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Vorsicht, Fettnäpfchen!

Crashkurs für den Benimm auf Reisen Vorsicht, Fettnäpfchen!

Nase schnäuzen, Hände schütteln, Sandburgen bauen: So manche Alltäglichkeit entpuppt sich im Ausland als schwerer Fauxpas. Wer landestypische Spielregeln nicht kennt, bestätigt in der Fremde allzu schnell das Klischee vom hässlichen Deutschen. Ein Crashkurs in globalem Benimm.

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Vorsicht vor Fettnäpfchen: Ein kleiner Überblick über die anderen Sitten in anderen Ländern.

Quelle: Stefan Hoch

Hannover.  

Griechenland:
Vorsicht geboten ist in Griechenland bei vielen Gesten, die dort eine für den Fremden völlig unerwartete Bedeutung haben können. Am schlimmsten ist es, dem griechischen Gegenüber die offene Handinnenfläche mit fünf abgespreizten Fingern entgegen zu strecken. Mundza heißt diese äußerst beleidigende Geste. Leicht könnte ein Anzeigen der Zahl 5 oder ein Abschiedswinken in dieser Weise missdeutet werden.

Großbritannien:
Beim Essen zeigt sich die wahre Nationalität: Wenn der Deutsche mit seiner Gabel die Nudeln oder Kartoffeln in sich hineinschaufelt, rümpft der Brite despektierlich die Nase. Auf der Insel schaufelt man nicht, man spießt auf. Die Gabel wird konsequent mit den Zacken nach unten gehalten, selbst Kinder machen das schon so. Und nach ein wenig Übung wird man sehen: selbst Erbsen lassen sich in den Mund transportieren.

Spanien:

Ärgern Sie sich nicht, wenn Sie etwas erzählen und Ihre spanischen Zuhörer Ihnen dabei ständig ins Wort fallen. Sie nehmen lebhaft Anteil an Ihrer Erzählung und zeigen das auch ganz deutlich. Aufmerksames Zuhören, nur unterbrochen von gelegentlichem stummen Nicken oder einem Aha wirkt auf Spanier sehr irritierend. Es signalisiert eher Interesselosigkeit oder fehlende emotionale Beteiligung als Höflichkeit.

China: Wer einen Chinesen etwas fragt, erhält stets eine Antwort – etwa die Wegbeschreibung zum Bahnhof. Das Problem ist, dass die angegebene Route womöglich ganz woandershin führt. Denn bevor ein Chinese zugibt, dass er die Antwort nicht weiß, sagt er lieber etwas Falsches. Nicht helfen zu können gilt als schlimmer als eine Verlegenheitslüge.

Südkorea:
Soll man einem Koreaner ein Kompliment für die exotischen Zeichen der koreanischen Schrift machen? Nein, schlechte Idee! Man wird Sie gern und mit ziemlicher Sicherheit darüber belehren, dass Koreaner mit einem Alphabet schreiben, das noch dazu nichts mit Chinesisch oder Japanisch zu tun hat. Was man verschweigen wird: Auch die Koreaner haben ihr Alphabet erst einmal einige Jahrhunderte als Bauern- und Hausfrauenschrift abgetan, weil das Hochchinesisch die Gelehrtensprache war.

Schweden: Spontane Besuche kommen in Schweden – außer im nördlichen Teil des Landes – so gut wie nie vor und stellen darüber hinaus für die meisten Schweden den größten anzunehmenden Albtraum dar. Man möchte Besucher gebührend mit einem penibel geputzten Domizil und ausreichend Vorräten begrüßen.

Japan:
So befremdlich es auch klingt, bei Schnupfen sollte man das Nasensekret lieber hochziehen. Denn öffentliches Naseputzen gilt als unhöflich. Vorsichtiges Abtupfen ist aber im Notfall erlaubt.

Polen:
Der Deutsche wird im Ausland mitunter für seine Unverblümtheit geschätzt. In Polen sollte man damit vorsichtig sein. Ein klares Nein gilt hier als sehr unhöflich. Kritik oder Ablehnung sollte stattdessen kreativ verpackt werden, ohne dass das Gegenüber Gefahr läuft, sein Gesicht zu verlieren.

