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Reizfigur Wagner und seine Rückkehr ans Böllenfalltor

Fußball Reizfigur Wagner und seine Rückkehr ans Böllenfalltor

Vor einem guten Jahr wollte man ihn in Berlin nicht mehr haben. Für Darmstadt spielte er dann die Saison seines Lebens. Anschließend zog er nach Hoffenheim weiter. Am Dienstag ist Sandro Wagner mit seinem neuen Team erstmals am Böllenfalltor zu Gast.

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Sandro Wagner kann die Emotionen hochkochen lassen.

Quelle: Torsten Silz

Darmstadt. Wenn Sandro Wagner gegen einen seiner Ex-Vereine antritt, kochen die Emotionen bisweilen hoch.

Als er mit dem SV Darmstadt 98 am 33. Spieltag der vergangenen Saison bei Hertha BSC spielte, schoss er erst den 2:1-Siegtreffer, der den "Lilien" den Klassenerhalt bescherte. Kurz darauf flog er mit Gelb-Rot vom Platz. Und weil er auch danach weiter den Berliner Anhang provozierte, wollten ihm einige Fans gar an den Kragen. Am Dienstag (20.00 Uhr) kehrt der 28-Jährige nun mit seinem neuen Verein 1899 Hoffenheim erstmals an seine alte Wirkungsstätte in Darmstadt zurück.

Wagner hat zwar ein leicht lädiertes Sprunggelenk, will sich das Wiedersehen mit seinem früheren Club aber nicht nehmen lassen. "Es besteht keine Gefahr, dass etwas Schlimmeres passiert, aber er hat Schmerzen", sagte Trainer Julian Nagelsmann am Montag.

Vor der Partie am Böllenfalltor gibt sich Wagner versöhnlich: "Ich freue mich auf das Spiel", sagt der Angreifer der Deutschen Presse-Agentur. "Ich hatte dort tolle Mitspieler, fußballerisch wie menschlich, und die Fans in Darmstadt sind großartig." Wie ihn jedoch die "Lilien"-Anhänger empfangen werden, ist eine spannende Frage. Denn zwar weiß man in Darmstadt um seine Verdienste. Doch Wagner ist ein Typ, der polarisiert und mit seinem Auftreten und manchmal auch Äußerungen schnell negative Reaktionen auslöst. So trat er vergangene Spielzeit eine Debatte los, als er in einem Interview meinte, Bundesliga-Profis würden "angemessen oder teilweise eher zu wenig" verdienen.

Lange stand Wagners aufreizendes, bisweilen arrogant wirkendes Gebaren auf dem Platz nicht im Einklang mit seinen Leistungen - trotz eines verheißungsvollen Karrierestarts. Der 1,94 Meter große Angreifer stammt aus der Jugend des FC Bayern München, debütierte mit 19 unter Ottmar Hitzfeld bei den Profis. Mit heutigen Topstars wie Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Mats Hummels oder Mesut Özil wurde er 2009 U21-Europameister.

Doch während sich diese Mannschaftskollegen fünf Jahre später als Weltmeister feiern ließen, verlief Wagners Karriere durchwachsen. Der Tiefpunkt im Sommer 2015: Bei Hertha BSC wurde er aussortiert. Als das Angebot aus Darmstadt kam, wurde man sich schnell einig - ein Glücksgriff für beide Seiten. 

Wagner spielte in Darmstadt die Saison seines Lebens. Mit 14 Ligatoren war er nach Thomas Müller erfolgreichster deutscher Angreifer in der Bundesliga und schoss den krassen Außenseiter zum Klassenerhalt. "Es war für mich ein sehr gutes Jahr. In Darmstadt wird unheimlich hart gearbeitet, alle sind sehr fleißig und haben eine überragende Mentalität", sagt Wagner und fügt an: "Ich habe viel mitnehmen können."

Schon kurz vor Saisonende war klar, dass der gebürtige Münchner Darmstadt nach nur einem Jahr wieder verlassen wird. Von Angeboten aus England war die Rede, wo ein Spielertyp wie Wagner gut passen würde. Sogar der Name FC Bayern wurde gehandelt. Schließlich wurde es dann doch "nur" Hoffenheim. Im Kraichgau hat sich Wagner bislang gut akklimatisiert, traf einmal im Pokal und einmal in der Liga.

Auch wenn Darmstadt zuletzt mit 0:6 in Dortmund unterging, ist Wagner weit davon entfernt, seine Ex-Kollegen abzuschreiben: "Die Jungs kommen extrem über ihre Mentalität, und ich traue der Mannschaft auch dieses Jahr zu, dass sie damit die Klasse halten kann", sagt er. "Trotzdem will ich dort am Dienstag gewinnen und bin auch sicher, dass wir das schaffen werden."

dpa

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