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104. Nordderby wird zum Abstiegskrimi

HSV - Werder Bremen 104. Nordderby wird zum Abstiegskrimi

Im hochemotionalen Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen geht es um das Überleben in der Bundesliga. Nach zwei Pleiten steht der HSV nur noch mit drei Punkten vor dem Erzrivalen. In der langen Historie der Derbys gibt es aber auch einige, die im Gedächtnis haften bleiben.

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Der Hamburger SV und der SV Werder Bremen treffen im Nordderby in der Imtech Arena in Hamburg aufeinander.

Quelle: Marcus Brandt/dpa (Archiv)

Hamburg. Das 104. Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen wird am Freitag zum Abstiegskrimi. Mit einem Sieg kann der HSV den Verbleib in der Fußball-Bundesliga vorzeitig so gut wie sicherstellen. Allerdings haben die Hamburger in dieser Saison schon sieben Heim-Niederlagen kassiert — die meisten davon gegen Konkurrenten im Abstiegskampf. Sollten nun auch die auf dem drittletzten Tabellenrang stehenden Bremer in der Hansestadt gewinnen, würden sie nach Punkten zum HSV aufschließen.

Muss der HSV in die Relegation? Der Hamburger SV würde dann erneut tief im Abstiegskampf stecken und Gefahr laufen, zum dritten Mal nacheinander in die Relegation zu müssen. Das wollen HSV-Coach Bruno Labbadia & Co. in dem Heimspiel (20.30 Uhr) aber unbedingt verhindern. „Wir haben es selbst in der Hand“, sagte Labbadia. Ihn plagen allerdings Personalsorgen in der Offensive, zudem ist Schlussmann René Adler gesperrt.

Hunt ist der HSV-Hoffnungsträger: Der langjährige Bremer Aaron Hunt kehrt zurück. „Er hat immer wieder gezeigt, warum wir ihn geholt haben“, meinte Labbadia über den Spielmacher. Trotz der vielen Ausfallzeiten wegen Verletzungen könne der Taktgeber im Derby ein entscheidender Mann werden. Nach zuletzt zwei Niederlagen will der HSV unbedingt den fünften Heimsieg in dem mit 57 000 Zuschauern ausverkauften Volksparkstadion.

Bremen mit Reisestrapazen: Werder-Trainer Viktor Skripnik muss nach der couragierten Leistung beim Pokal-Aus beim FC Bayern München (0:2) keine großen Änderungen vornehmen. Wegen der Reisestrapazen und nur 70 Stunden Pause dürfen seine Profis vor dem Duell aber im eigenen Bett schlafen. Das Hinspiel verloren die Bremer im Weserstadion mit 1:3.

DIE NORDDERBY-AUFREGER

Mal war's rustikal, mal giftig, mal tragisch, mal komisch. Nun ist es existenziell. Denn Werder Bremen steht auf dem Relegationsrang, der HSV liegt nur drei Punkte davor auf Platz zwölf. Verlieren die Hamburger, sind sie wieder mittendrin im Abstiegskampf. In der langen Historie der Derbys gibt es einige, die im Gedächtnis haften bleiben.

Drei auf einen Streich: 2009 war Werder ein einziger Alptraum für den HSV. Binnen 19 Tagen kassierten die Hamburger in vier Spielen gegen Bremen Niederlagen in drei Wettbewerben. Werder verbaute den ungeliebten Hamburgern im Halbfinale des UEFA-Cups den Finaleinzug. Werder warf den HSV aus dem DFB-Pokal. Und Werder verhinderte, dass die Hamburger sich in der Meisterschaft einen Champions-League-Startplatz sichern konnten. „Dieses Trauma wird aus der Geschichte des HSV nicht mehr zu tilgen sein“, jammerte damals Club-Chef Bernd Hoffmann. „Wir haben den Hamburgern alles versaut, was man ihnen versauen kann“, frohlockte der damalige Werder-Kapitän Torsten Frings.

DFB-Pokal Halbfinale: Hamburger SV - SV Werder Bremen am 22.04.2009 in der HSH Nordbank Arena in Hamburg. Bremens Spieler jubeln nach Spielende. Der HSV verliert im Elfmeterschießen mit 1:3.

