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Rosa Parks lebt in Berlin

Ein Denkmal auf Reisen Rosa Parks lebt in Berlin

Ein Haus erhält Asyl: In Detroit sollte es abgerissen werden. Ryan Mendoza hat es über den Atlantik gebracht und in Berlin wieder aufgebaut. Einst wohnte Rosa Parks, Ikone der Bürgerrechtsbewegung, in dem Holzhäuschen. Die Geschichte eines Fehlers – und einer Wiedergutmachung.

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Haus zugelaufen, in liebevolle Hände abzugeben: Ryan und Fabia Mendoza haben das frühere Heim von Rosa Parks nach Berlin verschifft und wieder aufgebaut.

Quelle: Jacqueline Schulz

Berlin. Ein einziges Mal in den vier Monaten, in denen Ryan Mendoza das Haus baute, kam eine Nachbarin herunter. Sie fragte nicht, was er dort mache. Sie forderte nur die Einhaltung der Sonntagsruhe ein. Dabei hätte es Fragen genug gegeben: Warum ein hagerer Amerikaner mit Kapuzenshirt den ganzen Winter hindurch in einem Berliner Hinterhof alte Latten schleppt und zusammennagelt. Warum er alleine auf einem wackligen Gerüst balancierend Fensterrahmen einsetzt, von denen die Farbe abplatzt.

Warum zum Teufel jemand zwischen der Brandmauer einer Mietskaserne aus der Gründerzeit und Schlichtbauten der Nachkriegsjahre die verwitterten Balken eines von der Sonne und den Winterstürmen des Mittleren Westens der USA ausgeblichenes Holzhauses zusammenfügt. Warum, kurz gesagt, in einem Hinterhof des Berliner Arbeiterbezirks Wedding das Haus der Bürgerrechtsikone Rosa Parks aus Detroit wieder errichtet wird.

Es geschieht, weil der 46-jährige Berliner Künstler Ryan Mendoza, gebürtiger Amerikaner, etwas wiedergutzumachen hat. An seiner eigenen Geschichte. An seinem eigenen Land.

Am 1

Am 1. Dezember 1955 weigert sich die 42-jährige Rosa Parks, ihren Platz in einem Bus von Montgomery für einen weißen Passagier freizugeben. Sie wird verhaftet und zu einer Geldstrafe verurteilt. Die schwarze Bevölkerung boykottiert daraufhin ein Jahr lang alle Stadtbusse.

Quelle: AP Images

Die Geschichte beginnt 1957. In jenem Jahr kam die damals 44-jährige Rosa Parks, schon eine Berühmtheit, mit ihrem Mann Raymond nach Detroit. Als Flüchtling. In ihrer Heimatstadt Montgomery, im Südstaat Alabama, bekam Parks keine Arbeit mehr, täglich wurde sie bedroht. Die Näherin hatte zwei Jahre zuvor eine Revolution angezettelt: Am 1. Dezember 1955 blieb sie im Bus Nummer 2857 der Montgomery City Lines einfach sitzen – obwohl ein weißer Fahrgast ihren Fensterplatz beanspruchte.

Dieser Akt des zivilen Ungehorsams war der Funke, aus dem die US-Bürgerrechtsbewegung ihre Flamme gewann. Doch er machte Parks heimatlos. Im Süden war es für sie unerträglich geworden. In der Autostadt Detroit lebte ihr Bruder mit seiner Frau und 13 Kindern in einem zweistöckigen Holzhaus. Es kann nicht viel Platz darin gewesen sein. Doch Rosa Parks und ihr Mann durften bleiben, zwei Jahre lang. Sie war arbeitslos, verdiente sich ein bisschen Geld mit Nähen. Auch im Norden flogen manchmal noch Steine, aber alles in allem war sie hier in Sicherheit.