Thailand:
Thailand ist ein stark buddhistisch geprägtes Land, in dem die safrangelb gekleideten Mönche besonders angebetet werden. Für Frauen gilt dabei ein striktes Berührverbot, um jedwede „Ablenkung“ auf dem Weg zur Erleuchtung zu vermeiden. Umgekehrt gilt das Berührverbot auch für Männer mit Blick auf die noch sehr wenigen und nach größerer Anerkennung strebenden weiblichen Mönche.

Frankreich:
Die Pariser Stadtautobahn – genannt Boulevard périphérique – ist eine Sache für sich. Fremde Autofahrer machen gern folgenden Fehler: Sie gewähren Vorfahrt beim Auffahren, wie man es von normalen Autobahnen kennt. Doch hier gilt rechts vor links, auf dem “Périph“ hat also der Vorfahrt, der einfährt.

Kanada: Auch wenn bei uns Eishockey eher ein Nischendasein fristet, darf man sich keine Illusionen machen: In Kanada ist Eishockey noch wichtiger als bei uns der Fußball. Entsprechend sollte man als höchstens mäßig vorgebildeter Urlauber gar nicht erst versuchen, Partei für eine Mannschaft zu ergreifen. Man kann nur verlieren.

Italien: Coffee to go, ein Sandwich auf die Hand: Viele Großstädter ernähren sich buchstäblich im Vorübergehen. In Italien ist das verpönt. Man genießt das Essen – und genießen heißt vor allem, dass man sich darauf konzentriert und nichts anderes tut. Also bleibt man dort, wo man die Pizza al taglio oder das Sandwich gekauft hat, stehen. Und den Kaffee, Espresso natürlich, trinkt man in der Bar am Tresen. So viel Zeit muss sein.

Belgien:
Er ist ein bisschen aus der Mode gekommen, doch mancher benutzt ihn noch: den Fingerkreis, also einen mit zusammengeführtem Daumen und Zeigefinger erzeugten Kreis. In Deutschland steht er für für “alles okay“ oder soll bekräftigen, das etwas ausgezeichnet ist – in Belgien aber muss man mit dieser Geste vorsichtig sein. Sie bedeutet nichts anderes als dass man sein Gegenüber als Null ansieht, als Verlierertypen. Das ist übrigens auch in Frankreich und Tunesien so.

Taiwan: Wundern Sie sich nicht, wenn Sie mitten im Sommer allein im Meer oder im Swimmingpool planschen und dabei von den Taiwanern entgeisterte Blicke zugeworfen bekommen oder gar von ihnen aus dem Wasser gewinkt werden – Schuld sind die Geister: Im 7. Monat des Mondkalenders (meist im Juli und August) darf man beispielsweise nicht schwimmen, denn die Tore zur Unterwelt stehen offen und die Geister sind los. Sie ziehen ahnungslos Schwimmende mit sich hinab in die Tiefe.

Schweiz:
Das Fettnäpfchen lauert schon bei der Begrüßung: Heißt es “Gruezi“ oder “Grüüzi“? Ersteres – auf keinen Fall das “e“ vergessen! Das sollte es dann aber auch mit Schweizerdeutsch gewesen sein – versuchen Sie, Ihr Gegenüber zu verstehen, aber widerstehen Sie der Versuchung, genauso sprechen zu wollen. Jede Region in der Schweiz hat ihre eigene Mundart. So zu sprechen, dass sie als Einheimischer durchgehen, ist aussichtslos. Außerdem ist fast jeder Schweizer an Hochdeutsch gewöhnt, es wird überall gut verstanden.

Dänemark: Strand und Dänemark, das gehört für viele Urlauber zusammen. Und was gibt es Schöneres, als an einem Tag am Strand eine Sandburg zu bauen? Mit Türmchen in der Mitte und Graben drumherum. Bloß nicht! Dänen kennen Sandburgen nur aus einem Grund: Weil Deutsche ihre Strände damit zupflastern. Verständnis haben sie dafür wenig. Burgen zeugen aus Sicht der Dänen von territorialen Ansprüchen, und von denen sind die Einwohner hier oben im Norden weit entfernt.

