18 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Russische Leichtathleten bleiben ausgeschlossen

Olympia 2016 Russische Leichtathleten bleiben ausgeschlossen

Den russischen Sprintern, Läufern, Springern und Werfern bleibt bei Olympia in Rio nur die Zuschauerrolle. Der gesamte Verband ist weiterhin gesperrt. Allerdings öffnete der Leichtahletik-Weltverband auch eine Hintertür: Start einzelner Athleten unter neutraler Flagge.

Voriger Artikel
Kohlschreiber bangt um Wimbledon - Zverev im Halbfinale
Nächster Artikel
Zwischen Formel 1 und Vogts: Das Sportland Aserbaidschan

Sie will die Entscheidung nicht akzeptieren: die russische Stabhochspringerin Elena Issinbajewa.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Wien. Keine Gnade für die skandalumwitterten russischen Leichtathleten: Die Läufer, Springer und Werfer der stolzen Sportnation dürfen nach den zahlreichen Dopingskandalen nicht an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen. Das Council des Weltverbandes IAAF verlängerte die seit November 2015 wirksame Suspendierung des nationalen Verbandes WFLA. "Das russische Anti-Doping-System ist frühestens in 18 bis 24 Monaten wieder regelkonform", teilte die IAAF in Wien mit.

Neutrale Sportler können starten

"Ich freue mich über diesen Schritt. Das ist das richtige Signal für den Weltsport", sagte Diskus-Olympiasieger Robert Harting dem TV-Sender Sport1. Allerdings öffnete das Council auch eine Hintertür für nachweislich saubere Athleten: Der Olympia-Start einzelner Sportler unter neutraler Flagge sei möglich, sagte der Norweger Rune Andersen, der Chef der IAAF-Taskforce zur Beobachtung der russischen Reformfortschritte. Auch darüber dürften IAAF und das Internationale Olympische Komitee am kommenden Dienstag auf dem IOC-Summit in Lausanne reden.

IAAF-Präsident Sebastian Coe sprach nach der einstimmigen Entscheidung der 24 anwesenden Council-Mitglieder von einer "machtvollen Botschaft", allerdings auch von "einem traurigen Tag für unseren Sport. Das war keine einfache Entscheidung", erklärte der Brite. "Unser Ziel ist es nicht, so viele Länder wie möglich an den Start zu bringen, sondern so viele saubere Athleten wie möglich."

Eine "Kollektivstrafe" wäre nach Meinung von Andersen zwar "die leichtere Lösung" gewesen. "Aber wir wollen den Athleten, die außerhalb des Dopingsystems stehen, die Möglichkeit für einen Olympia-Start geben – unter neutraler Flagge."

Putin bestreitet Einfluss

Das russische Sportministerium reagierte unmittelbar auf die Entscheidung. Diese habe zu "einer beispiellosen Situation" geführt, hieß es. "Die Träume vieler unserer Sportler sind wegen des falschen Verhaltens einzelner Athleten, Trainer und Experten zerstört worden."

Zwei Stunden vor der Entscheidung hatte sich sogar Russlands Präsident Wladimir Putin noch einmal zu Wort gemeldet und eine Beteiligung des russischen Staates an Dopingvergehen von Sportlern bestritten. "Von staatlicher Seite haben wir gegen Doping im Sport gekämpft und werden das auch in Zukunft tun", sagte Putin in St. Petersburg. "Es kann nicht sein, dass das gesamte Team die Schuld für Einzelne tragen muss", zitierte ihn die Agentur Interfax.

"Der Ausschluss der WFLA war eine zu erwartende Entscheidung. Es war zu vermuten. Wir werden darauf reagieren", kündigte Russlands Sportminister Witali Mutko an. Die Entscheidung der 24 anwesenden Council-Mitglieder fiel auf der Grundlage und Empfehlung einer von der IAAF eingesetzten Taskforce, die die Reformfortschritte in Russland seit Januar überwacht hat.

Issinbajewa: "Verstoß gegen Menschenrechte"

Der völlige Ausschluss eines Verbandes ist laut Regel 45 im Ethik-Code des Weltverbandes bei gravierenden Verstößen gegen Anti-Doping-Regularien zulässig. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte am 9. November 2015 einen 323-seitigen Bericht vorgelegt, der ein Schreckensbild der Doping-Praktiken in der russischen Leichtathletik zeichnet. Am 13. November suspendierte die IAAF den nationalen Verband WFLA.

Die russische Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa regierte mit Entsetzen und großer Wut auf die IAAF-Entscheidung. "Das ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Dazu werde ich nicht schweigen", sagte Issinbajewa am Freitag nach Angaben der Agentur Tass. Sie kündigte an, vor ein internationales Gericht zu ziehen: "Ich werde für die Gerechtigkeit kämpfen."

Issinbajewa kündigte an, vor einem internationalen Gericht gegen die Entscheidung zu klagen. Sie empfinde die IAAF-Entscheidung als schwere Beleidigung und sei zutiefst zornig und empört. "Das Schlimmste ist, dass sie damit die Karriere junger Sportstars zerstören", kritisierte die zweifache Olympiasiegerin.

"Ich halte die Entscheidung der IAAF für nachvollziehbar, konsequent und im Interesse aller Sportler, die einem gut funktionierenden Anti-Doping-Kontrollsystem unterliegen", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, der Deutschen Presse-Agentur. "Der Arbeitsauftrag an den internationalen Sport lautet: Weltweit Strukturen aufzubauen, die weltweit einen glaubwürdigen Kampf gegen Doping zu gewährleisten."

Noch nie in der olympischen Geschichte ist eine größere Zahl von Sportlern eines Landes ausgeschlossen worden. Bei den London-Spielen waren von den insgesamt 440 russischen Sportlern ein Viertel Leichtathleten. Russland war 2012 mit 18 Medaillen nach den USA die zweitstärkste Leichtathletik-Nation.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bei SmartBets findest du alle Wettquoten und Buchmacher der 1. Bundesliga.
Mehr zum Artikel
Leichtathletik
Russlands Sportminister Witali Mutko ist ebenfalls ins Zwielicht geraten.

Russlands Leichtathleten bangen um ihren Olympia-Start. Bestätigt der Weltverband IAAF die seit sieben Monaten wirksame Sperre, dürfen Jelena Issinbajewa und Co. nicht nach Rio. Es wäre der erste Bann in der 120-jährigen Olympia-Geschichte.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Aktuelle Sport News - Aus der Welt 2/3