18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Ein Zeichen für Olympia 2024 in Kiel

20. Cyclassics Ein Zeichen für Olympia 2024 in Kiel

Die 20. Cyclassics sorgten für Aufsehen: Mit dem ersten Start in Kiel von der „Stena“-Fähre setzte die Radsport-Szene ein verbindendes Zeichen der Bewerberstädte für Olympia 2024.

Voriger Artikel
Norderstedt verliert Tabellenführung
Nächster Artikel
Die Boje wurde ihr zum Verhängnis

Das kann nur Kiel: Mit Schwung starteten die Radprofis am Sonntagmorgen über die Rampe der „Stena Scandinavica“ in die 20. Cyclassics.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Kurz nach neun Uhr schalten die schleswig-holsteinischen Radsport-Fans einen Gang höher, ihr Raunen schwillt an: Teambusse und Versorgungsfahrzeuge biegen auf den Schwedenkai ein, sogleich wuseln hunderte Frühaufsteher dazwischen. Kameras gezückt, spekulieren und fachsimpeln sie über Schaltungen, Sattel und Gewicht der Räder. Dabei starten die 20. Cyclassics erst in zwei Stunden an diesem ungewöhnlichen Ort.

 Kiel hat nicht nur erstmals den Start des Radrennens im Zeichen der gemeinsamen Olympia-Bewerbung von Hamburg ausgeliehen, sondern zeigt sich auch familiär und lässt die Profis von einem seiner Markenzeichen ins Rennen gehen. Die Rampe der Göteborg-Fähre „Stena Scandinavica“ stellt die ersten Meter der 227,3 Kilometer, welche die über 160 Sportler absolvieren sollen. So richtig sportlich geht es hier noch gar nicht zu. Sechs Kilometer sind zunächst wertungsfrei, erst an der Kieler Edisonstraße erfolgt der „rollende Start“.

 Luft also für die Radsportfamilie, sich selbst zu feiern. Viele Profis vergessen beim Einschreiben auf der Bühne am Kai, dass sie in Kiel statt Hamburg sind. Rasch vergeben. André Greipel, Marcel Kittel, Tony Martin: „Die ganzen Deutschen sind alle total kooperativ“, sagt die Eutinerin Beate Zetzsche Braatz und grinst breit. Mit Tochter Ina ruft sie hinter dem Zaun die Stars für Autogramme herbei und wird nicht enttäuscht. „Wir haben Erfahrung“, fügt Vater Volker Zetzsche hinzu, „wir sind bei jeder Ausgabe der Cyclassics dabei.“ Ein Geschenk für die Ostholsteiner, den Start nun so nah an zu Hause erleben zu können.

 Im Besucherzelt lächelt auch Wirtschaftsminister Reinhard Meyer. „Das ist ein super Event, um Zeichen zu setzen für Hamburg, Kiel und Olympia 2024“, so der SPD-Politiker, „denn es ist eigentlich das bestbesetzte Rennen in Deutschland.“ Er will seinen Teil zuschießen: „Ich hoffe, dass beim Startschuss alles klappt“, sagt Meyer, respektvoll ob seiner Verantwortung für den Rennstart. Dann fahre er Richtung Hamburg, so der Minister, „ich wohne nur drei Kilometer von der Strecke.“

 Der Schwedenkai hat sich um kurz nach zehn Uhr mit mehr als 1000 Fans gefüllt. Die Stimmung steigt dank bestem Radfahrwetter: „Wir wurden glücklicherweise von der Sonne geweckt“, sagt der Gewinner der Deutschland-Tour 2008, Linus Gerdemann. Zur Vorstellung von André Greipels Team Lotto Soudal lassen die Fans Fanfaren ertönen. Auf der Bühne betonen die Profis Zusammenhalt: „Im Fußball schießt auch nicht jeder ein Tor“, sagt Marcel Sieberg, Helfer und Zimmergenosse Greipels. „Schön, wenn man seinen besten Freund immer dabei hat“, bestätigt dieser.

 Dann werden einige Profis zu Geisterfahrern. Gemächlich rollen sie – unter Gelächter des Publikums – von der Fähre weg, während der Großteil der Radsportler den Weg in den Rumpf der Fähre sofort findet. Dass sie aus dem Bauch der „Stena“ starten, war ihnen wohl unklar.

Vor dem Rumpf treffen sich währenddessen Minister Reinhard Meyer und Kiels Olympia-Botschafter Uwe Brandenburg, Physiotherapeut der THW-Handballer. Im Zielort Hamburg will er am Nachmittag ein klares Bekenntnis für Olympia 2024 in beiden Städten abgeben. Die Cyclassics seien aber eigentlich Bestätigung genug, sagt er später. „Wir haben in Deutschland das beste Sportpublikum überhaupt.“

 Begeistert fiebert auch Bernd Lange, Leiter des Sportforums der Uni Kiel, dem Start im Besucherzelt entgegen – weil er sich nach einem positiven Bürgerentscheid noch viel mehr solcher Sportveranstaltungen wünscht, um alle Partner der Olympia-Bewerbung zu verbinden. „Es geht ja nicht nur um Kiel, sondern um ganz Schleswig-Holstein“, öffnet er die Perspektiven: Was ist da passender als ein Rennen quer durch das Land?

 Doch zunächst einmal müssen die Profis überhaupt das Land erreichen. Als Minister Meyer um elf Uhr den Startschuss abgibt, geht alles glatt. Die Profis beschleunigen am Politiker, dem Besucherzelt und rund 1500 jubelnden Zuschauern vorbei. Und als Ansporn ertönt das Schiffshorn der „Stena Scandinavica“.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeige
Mehr zum Artikel
Start von der Stena Line
Foto:  Der Norweger Alexander Kristoff (l./2. Platz), der deutsche Andre Greipel und der Italiener Giacomo Nizzolo (3. Platz) jubeln auf dem Podium.

André Greipel hat die 20. Auflage der Vattenfall Cyclassics in Hamburg gewonnen. Der 33 Jahre alte Radprofi aus Rostock verwies Vorjahressieger Alexander Kristoff auf Platz zwei. Die Cyclassics, die zum ersten Mal in Kiel gestartet wurden, sind das einzige deutsche WorldTour-Rennen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Aktuelle Sport News 2/3