Portugal:
Portugal ist das Land des Bacalhaus, des Stockfisches. Selbst wenn der für manchen Gaumen ziemlich gewöhnungsbedürftig sein sollte, wird er natürlich gern und stolz von vielen Portugiesen serviert. Sie sollten ihn in jedem Fall probieren, selbst wenn Ihnen die Gastgeber eine Alternative anbieten. Denn mit der Wahl des Ausweichgerichts stellen Sie indirekt die Gastgeberqualitäten infrage, was für Portugiesen eine echte Beleidigung ist.

Neuseeland: Barfuß laufen gehört zu den liebsten Gewohnheiten aller Kiwis – egal in welchem Alter, bei welchem Wetter und bei welchen Temperaturen. Die Versuchung ist groß, auf das Erkältungsrisiko durch fehlende Fußbekleidung hinzuweisen – lassen Sie es sein: Der Barfußläufer weiß genau, was er tut.

Vietnam:
Beim Überqueren der Straße sollten Sie in Vietnam niemals anhalten und auch nicht zurückweichen. Das Meer der Motorroller durchquert nur unversehrt, wer stetig vorwärtsläuft und somit ein berechenbares Hindernis ist. Ausnahme: Wenn Lastwagen laut hupend auf Sie zufahren. Die sind fast immer die Stärkeren.

Südafrika: “Jetzt“ ist in Südafrika ein äußerst dehnbarer Begriff, ebenso wie das Zeitverständnis im Allgemeinen. Hier eine kleine Interpretationshilfe: “Just now“ könnte man mit einem sehr dehnbaren “bald“ übersetzen. Es könnten zehn Minuten sein – oder auch nie. Im Grunde heißt es: “Mach dich mal locker!“ “Now“ bedeutet “ziemlich bald“, “now now“ etwa “in Kürze“ (“also sobald ich Zeit habe“) und “now now now“ schließlich “auf der Stelle“. Wobei man auch bei Letzterem obligatorische zehn Minuten südafrikanische Extrazeit hinzurechnen sollte.

Türkei: Vor allem die Deutschen mögen das Händeschütteln zur Begrüßung – doch das kann in der Türkei unangenehm auffallen. Als Mann etwa geben Sie einer Frau dort nur die Hand, wenn sie sie Ihnen entgegenstreckt. Sonst berühren vor allem gläubige Frauen hier vor allem keine Männer. Und: Man schlägt in Gegenwart von älteren Menschen nicht die Beine übereinander – es gilt, niemals mit Fußsohlen auf jemanden zu zeigen.

Australien:
Es ist ein schmaler Grat – im Berufsleben (oft) und im Privatleben (manchmal) muss man sich einfach gut “verkaufen“. Seien Sie aber vorgewarnt, dass stetes Untertreiben in Australien zum guten Ton gehört. Lieber leise auftreten und sich die eigenen Leistungen und Fähigkeiten aus der Nase ziehen lassen, als Gefahr zu laufen, einer von diesen Typen zu sein, die sich anscheinend für etwas Besseres halten.

Österreich:
“Wien, Wien, nur du allein!“ Sagen Sie das gern in Wien – aber niemals zu einem Nichtwiener (= Restösterreicher). Der Restösterreicher geht mit dieser Einstellung nicht d’accord. Der Restösterreicher akzeptiert Wien, aber wirklich mögen ist was ganz anderes.

USA: In den USA wird eine Toilette in öffentlichen Gebäuden als “restroom“ und in Wohnungen als “bathroom“ bezeichnet. Mit “toilet“ verbinden die Amerikaner das eigentliche Klobecken, den Begriff WC kennen sie nicht.

Russland:
Treten Sie am besten generell niemandem auf die Füße – vor allem aber nicht in Russland. Denn dort müssen Sie mit Revanche rechnen: Wer in Russland jemandem auf die Schuhe tritt, wird ebenfalls getreten, so fordert es der Brauch.