Ihr Haus ist es jetzt auch. Und da kommt Ryan Mendoza wieder ins Spiel. Die letzten Eigentümer hatten das Haus in der Immobilienkrise von 2008 verloren. Wie Zehntausende Detroiter hatten sie ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können. Die Stadt wollte das verfallene Haus abreißen, Schandfleckbeseitigung. Selbst wenn der Schandfleck einmal Lebensort einer amerikanischen Ikone war.

Detroit als Symbol des Niedergangs

Michigans “Motor City“ hat heute noch knapp 700 000 Einwohner, ungefähr so viele wie Frankfurt am Main. Als Rosa Parks vor genau 60 Jahren in die Stadt kam, lebten dort 1,8 Millionen Menschen, so viele wie heute in Hamburg. Detroit ist schon seit Jahrzehnten Symbol des Niedergangs der amerikanischen Industriestadt. Wer bleibt, tut das mit Stolz, Sturheit und einer großen Portion Misstrauen gegenüber allen Fremden, die auf der Suche nach dem Charme des Morbiden in die Stadt kommen. Die Detroiter haben ein Wort dafür: “ruin porn“, heißt es, Ruinenporno.

Ziemlich unbedarft stolperte im Herbst 2015 auch Ryan Mendoza in dieses Detroit. Er suchte ein Haus, um es nach Europa zu bringen. Als Kunstobjekt. In Detroit war ihm eins angeboten worden, das frühere Heim der Familie Johnson, 20194 Stoepel Street. Es steht inzwischen weiß gestrichen als “The White House“ in der ständigen Sammlung der Verbeke-Stiftung in Belgien. Ein Kunstobjekt. Mit einem autobiografischen Hintergrund. In einem ähnlichen Haus ist Mendoza aufgewachsen, in Pennsylvania. Mendoza war sozusagen auf der Suche nach seiner Jugend in den USA, die er in diesem Haus zurückgelassen hatte.

20 Jahre lang lebte er in Deutschland und Italien. Er hatte Amerika verlassen, aber er konnte ihm nicht entkommen. Vielleicht könnte ihm das Haus helfen, den umgekehrten Weg zu gehen: nicht Altes, wie sonst üblich, aus Europa in die USA zu verschiffen, sondern amerikanische Geschichte nach Europa. In Detroit fand der Künstler, was er suchte. Er demontierte die Fassade, verschiffte sie nach Rotterdam und beauftragte einen Immobilienunternehmer damit, die Reste abzureißen. 13 500 Dollar, Vorkasse. Alles schien geklärt.

Plötzlich der Schurke

Plötzlich der Schurke: Ryan Mendoza musste das Vertrauen der Detroiter nach dem verpatztem Start mühsam zurückgewinnen.

Quelle: Jacqueline Schulz

Bis sich Mendoza fünf Monate später plötzlich auf der Titelseite der “Detroit Free Press“ wiederfand. Die Ruine stand immer noch, der Unternehmer hatte entweder nichts getan oder die nötigen Genehmigungen für den Abriss nicht bekommen. Jedenfalls waren die Nachbarn an der Stoepel Street sauer, und Mendoza der Schurke in dem Stück. Der Fall schien eindeutig: Ein Künstler benutzt Detroit, seine Einwohner und Häuser, als wären sie skurrile Ersatzteile auf einem Schrottplatz. So schrieben es die Kritiker, nicht nur in der lokalen Presse. Mendoza fiele über die Stoepel Street her und hinterher sähe alles noch schlimmer aus als zuvor. “Schlimmer als Ruinenporno!“, wüteten die Kritiker.

In Berlin fiel Mendoza aus allen Wolken. Das war das Letzte, was er gewollt hatte. “Ich dachte, mein Leben wäre vorbei“, sagt er leise. In der Filmdokumentation, die seine Frau Fabia Mendoza über die Projekte in Detroit gedreht hat, hält das Paar ein leises Krisengespräch. “Was soll ich jetzt machen?“, fragt Ryan. “Wir müssen hinfahren“, antwortet Fabia. “Ich würde es ja selber abreißen, aber das ist verboten, dann gehe ich ins Gefängnis“, sagt Ryan verzweifelt. “Dann geh ins Gefängnis“, murmelt Fabia.

