Es will nicht mehr, aber auch nicht weniger bieten als feine Kammermusik von Enthusiasten. Dafür steht eine Person: Jan Vogler. Der renommierte Cellist hält das Niveau seiner Konzert- und Gesprächsreihe auf dem Moritzburger Jagdschloss und in der Moritzburger Kirche nördlich von Dresden respektabel hoch. Das barocke Ambiente dient der Konzentration und Kontemplation. Das Eröffnungskonzert findet allerdings am Sonnabend, 6. August, in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden statt – in der Höhle des Sponsors. In Johannes Brahms' Konzert für  Violine, Violoncello und Orchester a-Moll ist Vogler neben dem jungen US-Geiger Benjamin Beilman zu hören.

Feinste Kammermusik wird vom 6. August bis 21. August beim Moritzburg Festival nördlich von Dresden geboten. Quelle: Moritzburg Festival / Oliver Killig
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