Brasilien: In Brasilien gehört es zum guten Ton, bei Einladungen grundsätzlich erst einmal zuzusagen – auch wenn Sie zu diesem Zeitpunkt schon wissen, dass Sie keine Zeit haben werden. Absagen können Sie dann auch kurzfristig, das ist nicht schlimm. Es zählt der geäußerte Wille, sich mit dem Einladenden treffen zu wollen.

Irland: Besucht man Iren zu Hause, wird man stets gefragt, ob man eine Tasse Tee möchte. Es ist – erstaunlicherweise – unhöflich, sofort Ja zu sagen. Man lehnt etwa zwei- bis dreimal ab, bis man “überredet“ wird: Cuppa tea? – No, thanks. – Are you sure? – Yes, I’m fine. – Ah, go on. – No, really. – Go on. – Alright then, I have one.

Norwegen:
Eine ältere Dame besteigt einen Bus in Stavanger. Niemand springt auf, um ihr den Sitzplatz anzubieten. Im Alter sehen die Deutschen sofort die Gebrechlichkeit und damit auch die Bedürftigkeit. In Norwegen soll niemand deswegen in Verlegenheit gebracht werden, man bleibt sitzen. Und die ältere Dame? Die hält sich an der Stange fest und zeigt damit: “Schaut her, Leute, es geht noch.“

Mexiko:
Vor allem in mexikanischen Orten mit hohem indigenen Bevölkerungsanteil ist das Fotografieren – wenn überhaupt – nur sehr eingeschränkt gestattet, insbesondere das Fotografieren von Personen sollte man als Tourist tunlichst vermeiden. In der Vorstellung der örtlichen Bevölkerung raubt man dem Fotografierten durch die Aufnahme die Seele, wodurch er seine Kräfte verliert und anfällig für Krankheiten wird.

Niederlande:
Keine falsche Zurückhaltung bei der Begrüßung – in den Niederlanden begrüßen sich auch weniger vertraute Personen mit drei sogenannten “luchtzoenen“ (Luftküsschen). Eine kleine Berührung der Wange des Gegenübers – links, rechts, links – ist dabei inklusive. Auf eine zusätzliche Umarmung sollte man dabei aber verzichten, die könnte falsch verstanden werden.

Finnland: Nirgendwo sonst gibt es mehr Saunen pro Einwohner als in Finnland und auch wenn die Regeln diesbezüglich vergleichsweise locker sind, sollte man eines beachten: Frauen und Männer gehen getrennt in die Sauna, gemischte Einrichtungen sind eher die Ausnahme. Auch wichtig: Die Einladung in die Sauna ist eine Auszeichnung, die nicht jedem zuteil wird. Man tut gut daran, sie anzunehmen. Wer ablehnt, sollte einen plausiblen Grund (Krankheit oder Allergie) nennen, anderenfalls wäre es ein Affront gegenüber dem Einladenden.

Indien: “
No problem“ ist ein Satz, dem Sie in Indien unentwegt begegnen werden. Und auch wenn sich hinter jedem “no problem“ garantiert eine bunte Palette zahlloser Schwierigkeiten materialisiert, seien Sie unbesorgt: Indien kennt keine Probleme, nur Lösungen. Allerdings entfalten die sich möglicherweise erst im nächsten Leben, aber auch das ist nur eine Frage der Zeit. Und davon gibt es in Indien schließlich mehr als genug. Aufregen lohnt sich nicht – ändern können Sie ohnehin nichts.

Mehr Benimmtipps für Reisende:

Die Beispiele auf dieser Seite stammen aus der Buchreihe “Fettnäpfchenführer“ aus dem Conbook-Verlag (Meerbusch)

Die Beispiele auf dieser Seite stammen aus der Buchreihe “Fettnäpfchenführer“ aus dem Conbook-Verlag (Meerbusch). ­Jeder Band befasst sich auf ­humorvolle Weise mit den Eigenarten einer Nation.

Quelle: Conbook

Von RND

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