Fabia ist Berlinerin mit italienischen Wurzeln, lange blonde Mähne, herzlich, kompromisslos. Wahrscheinlich hat sie beim zweiten Besuch in Detroit die Situation gerettet, sie hat die Aura dafür. Noch wahrscheinlicher ist, dass sie es beide zusammen waren. Auch der sanfte Ryan ging auf Kritiker und Protestierer zu, hielt die Pappschilder mit ihren Slogans. So überzeugten die Mendozas innerhalb kürzester Zeit die wütenden Nachbarn, dass auch Weiße von außerhalb Freunde der Detroiter sein können.

Ein Mahnmal gebrochener Versprechen

Eine, die das registrierte, war Rhea McCauley. Sie ist die Nichte von Rosa Parks. Rhea McCauley hatte kurz zuvor ein Stück Geschichte für 500 Dollar erworben – das Haus, in dem sie aufgewachsen war und in dem ihre Tante einst Zuflucht gefunden hatte. Das bescheidene Holzhaus mit der Adresse 2672 South Deacon Street sollte abgerissen werden, Rhea hatte es gekauft – und dann wusste sie auch nicht mehr weiter.

Niemand hatte Interesse an diesem Haus. Niemand mit Geld jedenfalls. Der Staat lehnte es ab – obwohl hier die Großen der Bürgerrechtsbewegung ein- und ausgegangen waren. Auch die Kuratoren des nagelneuen Museums für Afroamerikanische Geschichte und Kultur in Washington winkten ab. Vielleicht, weil es zwar ein Erinnerungsort war – aber in seinem heruntergekommenen Zustand in einer heruntergekommenen Umgebung eben auch ein Mahnmal gebrochener Versprechen. Ein schmerzendes Zeugnis davon, dass der amerikanische Traum vom Aufstieg durch Fleiß für einen großen Teil der schwarzen Bevölkerung immer nur ein Traum bleibt.

2016 bauten die Mendozas das Haus in der South Deacon Street gemeinsam mit vielen Helfern ab und verschifften es nach Berlin

2016 bauten die Mendozas das Haus in der South Deacon Street gemeinsam mit vielen Helfern ab und verschifften es nach Berlin.

Quelle: Fabia Mendoza

Die Nachbarn rund um die South Deacon Street indes wollten die Erinnerung an Rosa Parks nicht so einfach gehen lassen. Aber: “Leute mit Verbindungen, mit Sponsoren können vielleicht etwas draus machen“, sagt eine Nachbarin traurig, “wir nicht.“ Also wandte sich Rhea McCauley an diesen Künstler, der schon ein Haus verschifft hatte und anscheinend doch etwas für den Überlebenskampf der Detroiter übrig hat.

Ryan Mendoza und viele Helfer demontierten in 18 Tagen die Hülle des Hauses. Sie schlugen den Rigips von den Brettern ab und verluden sogar die feuchten Balken, die jeder andere auf den Müll geworfen hätte, in einen Seecontainer und brachten alles nach Berlin. Nach Zeichnungen aus seinem Skizzenbuch machte Mendoza sich an die Rekonstruktion. “Es ist wie ein Findelkind“, sagt der Künstler. “Wir haben es aufgenommen.“

Eine Frage von Schwarz oder Weiß

In Detroit ist immer alles eine Frage von Schwarz oder Weiß, nicht nur, wenn es um Rosa Parks geht, nicht nur in den alten Arbeitervierteln. Aber manchmal kann man es für einen Moment vergessen. Als Mendoza im Herbst 2015 in der Stoepel Street auf dem Dach stand und die Latten heraushebelte, rief von unten einer: “Warum nimmst du als Weißer das Haus einer schwarzen Familie mit?“ Doch als er in der South Deacon Street am Haus von Rosa Parks arbeitete, rief die Nachbarin von gegenüber: “Kommt, meine Kinder!“ und klappte eine Pappschachtel mit frittierten Köstlichkeiten vom Imbiss auf. Jeden Tag, an dem Mendoza und seine Crew das Haus auseinandernahmen.

