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Angekommen im zweiten Leben

Angelique Kerber Angekommen im zweiten Leben

In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends war ein Online-Spiel mega-hip, das mittlerweile fast in Vergessenheit geraten ist: „Second Life“, das virtuelle zweite Leben, in dem jeder ein anderer sein durfte, gern auch ein Superstar. Seit dem vergangenen Sonnabend bewegt sich auch Angelique Kerber im Second Life, allerdings mit einem nicht unwesentlichen Unterschied: Ihr zweites Leben ist echt.

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Glücklich, gelöst und redegewandt: Angelique Kerber während eines Interviews am Montag auf dem Flughafen Frankfurt/Main.

Quelle: dpa

Puszczykowo/Kiel. Als Deutschlands beste Tennisspielerin in Melbourne um 21.52 Uhr Ortszeit (11.52 MEZ) ihren ersten Matchball gegen die als unbezwingbar geltende Branchenführerin Serena Williams zum Triumph bei den Australian Open genutzt hatte, wusste die Welt, dass für die gebürtige Bremerin so gut wie nichts mehr so sein würde wie vor dem Finale. Diese Erkenntnis ist mittlerweile auch bei der Betroffenen angekommen. „Jetzt bin ich selbst ein Promi“, bekannte die 28-Jährige am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung. Und selbst über die Telefonleitung ins polnische Puszczykowo waren die Emotionen spürbar, die in ihrer Stimme mitschwangen: Stolz, Freude, Verwirrung, Offenheit, Herzlichkeit und auch ein wenig Demut.

Tennis-Akademie "Angie"

Puszczykowo, ihre zweite Heimat neben Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt, ist seit Montag, 12.45 Uhr, das kurze, aber notwendige Refugium, um wieder zu sich selbst zu kommen. In dem 10 000-Einwohner-Ort nahe Posen betreiben ihre Großeltern Maria und Janusz die Tennis-Akademie „Angie“. Dort trainiert die Namensgeberin zwischen den Turnieren, im Wohnhaus entspannt sie. Nach den verdienten Feierlichkeiten und der medialen Tour de Force in Melbourne fand der neue Stern am Tennis-Himmel erst im Flieger nach Frankfurt ein paar Stunden Schlaf.

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Mit Schampus feiert Angelique Kerber ihren Erfolg.

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Nach der Zwischenlandung ging’s weiter nach Posen, und spätestens dort fragte sich die neue Nummer zwei der Weltrangliste, welcher Wahnsinn der größere ist: der auf dem Handy oder der in Gestalt von Menschen, die buchstäblich hautnah an ihr dran sein wollen. „Politiker, Fußballer und andere wichtige Leute haben mir SMS geschickt. Viele Menschen erkennen mich jetzt, wollen Selfies mit mir machen, Pressefotografen fahren mir hinterher“, beschrieb Kerber die Szenerie von der Ankunft im Airport Posen. „Das alles ist neu für mich. Keine Ahnung, was da noch auf mich zukommt. Aber ich genieße diese Momente, diese Aufmerksamkeit, die ich mir erspielt habe.“

Muss sich nichts mehr beweisen

Trotz des ganzen Trubels blieb noch Zeit für ein Telefonat mit der zweiten Allzeit-Gigantin des Tennissports, Steffi Graf, mit 22 Grand-Slam-Turniersiegen noch einen Titel vor Serena Williams – dank Angie. „Steffi hat mir gesagt, dass sie unheimlich stolz auf mich ist. Die harte Arbeit habe sich eben jetzt ausgezahlt.“

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Auch bei der Ankunft in Posen war der Medienrummel groß.

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In der Ruhe von Puszczykowo, wohin sie ihre in Kronshagen lebende Mutter Beata begleitete, wagte Angelique Kerber schon einen ersten, perspektivischen Blick in die Zukunft. Nach den „unglaublichen zwei Wochen von Melbourne“ wolle sie das positive Gefühl jetzt mitnehmen und dort weitermachen , wo sie „down under“ aufgehört habe. Sie hat sich vorgenommen, mit weniger Erfolgsdruck Tennis zu spielen, denn „die gesteigerte Erwartungshaltung nehme ich nicht mit. Natürlich werde ich auch in Zukunft Matches verlieren, aber ich brauche mir selbst nichts mehr zu beweisen.“

Dieses Selbstbewusstsein eines Champions wird Barbara Rittner gern vernehmen. Die Bundestrainerin erwartet ihre Spitzenspielerin am Dienstagabend in Leipzig, wo das deutsche Fed-Cup-Team am Sonnabend und Sonntag gegen die Schweiz um den Einzug ins Halbfinale kämpft. Dort geht’s dann weiter mit der Euphorie um Angie, die es am Montagabend genoss, noch einmal „mit Freunden schön essen“ zu gehen – ein idyllischer Abstecher ins vergangene erste Leben.

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«KER-BOOM» - Der Sieg in Melbourne gleicht einem Tennis-Wunder.

Am Tag danach wollte Angelique Kerber nur noch eines: schlafen. Die neue deutsche Tennis-Queen hatte nach ihrem Melbourne-Triumph kein Auge zugemacht. Doch erst auf dem Heimflug sollte es ruhiger werden. Bis dahin sog sie alles in sich auf - und sprang noch in den Fluss.

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