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Interne Konkurrenz in ungewohntem Gewässer

49erFX Interne Konkurrenz in ungewohntem Gewässer

Die 49erFX-Seglerinnen haben ihr Nationenticket für die Olympischen Spiele 2016 bereits gesichert, die am Montag beginnende Weltmeisterschaft zählt auch für die interne Qualifikation nicht. Dennoch geht es für die deutschen Crews um einiges: Auf dem Weg nach Rio steht die Bundeskader-Förderung im Raum.

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Leonie Meyer und Elena Stoffers (li.) wollen bei der Weltmeisterschaft der 49erFX vor Buenos Aires ihren B-Kader-Status bestätigen.

Quelle: Uwe Paesler

Buenos Aires/Kiel. „Für uns geht es bei der WM primär darum, unseren B-Kader-Status zu bestätigen“, sagt Elena Stoffers. Um das zu erreichen, muss die Kielerin gemeinsam mit ihrer Steuerfrau Leonie Meyer unter die besten Zwölf fahren. Als Härtetest nahmen die deutschen Crews in der vergangenen Woche an der Südamerika-Meisterschaft teil – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Während die Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz auf Gesamtrang sieben weit nach vorn segelten, landeten Meyer/Stoffers auf Rang 25. Dennoch bleibt ihr Ziel bestehen. „Wir halten das für realistisch, besonders wenn kein Leichtwind vorherrscht“, erklärt Stoffers.

 Den Bedingungen vor Buenos Aires kommt eine große Bedeutung zu. „Es ist nicht einfach zu durchschauen, wir haben die letzten Tage viel für Revieranalysen benutzt“, sagt die Studentin. „Bisher war jeder Tag segelbar und vielseitig in den Windgeschwindigkeiten.“ Eine besondere Schwierigkeit liegt in der Lage im Mündungsgebiet des Rio de la Plata. „Wir segeln dadurch in Süßwasser, Strom und sandverfärbtem Wasser.“ Das ist für die deutschen Crews nicht nur ungewohnt – es erschwert das Windlesen erheblich. Zudem ist das Wasser sehr flach, „wir sind schon mehrmals aufgelaufen, auch innerhalb der Fahrrinne“, erzählt Stoffers.

Ein Problem ganz anderer Art hatten die Kieler Zwillinge Jule und Lotta Görge. Weil Jule mit einer Magen-Darm-Erkrankung im Bett lag, konnten die von der Stiftung Kieler Sporthilfe geförderten Schwestern an den Südamerika-Meisterschaften nicht teilnehmen. "Wir konnten nur am letzten Tag ansegeln", sagte Lotta Görge. Mittlerweile sei Jule auf dem Weg der Besserung, sodass die beiden wenigstens ein wenig Reviererfahrung sammeln konnten. Ein weiteres Tal in der Wellenbewegung ihrer Form. Nach Kieler-Woche-Platz drei verpassten sie bei der Europameisterschaft in Porto im Juli den Einzug in die Gold-Flotte, wurden am Ende 29. „Wir sind nach der EM in ein Loch gefallen und haben das Ganze in Frage gestellt. Aber dann haben wir nachgedacht, analysiert und viel trainiert“, beschreibt Lotta Görge die letzten Monate. Ein erster Erfolg: Silber bei der Junioren-WM in Flensburg.

 Der Weg der Zwillinge in Richtung Rio 2016 wird immer noch von Lottas Armverletzung überschattet. „Es wird noch ein halbes oder Dreivierteljahr dauern, bis er wieder belastbar ist“, sagt die Vorschoterin, die mittlerweile immerhin ohne Karbonschiene segeln kann. „Ich komme damit mehr und mehr klar, dann läuft es auch für den Kopf besser.“ Keine optimalen Voraussetzungen für den Kampf um die Kaderförderung und das Olympia-Ticket. Die Konkurrenz ist bei den 49erFX-Skiffs groß, vier deutsche Crews kämpfen Kopf an Kopf. Hinter Jurczok/Lorenz, Meyer/Stoffers sowie dem Duo Tina Lutz und Susann Beucke (Holzhausen/Strande) belegen die Görge-Schwestern momentan Platz vier in der internen Rangliste. „Wir geben nicht auf. Es kann so viel passieren, wir kämpfen bis zum Ende“, sagt Lotta Görge.

 Die für die deutsche Nationalmannschaft einzigartige Konkurrenzsituation sehen die Beteiligten gelassen. „Wir sind alle befreundet und wollen keinen Streit oder Zickenkrieg“, sagt Görge. Die Seglerinnen sehen die WM „nicht als Maß aller Dinge. Jedes Team hat seine Lieblingsbedingungen – Stärken und das Arbeiten an Schwächen zeigen sich bei den Ergebnissen häufig erst nach gewisser Zeit“, sagt Stoffers. „Wir wohnen hier in Buenos Aires alle gemeinsam in einem Haus und trainieren offen miteinander. Wir sind eine starke Truppe, von der jedes Team das Potenzial hat, das Sailing Team Germany erfolgreich zu vertreten.“

 Währenddessen gibt es wie bei den olympischen Testregatten vor Rio (wir berichteten) auch in Argentinien Kritik an der Wasserqualität. „Mehrere Segler aus verschiedenen Nationen sind schon krank gewesen, und das Meer soll einen starken Anteil daran haben“, sagt Stoffers. „Unsere Internetrecherche hat ergeben, dass Strände bereits wegen Bakterienbefalls geschlossen worden sind.“ Ob auch Jule Görges Krankheit vom Wasser verursacht wurde, ist unklar. "Es kann aber gut sein, weil wir ein paar Indikatoren dafür gefunden haben", so Lotta Görge.

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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49er in Argentinien
Foto: Die Zwillinge Lotta (li.) und Jule Görge segelten bei der WM in Argentinien stark. Eine Woche zuvor litt Jule noch unter einem vom schmutzigen Wasser ausgelösten Magen-Darm-Infekt, die Kielerinnen konnten die südamerikanische Meisterschaft nicht mitsegeln.

Aus sportlicher Sicht war die Weltmeisterschaft der 49er und 49erFX in Argentinien ein Erfolg, die deutschen Männer sicherten das Olympia-Nationenticket. Doch die Wettbewerbe haben einen faden Beigeschmack. Denn das Wasser im Mündungsgebiet des Rio de la Plata ist schmutzig und macht krank.

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