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14 aus 21: Zittern um Olympia

Handball-Nationalmannschaft 14 aus 21: Zittern um Olympia

21 - 7 = 14: Diese Formel bereitet Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson schlaflose Nächte. Nur 14 Spieler und einen Ersatzmann darf der Isländer aus seinem 21-Mann-Kader für Olympia nominieren. Das Casting geht beim Testspiel am Mittwoch in die letzte Runde. Fünf Zebras wollen das Ticket für Rio lösen.

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Sind das im roten Kreis die sieben „Streichkandidaten“ im 21er-Kader der deutschen Handball-Nationalmannschaft, von denen nur einer als Ersatzmann mit nach Rio reisen wird? Vorne von links: Teamkoordinator Volker Schurr, Paul Drux, Tim Kneule, Tobias Reichmann, Patrick Groetzki, Steffen Fäth, Rune Dahmke, Uwe Gensheimer, Martin Strobel, Kai Häfner; Mitte von links: Physiotherapeut Peter Gräschus, Fabian Wiede, Jannik Kohlbacher, Silvio Heinevetter, Carsten Lichtlein, Andreas Wolff, Steffen Weinh

Quelle: dpa

Stuttgart. Stuttgart. 21 - 7 = 14. Diese Formel wird Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson derzeit schlaflose Nächte bereiten. Auf diese Formel läuft es hinaus. Mit 21 Spielern ist der Isländer am vergangenen Sonnabend in die nächste Phase der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio gegangen. Nur 14 Akteure (und einen Ersatzmann) darf Sigurdsson am Donnerstag nach dem abschließenden Testspiel gegen Tunesien (heute, 18.35 Uhr/ZDF) für den endgültigen Kader nominieren. Einen Europameister-Bonus gibt es nicht. Härtefälle sind programmiert.

„Das Zittern geht weiter“, sagt Patrick Wiencek. Der 27-jährige Abwehrchef gilt im Personalpuzzle von Dagur Sigurdsson als gesetzt. Aber kann er sich wirklich sicher sein? „Mit uns wurde noch gar nicht gesprochen“, sagt der THW-Kreisläufer am Dienstag in Stuttgart. Es ist Mittag, Müdigkeit schwingt mit. „Die Tage sind anstrengend. Wir trainieren zweimal am Tag, alle geben Vollgas.“

Nicht alles hängt am Tunesien-Spiel

Vollgas geben für den Traum von Rio einerseits. Verdrängung als oberstes Prinzip andererseits. Den Druck von sich schieben. Druck, sich in diesem Casting, von dem seit Februar die Rede ist, gegen Tunesien noch einmal auf großer Bühne zu beweisen, das Ticket an die Copacabana lösen zu wollen. „Es wird nicht alles am Tunesien-Spiel hängen“, sagt Wiencek. Eine Einschätzung, die Steffen Weinhold teilt. Der Kieler Rückraum-Linkshänder war als Kapitän eine der prägenden Figuren des EM-Märchens. Nach überstandenem Handbruch sei der Charakterkopf, der am kommenden Dienstag seinen 30. Geburtstag feiert, wieder „gesund und bei 100 Prozent“, habe die Akkus im Urlaub auf Sardinien einigermaßen aufladen können. „Olympia war dabei natürlich immer im Kopf.“ Signale vom Bundestrainer? „Nö“, entgegnet Weinhold. Auch er gilt als gesetzt in Sigurdssons Planungen. „Ich mache einfach mein Ding.“

Sein-Ding-Machen, eine Disziplin, die auch Christian Dissinger par excellence beherrscht. Er wisse nicht, sagt der 24-jährige Rückraum-Linke der Zebras, ob die anderen zittern. „Ich jedenfalls zittere nicht.“ Arroganz und vermeintliche Gewissheit, in Rio dabei zu sein, spielen hier indes keine Rolle. Dissinger, der einen am Saisonende erlittenen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich auskuriert hat, nehme die Entscheidung eben so, wie sie kommt. „Der Bundestrainer lässt sich nicht in die Karten blicken. Das Tunesien-Spiel wird nicht entscheidend sein. Dagurs Kader steht sicher schon fest.“ Dagurs Kader für die Operation Gold ab dem 7. August. „Wir haben das Potenzial, alles zu gewinnen, was uns im Weg steht“, sagt Neu-Zebra Andreas Wolff. Aber wer ist „Wir“? Wolff wird aller Voraussicht nach zwischen den Pfosten stehen. Aber wer noch? Silvio Heinevetter (Füchse Berlin) machte zuletzt mit starken Leistungen auf sich aufmerksam, könnte den 35-jährigen Europameister-„Oldie“ Carsten Lichtlein vom VfL Gummersbach („Ich habe ja schon diverse Olympia-Nominierungen mitgemacht, irgendwann will man da auch hin“) verdrängen.

Kaum Platz für zweite Außen

Vieles im Rückraum wird davon abhängen, ob Steffen Fäth (Füchse Berlin, Mittelhandbruch) rechtzeitig fit wird. Kaum ein Platz scheint für „Zweitbesetzungen“ auf den Außenpositionen zu sein. Entscheidet sich der deutsche Chefcoach für Kapitän Uwe Gensheimer (Paris, links) und Tobias Reichmann (Kielce, rechts), könnte das Patrick Groetzki (Löwen) und den Kieler Rune Dahmke in ein Tal der Tränen stürzen. „Jeder versucht dem Trainer zu zeigen, dass er unverzichtbar ist“, sagt Kreisläufer Hendrik Pekeler (Löwen) vor der wegweisenden Partie heute gegen den achtmaligen Afrika-Champion in Stuttgart. Er ist einer der 16 Europameister, die unter den 21 Spielern um die 15 freien Plätze (14 + ein Reservist) kämpfen. „Jeder ist sich im Klaren darüber, dass das Schicksal Einzelner nicht so wichtig ist wie der Erfolg der Mannschaft“, sagt Patrick Groetzki.

Die unmittelbare Olympia-Vorbereitung wird die deutsche Mannschaft vom 19. bis 29. Juli in Stuttgart und Hannover absolvieren. Bei einem Turnier in Straßburg (22. bis 24. Juli) mit Olympiasieger Frankreich, Dänemark und Afrikameister Ägypten holt sich das Team den letzten Feinschliff, bevor der Flieger am 1. August nach Rio de Janeiro abhebt. „Ich versuche, diejenigen zu nominieren, von denen ich glaube, dass sie uns im nächsten Spiel weiterhelfen“, so Sigurdsson. „Ich werde nicht zurückschauen, was früher war.“ Kiels Keeper Andreas Wolff gibt sich gelassen: „Wenn die beiden anderen Torhüter besser sind, ist das dann wohl das Beste für Deutschland.“

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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