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Diese WM machte die Segler krank

49er in Argentinien Diese WM machte die Segler krank

Aus sportlicher Sicht war die Weltmeisterschaft der 49er und 49erFX in Argentinien ein Erfolg, die deutschen Männer sicherten das Olympia-Nationenticket. Doch die Wettbewerbe haben einen faden Beigeschmack. Denn das Wasser im Mündungsgebiet des Rio de la Plata ist schmutzig und macht krank.

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Die Zwillinge Lotta (li.) und Jule Görge segelten bei der WM in Argentinien stark. Eine Woche zuvor litt Jule noch unter einem vom schmutzigen Wasser ausgelösten Magen-Darm-Infekt, die Kielerinnen konnten die südamerikanische Meisterschaft nicht mitsegeln.

Quelle: Uwe Paesler

Buenos Aires. Erinnerungen an die olympischen Testregatten vor Rio de Janeiro werden wach: „Die Situation mit dem Wasser war grenzwertig. Es waren mindestens 50 Prozent der Flotte krank, viele sehr doll. Alle hatten mindestens eine Magenverstimmung“, sagt Lotta Görge. Ihre Zwillingsschwester Jule erwischte es bereits vor Start der WM, als die beiden von der Stiftung Kieler Sporthilfe geförderten Seglerinnen an der südamerikanischen Meisterschaft teilnehmen wollten. Die 22-Jährige lag mit einem Magen-Darm-Infekt flach, an Segeln war nicht zu denken. So erklärt sich der von unserer Zeitung berichtete vorletzte Platz, der also keineswegs auf Schwierigkeiten mit dem Revier vor Buenos Aires zurückzuführen ist. Denn als Jule sich mithilfe von Elektrolyten und Hühnerbrühe wieder erholt hatte, segelten die Zwillinge bei der WM stark und lagen nach sechs Wettfahrten als zweitbestes deutsches Team auf Rang sechs. Zwar verloren sie bis zum Ende der WM noch einige Plätze, das Ergebnis stellte sie dennoch zufrieden. „Es hat uns gezeigt, dass wir uns wirklich in die richtige Richtung entwickeln“, sagte Lotta Görge.

Fairplay-Angebote wegen der Krankheit

Das mit Krankheitserregern verseuchte Wasser wirkte sich bei allen Teams auf die Regatta aus. Alle deutschen Teilnehmer waren betroffen, die Kieler Max Boehme und Justus Schmidt schafften den Sprung in die Goldflotte nicht, weil Boehme am Abend vor der ersten WM-Wettfahrt erkrankte und nur geschwächt an den Start gehen konnte. Am Ende stand für die Europameister ein 54. Platz, nachdem sie bei den Wettfahrten der Silberflotte nicht mehr an den Start gegangen waren. „Da stand die Genesung im Vordergrund“, sagte Boehme. Steuermann Schmidt war schon während der südamerikanischen Meisterschaft krank geworden. Das machte den beiden nicht nur für die WM einen Strich durch die Rechnung – durch das frühe Aus konnten sie nicht mehr in den internen Konkurrenzkampf gegen Erik Heil und Thomas Plößel eingreifen, die sich besser platzierten und nun im Rennen um den Olympiastartplatz die Nase vorn haben. Plößel selbst litt die letzten Wettkampftage unter einer Magen-Darm-Erkrankung, Schmidt/Boehme boten an, seinen Platz einzunehmen, um auf jeden Fall das Nationenticket für Olympia zu sichern. „Das war dann nicht nötig, aber allein dem Angebot gebührt ein Fairplay-Preis“, sagte Heil. „Die beiden sind konstant gut gesegelt“, lobte Boehme die Leistung der Kollegen.

Weltverband hatte nicht vorgewarnt

Leise Vorwürfe erheben die Segler gegen den Weltverband. Denn der hatte die Teilnehmer nicht über die gesundheitlichen Gefahren des Reviers aufgeklärt, die ähnlich wie in Brasilien vor allem nach Regenfällen durch die Abwasser- und Abfallbelastung entstehen. „In Rio hatten wir ein Medikament, das wir jeden Tag genommen haben. Das hat uns vor Magen-Darm-Erkrankungen geschützt“, sagt Lotta Görge mit Blick auf die olympischen Testregatten in Brasilien, bei denen die Risiken bekannt waren. „Das Hauptproblem in Argentinien war, dass alle geglaubt haben, das Wasser sei in Ordnung und nur so braun, weil es ein Flussdelta ist“, so Görge. „Daher hat sich niemand ausreichend geschützt.“ Erst nach den ersten Krankheitsfällen kamen Diskussionen über die Wasserqualität auf, und die Segler versuchten selbst, Maßnahmen zu ergreifen – meist vergebens. „Wir haben uns nach jeder Wettfahrt mit Trinkwasser das Gesicht gewaschen“, berichtet Görge. „Mund geschlossen halten, Schoten nicht in den Mund nehmen, Klamotten nach dem Segeln ausspülen“, beschreibt Boehme den Maßnahmenkatalog. Doch vielen half das nicht, sogar die brasilianischen Segler, die an das Wasser vor Rio gewöhnt sind, wurden krank. „Buenos Aires war schlimmer als Rio“, sagt Boehme.

„Ich frage mich, warum in der letzten Zeit immer häufiger in Revieren gesegelt wird, wo Zustände vorherrschen, die uns gesundheitlich schaden“, sagt Görge. „Warum werden Weltmeisterschaften oder andere große Wettbewerbe an solchen Orten gesegelt?“, fragt auch Boehme. „Wenn das Wasser so ist, geht das einfach nicht.“ Die Segler sind sich einig: Wenn Regatten dadurch entschieden werden, wer krank wird und wer Glück hat, muss sich etwas ändern. „Es nervt, dass Ergebnisse so beeinflusst werden“, sagt Boehme. Denn das Hauptaugenmerk verschiebt sich – weg vom Sport. „Es ist nicht mehr einfach nur noch Segeln“, erklärt Görge. „Wir müssen uns immer und überall schützen. Wenn wir vom Wasser kommen, müssen wir uns komplett abspülen und sicherstellen, dass wir uns nichts holen. Das fährt mit, bei jeder Welle.“

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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