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Nach 60 Jahren noch einmal ins Boot

Deutsche Ruder-Meister Nach 60 Jahren noch einmal ins Boot

Dieses Treffen ist sicherlich einmalig in Deutschland: Der Deutsche Ruder-Meister im Leichtgewichts-Vierer ist nach 60 Jahren auf der Förde wieder vereint. Die Männer erinnern sich noch sehr gut.

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Es klappt noch immer: Die deutschen Meister von 1956 im Leichtgewichts-Vierer mit Steuermann machen im Boot noch immer eine gute Figur.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Vorsichtig greifen fünf Paar Hände nach den Skulls, behutsam stoßen sich Peter Pappenheim, Jens Paustian, Wilhelm Siehrt, Dieter Stephany und Siegfried Pohl vom Steg des Ersten Kieler Ruder-Clubs ab. Ein historischer Moment. Denn in genau dieser Besetzung holten sie vor genau 60 Jahren in Heilbronn den deutschen Meistertitel im Leichtgewichts-Vierer. Es war der erste für den Ruder-Club, sogar der erste für die Stadt Kiel.

„Die Erinnerungen an das Rennen sind noch ganz frisch“, sagt Jens Paustian. Damals, am 12. August, einem Sonntag, fand die Meisterschaft im baden-württembergischen Heilbronn statt. „Wir fuhren auf Bahn eins, hatten alle Gegner auf der rechten Seite“, erinnert sich der Schlagmann. „Vor dem Start ließ ich meinen Blick über sie schweifen und dachte: Das gewinnen wir heute.“ Das Gefühl trog ihn nicht. „Es war einfach unser Tag.“ Dabei galten die Kieler gar nicht als Favoriten auf den prestigeträchtigen Titel. „Favorisiert war das Boot der DDR“, so Paustian. Und Dieter Stephany fügt hinzu: „Es war ja eine gesamtdeutsche Meisterschaft in einem geteilten Deutschland. Über den Sport sollte die Überlegenheit des gesellschaftlichen Systems demonstriert werden.“ Auch die Kieler fassten den Wettbewerb als Politikum und Länderkampf auf. „Das war schon auch ein Antrieb“, so Paustian. Das Team um Steuermann Peter Pappenheim dominierte das Rennen von Beginn an, kam sogar mit mehr als einer Bootslänge Vorsprung ins Ziel. Und damit noch nicht genug: In Renngemeinschaft mit den Heibronnern siegten die Kieler außerdem im Leichtgewichts-Achter.

Einige Biere zu viel beim Feiern

Erfolge, die auch in der über 700 Kilometer entfernten Heimat hohe Wellen schlugen. In einem Zug mit Dampflok machten sich die Ruderer auf den Heimweg. „Aber wir waren damals ja junge Burschen von 20 Jahren, natürlich hatten wir in der Nacht gefeiert und ein paar Bier getrunken“, erzählt Paustian. „Einige von uns auch zu viele...“ Ein Seitenblick auf Wilhelm Siehrt, der zusammen mit Siegfried Pohl die Abfahrt des Zuges verpasste. „Aber in Kiel war ja ein Empfang organisiert.“ Den wollten auch Siehrt und Pohl nicht verpassen. Also ging es mit dem Flugzeug („Damals etwas ganz besonderes!“) bis nach Hamburg, wo sie in den Zug der Mannschaftskameraden stiegen. Gemeinsam erreichten die Ruderer den Bahnhof. „Dort gab es einen Riesenempfang, damit hatten wir gar nicht gerechnet“, sagt Paustian. „Alles war voller Menschen, eine Kapelle spielte ,Gruß an Kiel’ – so etwas hatte man noch nie erlebt.“

Auch beim 60-jährigen Jubiläum ihres Triumphs gab es eine Überraschung. Gut 20 Mitglieder des Ersten Kieler Ruder-Clubs waren gekommen, um die fünf noch einmal hochleben zu lassen. Dass alle fünf Aktiven nach 60 Jahren noch einmal gemeinsam ins Boot steigen – das gab es im deutschen Ruderverband noch nie. Etwas ist aber doch anders: „Damals sind wir mit Riemen gefahren, heute mit Skulls“, erklärt Siehrt. Doch auch das beidhändige Rudern klappt problemlos. Kein Wunder, steigen einige der Altmeister, die alle seit über 60 Jahren Mitglied im EKRC sind, noch immer regelmäßig ins Boot. „Es macht noch immer Spaß, ist ein gutes Gefühl“, so Paustian. Kann man also zum nächsten Jubiläum wieder mit einer Runde auf der Förde rechnen? „Darüber denken wir noch nicht nach.“

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