Quelle: Marcus Brandt/dpa

Papierkugel: Im UEFA-Cup-Halbfinale 2009 sorgte eine Papierkugel für die Entscheidung. Eine von einem Hamburger Fan geworfene Pappkugel lenkte an der Außenlinie den Ball zur Ecke ab. Prompt folgte das dritte Bremer Tor (Endstand 2:3). Noch heute schwören die HSV-Fans: „Die Kugel war abseits.“ Der HSV verpasste den Einzug ins UEFA-Cup-Finale. Dort verlor Werder gegen Schachtor Donezk.

Die Kombo zeigt die Spielszene im UEFA-Cup-Halbfinale zwischen dem HSV und Werder Bremen, in der der von dem Hamburger Spieler Michael Gravgaard gespielte Ball durch eine auf dem Spielfeld kurz vor der Grundlinie liegenden Papierkugel verspringt und ins Toraus fliegt.

Quelle: Sat.1/dpa

Kung Fu: Werder-Torhüter Tim Wiese wurde 2008 durch einen brutalen Kung-Fu-Tritt gegen HSV-Angreifer Ivica Olic zur Hassfigur der HSV-Fans. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelte. Das Verfahren wurde eingestellt. Vor den Derbys zündelte der Keeper: „Wir müssen dem HSV auf den Sack geben.“

Der Bremer Torwart Tim Wiese (oben) trifft der Hamburger Ivica Olic (r) mit seinem Fuß im Gesicht (Archivfoto vom 07.05.2008).

Quelle: Marcus Brandt/dpa

Karriere-Aus: Einen dramatischen Moment erlebte HSV-Verteidiger Ditmar Jakobs 1989. Bei einem Rettungsversuch rutschte der Nationalspieler ins eigene Tor und bohrte sich einen Karabinerhaken der Netzverankerung in den Rücken. Es dauerte 20 Minuten, bis er befreit wurde. Wegen der schweren Verletzung musste Jakobs seinen Karriere beenden.

HSV-Abwehrspieler Ditmar Jakobs (verdeckt, unten) liegt im Torgehäuse und Helfer und HSV-Trainer Willi Reimann (l) versuchen ihn zu befreien. Jakobs stürzte in die Netzbefestigung, wobei sich ein etwa fünf Zentimeter großer im Rasen angebrachter Karabinerhaken öffnet, sich in seinen Rücken bohrt und wieder verschliesst.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Klatsche: 6:0 fertigte Werder Bremen den HSV 2004 ab. Es war das Jahr, als Werder letztmals deutscher Meister wurde. Die Klatsche war die höchste für den HSV in der Geschichte des Nordderbys. Damals erzielte der heutige Werder-Trainer Viktor Skripnik ein Tor per Elfmeter. Der höchste HSV-Sieg steht bei 5:0 (1980).

Tiefpunkt: Der Tiefpunkt in der Nordderby-Historie wurde 1982 erreicht. Damals starb der 16 Jahre alte Bremer Anhänger Adrian Maleika nach einem Überfall durch HSV-Hooligans.

Fremde Federn: Für die Bremer Mannschaft war es eine Demütigung ersten Ranges. Weil ihre Trikots nicht von denen der Hamburger zu unterscheiden waren, mussten sie im November 1971 beim Erzrivalen deren Ersatz-Leibchen mit der Raute auf der Brust anziehen. Der HSV gewann mit 2:1.

Am 27. November 1971 besiegt in der Fußball-Bundesliga der Hamburger SV den SV Werder Bremen mit 2:1. Der Bremer Torwart Günter Bernard wehrt einen Schuss ab. Die Bremer mussten in der 2. Halbzeit mit Ausweichtrikots des HSV spielen - Schiedsrichter Eschweiler bestand zur Pause darauf, dass die Bremer auf Grund der Ähnlichkeit der Trikots diese wechseln. Da diese keine dabei hatten mussten sie sich mit Hamburger Trikots begnügen.

Quelle: Lothar Heidtmann/dpa
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