Zum Abschied hielt Mendoza eine Rede, doch ihm fehlten die richtigen Worte. “Leute!“, rief er schließlich, “ich bin nicht der Richtige hierfür. Es hätte jemand aus der schwarzen Community sein müssen, der dieses Haus rettet, nicht ein Weißer. Ich bin noch nicht einmal aus Detroit. Aber sollte ich das Haus von Rosa Parks dem Bagger überlassen oder sollte ich vortreten und sagen: Ich rette dieses Haus?“

Mendoza hat das Haus gerettet und ihm Asyl gewährt, doch nun steht es in der Fremde. Was soll es da? Was soll es mit ihm? “Liebst du Rosa Parks?“,wurde Mendoza gefragt. “Ich lebe Rosa Parks“, hat er geantwortet. Er hat die alten Bretter geschleppt und zusammengenagelt, Tag für Tag, den ganzen Winter hindurch. Er hat für die Auferstehung ihres heimatlosen Hauses gesorgt. Nun steht es da, fremd, nackt, verriegelt. So soll es auch bleiben, zunächst jedenfalls. Mendoza hat noch die Dielen und die Treppe zum Obergeschoss. Er stellt sich vor, diese in einem Museum zu zeigen, als Installation. Eine Treppe ins Nichts, Dielen, vollgesogen mit Geschichte. Doch das ist Zukunftsmusik.

Einen ganzen Winter lang baute Ryan Mendoza in seinem Hinterhof im Berliner Stadtteil Wedding das Haus wieder auf

Einen ganzen Winter lang baute Ryan Mendoza in seinem Hinterhof im Berliner Stadtteil Wedding das Haus wieder auf.

Quelle: Fabia Mendoza

Musik aber wird es geben in dem verriegelten Haus, für die Vernissage am 8. April bereitet Mendoza gerade eine Sound-Installation vor. Er hat recherchiert, wo im Haus damals der Fernseher stand, welche Sendungen liefen, welche Werbespots. “Unsere Leben sind nun miteinander verbunden“, sagt Ryan Mendoza, und es klingt nur ein kleines bisschen zu kitschig.

Zwischen seinem eigenen und dem neuen Haus auf dem Weddinger Grundstück liegen Ryans Werkzeug und das Spielzeug von seinem Sohn Dylan, vier Jahre alt. Vorne, zur Straße hin, stehen zwei amerikanische Oldtimer aus den Sechzigerjahren. Ryan möchte sich mit Dylan einen Kindheitstraum erfüllen. “Ich hätte mir immer gewünscht, dass mein Vater mit mir ein altes Auto restauriert. Er hat das nie gemacht. Jetzt können wir das nachholen.“ Aber Dylan steht der Sinn derzeit nach Uno-Spielen. “Gerade habe ich ihm beigebracht, dass Verlieren nicht schlimm ist“, sagt sein Vater. “Wenn du verlierst, gewinnst du durch den anderen.“

Fabia und Ryan Mendoza haben ihr Detroiter Fiasko in einen Sieg verwandelt. Vielleicht steht das Haus von Rosa Parks doch am richtigen Platz.

Ryan und Fabia Mendoza werden das frühere Heim von Rosa Parks am 8. April ab 20 Uhr erstmals der Öffentlichkeit präsentieren (Wriezener Straße 19, Berlin-Wedding). Zuvor zeigt Fabia Mendoza ihren Dokumentarfilm „The White House“ über die berührenden Begegnungen der Mendozas in Detroit.

“Das Haus bekommt Asyl“

Aleida Assmann, Kulturwissenschaftlerin in Konstanz

Aleida Assmann, Kulturwissenschaftlerin in Konstanz

Quelle: Jespah Holthof

Frau Assmann, das frühere Wohnhaus von Rosa Parks steht jetzt in Berlin ...

… und das ist ungeheuer symbolisch! Mich hat diese Nachricht elektrisiert.

Warum?

