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Paralympics in Rio: Medaillenkampf im Chaos?

Paralympics Paralympics in Rio: Medaillenkampf im Chaos?

155 deutsche Sportler fliegen zu den Paralympics in Rio de Janeiro. Die organisatorischen Probleme vor Ort sind groß - die Vorfreude und die sportlichen Erwartungen sind es aber auch.

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Auch Hans-Peter Durst wird auf seinem Dreirad bei den Paralympics an den Start gehen.

Quelle: Roland Weihrauch

Frankfurt/Main. Man stelle sich vor: Eine Schwimmerin kommt nicht rechtzeitig zu ihrem Wettkampf, weil der Bus dorthin nicht fährt. Oder ein Rollstuhlbasketballer kann nicht auf sein Zimmer im Paralympischen Dorf, weil der Fahrstuhl nicht funktioniert.

Beides ist nur ein Worst-Case-Szenario. Aber trotzdem fliegen die deutschen Sportler an diesem Mittwoch mit genau solchen Sorgen nach Rio de Janeiro, wo vom 7. bis 18. September die Paralympics stattfinden.

Die Spiele der Behindertensportler stecken in einem Dilemma. Noch nie war die Paralympische Bewegung mit mehr als 4300 Sportlern aus über 160 Nationen so groß. Noch nie wurde das größte Ereignis, das sie zu bieten hat, in mehr als 100 Länder übertragen. Doch gerade diese Paralympics werden auch von schwerwiegenden Problemen und sportpolitischen Entscheidungen überlagert.

Die komplette russische Mannschaft darf nach den Doping-Enthüllungen der vergangenen Monate nicht starten. Dazu fehlt den Organisatoren in Rio das Geld. Die gesamten Spiele stehen unter einem Spardiktat.

"Wir reisen in der Erwartung nach Rio, dass ein Haufen mehr Dinge auf uns zukommen als sonst", sagt Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. "Es gibt logistische und organisatorische Einschnitte. Aber mein Vertrauen in die Organisationskraft des Internationalen Paralympischen Komitees ist sehr groß. Ich traue dem IPC zu, dass es unter diesen schlechten Bedingungen die bestmöglichen schafft. Deshalb steigert sich unsere Vorfreude trotzdem von Tag zu Tag. Was die sportlichen Erwartungen angeht, fahre ich mit einer breiten Brust nach Rio."

155 Athletinnen und Athleten gehören zum deutschen Team. Die bekanntesten von ihnen sind Weitspringer Markus Rehm, der vergeblich versucht hat, auch an den Olympischen Spielen teilnehmen zu können. Und die schon 63 Jahre alte Marianne Buggenhagen, die bei bislang sechs Paralympics insgesamt neun Goldmedaillen im Diskuswerfen, Kugelstoßen oder Speerwerfen gewann.

Die Deutschen profitieren insofern vom Ausschluss der russischen Mannschaft, als dass sie in der vergangenen Woche noch einmal acht Sportler in verschiedenen Disziplinen nachnominieren durften. Der deutsche Chef de Mission Karl Quade betont zwar, dass es in seinem Team anders als bei der deutschen Olympia-Mannschaft keine Medaillen- Ziele gebe. "Jeder Athlet soll sauber bleiben und sich im Bereich seiner persönlichen Bestleistung bewegen. Was dann an Platzierungen und Medaillen dabei herauskommt, wird sich schon ergeben", sagt er.

Das bedeutet aber nicht, dass die deutsche Mannschaft ohne jeden sportlichen Ehrgeiz nach Brasilien fliegt. "Wir wollen unseren Platz unter den führenden paralympischen Nationen festigen", meint Beucher. "Wir haben selten zuvor so viele Welt- und Europameistertitel geholt wie in den letzten Jahren, und das quer durch alle Sportarten. Das ist kein Garant für das Treppchen. Aber eine gute Voraussetzung."

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die Leichtathletin Vanessa Low. 2012 wurde die beidseitig oberschenkelamputierte Sportlerin in London noch Sechste im Weitsprung und Vierte über 100 Meter. In den vergangenen vier Jahren verbesserte die 26-Jährige dann gleich mehrfach den Weitsprung-Weltrekord in ihrer Klasse und ist mittlerweile Europameisterin in ihren beiden Disziplinen. "In Rio wird es entspannter für mich, weil ich jetzt weiß, wie es bei Paralympics abläuft", sagt sie. "Ich bin mental besser vorbereitet und hoffe deshalb, dass ich mit einer Medaille nach Hause komme."

Die organisatorischen Probleme sind also ein Thema bei den Athleten, aber nichts, was ihnen die Konzentration und Vorfreude nimmt. "Wir haben einen Teil unserer Vorbereitung in Ankara absolviert", erzählt der Tischtennis-Bundestrainer Volker Ziegler. "Das war fünf Tage nach dem Anschlag auf den Istanbuler Flughafen und fünf Tage vor dem Putschversuch in der Türkei. Wir sind Improvisation gewohnt."

dpa

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