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Deutschland scheitert am Angstgegner

Italien im EM-Finale Deutschland scheitert am Angstgegner

Tränen statt Titelträume - der Italien-Fluch hält an! Mit der falschen Taktik und ohne den nötigen Mumm ist die deutsche Nationalmannschaft wieder an ihrem Angstgegner gescheitert und muss nach dem 1:2 (0:2)-Schock von Warschau enttäuscht die Heimreise antreten.

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Die Gesichtsausdrücke der Routiniers Lahm (l) und Lukas Podolski sprechen Bände.

Quelle: Andreas Gebert

Warschau. Statt der erwarteten Revanche gegen Spanien kann Fußball-Deutschland am Sonntag beim Finale der Europameisterschaft nur zuschauen, wie die Italiener um den zweifachen Torschützen Mario Balotelli (20./36. Minute) den Welt- und Europameister in Kiew herausfordern. Mit einem verwandelten Handelfmeter betrieb Mesut Özil (90.+2) am Ende immerhin noch Ergebniskosmetik.

"Die Enttäuschung ist für alle groß. Man sollte nicht den Fehler machen, alles zu hinterfragen. Die Mannschaft hat insgesamt ein gutes Turnier gespielt. Wenn man in der ersten Halbzeit zwei Gegentore kriegt, dann wird es schwer. Trotzdem hat die Mannschaft ein großes Herz gezeigt", bilanzierte Löw. "Nach so einer Niederlage ist man tierisch enttäuscht. Jeder fällt in ein tiefes Loch. Wir haben an unser Ziel geglaubt und es nicht gepackt", sagte Teammanager Oliver Bierhoff frustriert.

Nach der Niederlage vor 55 540 Zuschauern muss das DFB-Team auch nach 16 Jahren weiter auf den nächsten Titel warten. Statt Weiterreise in die Ukraine steht am Freitag der Heimflug auf dem Programm. "Das ist sehr, sehr bitter. Wenn man gegen Italien solche Fehler macht und in Rückstand gerät, dann wird es sehr schwierig", hielt Kapitän Philipp Lahm fest. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach meinte mit Blick auf die Negativserie gegen die Azzurri: "Es ist immer wieder das Gleiche, wenn man gegen Italien spielt. Es ist ein Stück weit zum Verzweifeln."

Vier Mal im Turnier war Löws Matchplan bisher voll aufgegangen, doch im fünften Anlauf lag er mit seinem überraschend vorgenommenen Systemwechsel daneben. Mit dem Einsatz von Toni Kroos im zentralen defensiven Mittelfeld hatte er zwar die Italiener überrascht, aber zugleich auch die Ordnung im eigenen Team durcheinandergebracht. Denn dadurch war die rechte Seite häufig nur noch durch Jerome Boateng besetzt. Ein Umstand, den sich die Azzurri zunutze machten. Beide Treffer wurden über diesen Flügel eingeleitet.

Der Bundestrainer korrigierte zur Pause seine Aufstellung und brachte Marco Reus für Lukas Podolski und Miroslav Klose für den wirkungslosen Mario Gomez. Vor allem dank Reus nahm das Spiel über die rechte Seite nun endlich Fahrt auf. Immer mehr legte die DFB-Auswahl ihren Respekt ab und spielte ihre eigenen Stärken aus anstatt nur auf den Gegner zu reagieren, doch für die erhoffte Wende gegen defensiv starke Italiener kam die Umbaumaßnahme zu spät. Auch im fünften Turnierspiel blieb die von Löw erhoffte "Explosion" bei Spielmacher Özil aus. Dafür war Sami Khedira im Mittelfeld der große Antreiber, ohne indes die entscheidenden Impulse setzen zu können.

Bei bestem Fußball-Wetter und geöffnetem Stadiondach begann das 31. Duell der beiden Fußball-Supermächte mit einer unverhofften Möglichkeit für die deutsche Elf. Im Anschluss an die erste Ecke durch Kroos kam Hummels vor Torwart-Routinier Gianluigi Buffon an den Ball, doch Andrea Pirlo verhinderte auf der Torlinie das drohende 0:1 (5.). Italiens Keeper wirkte auch in der 12. Minute nicht sicher, als er eine scharfe Hereingabe von Boateng nach vorne prallen ließ.

Die Squadra zeigte sich indes unbeeindruckt und sorgte mit schnellem Spiel immer wieder für Unruhe in der deutschen Abwehr. Giorgio Chiellini, dessen Einsatz wegen einer Oberschenkelblessur lange fraglich gewesen war, leitete im Zusammenspiel mit Antonio Cassano das 1:0 für die Italiener ein. Mats Hummels ließ Cassano ungehindert flanken und in der Mitte reagierte Balotelli schneller als Holger Badstuber. Gegen den Kopfball des dunkelhäutigen Angreifers aus wenigen Metern war Torhüter Manuel Neuer chancenlos.

Auf den ersten Rückstand im Turnier reagierte die Mannschaft leicht geschockt, auch Löw war die Nervosität auf der Trainerbank deutlich anzumerken. Der Bundestrainer musste vor allem mit seiner Defensive hadern, die in der 34. Minute Riccardo Montolivo im Strafraum zu viel Spielraum ließ. Im Gegenzug prüfte Antreiber Khedira noch einmal Buffon aus gut 20 Metern, doch dann war es erneut passiert. Ein Traumpass von Montolivo in die Schnittstelle der Abwehr fand Balotelli, der völlig unbedrängt noch ein paar Meter mit dem Ball lief und ihn dann aus 14 Metern in den Torwinkel hämmerte.

Dank der Wechsel kam die deutsche Elf zur zweiten Halbzeit mit mehr Offensiv-Power aus der Kabine. Vier Minuten nach Wiederbeginn hätte Philipp Lahm die Wende einleiten können, doch der Kapitän schoss aus zwölf Metern über das italienische Tor. Dann stand Buffon bei einem Freistoß von Reus richtig und lenkte den Ball über die Latte (62.). Die Azzurri beschränkten sich im zweiten Durchgang zunächst darauf, den Vorsprung zu verwalten, bei ihren Kontern blieben sie aber jederzeit gefährlich. In der 67. und 75. Minute drohte bei zwei Chancen für Claudio Marchisio sogar das 0:3.

dpa

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