Zunächst einmal ist ein Haus schließlich eine Immobilie, die nicht so einfach über einen Ozean zu transportieren ist. Tatsächlich sind schon etliche Häuser zwischen Europa und den USA über den Atlantik bewegt worden, bisher aber immer in umgekehrter Richtung. Amerika hat sich – wie China jetzt – französische Schlösser und andere historische Gebäude zusammengekauft, um sich als junge Nation etwas mehr historischen Firnis zuzulegen. Nun passiert das in der Gegenrichtung: Ein Haus, das nicht mehr gebraucht wird, tritt die Reise über den Atlantik an. Es wird im doppelten Sinne nicht mehr gebraucht: weil es nicht mehr bewohnt wird – und weil es keinen Platz mehr in der Geschichte hat als Ort des Andenkens und der gemeinsamen Verständigung.

Welche Anknüpfungspunkte findet es in Berlin?

Gar keine. Das Haus bringt eine Geschichte mit, die hier ohne Kontext ist. Es ist ein versprengtes Fragment. Nichts an ihm kann an seine neue Umgebung anschließen. Es ist in der Fremde, es bekommt Asyl, weil es zu Hause keinen Platz mehr hat.

Bedeutet es etwas, dass dieses Haus zufällig in einem migrantisch geprägten Stadtteil steht?

Ich glaube nicht, dass die Geschichte von Rosa Parks zur deutschen Einwanderungsgeschichte passt. Da gibt es doch Unterschiede, die man nicht verwischen sollte. Wie die Flüchtlinge, die bei uns angekommen sind, hat das Haus eine Zwangsmigration hinter sich, aber die Geschichte, die es symbolisiert, ist und bleibt die amerikanische Geschichte. Das Haus symbolisiert zudem die Tatsache, dass diese Geschichte in Amerika keinen Platz hat. Dort gibt es ja auch noch kein Museum der Sklaverei im Gegensatz zu Großbritannien. In Washington wurde vergangenes Jahr das National Museum of African American History and Culture eröffnet, das ist aber etwas anderes als ein Museum der Sklaverei. Dafür gibt es bisher nur zwei private Initiativen.

Mit Rosa Parks beginnt die amerikanische Bürgerrechtsbewegung ...

… und dieser Bewegung gehörten Schwarze und Weiße an, die gemeinsam das Lied “We Shall Overcome“ sangen. Diese großartige Utopie ist heute völlig vergessen. Dabei hätten wir sie dringend nötig in einer Zeit, in der Rassismus und Gewalt wieder zum Alltag gehören. Von der damaligen Aufbruchsstimmung, als das Ziel der Gleichberechtigung und einer geeinten Nation in erreichbare Nähe gerückt schien, ist heute nichts mehr zu spüren. Hier fehlt eine Erinnerungskultur, die diesen Anspruch an die Gesellschaft aufrechterhält. In diesem Zusammenhang hätte auch das Haus von Rosa Parks eine wichtige Anschauungs- und Beweisfunktion.

Tut sich Amerika wirklich so schwer mit den dunklen Seiten seiner eigenen Geschichte?

Die Amerikaner – ebenso wie die Russen – sind die Sieger des Zweiten Weltkriegs. Diese Länder haben keinen inneren oder äußeren Druck, negative Episoden der eigenen Geschichte anzuerkennen und ins nationale Gedächtnis zu integrieren. Und es kommt noch etwas anderes hinzu: In Europa verbindet man sich über eine gemeinsame Vergangenheit, in Amerika verbindet man sich über eine gemeinsame Zukunft ...

... den “amerikanischen Traum“.

Genau. Doch der kann für die schwarze Bevölkerung nur sehr eingeschränkt gelten. Sie gehörten nicht zu den Einwanderern, denen der Aufstieg versprochen wurde, wenn sie ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Die afroamerikanische Community hat auch nie so stark an dem kompromisslosen Individualismus teilgenommen, den jetzt wieder Donald Trump idealtypisch verkörpert.

Von Jan Sternberg

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