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Der schwere Weg zum Superstar

Angelique Kerber Der schwere Weg zum Superstar

Wie hat Angelique Kerber in den vergangenen Tagen immer so schön gesagt: Ihre Profikarriere bestehe genau genommen aus zwei Teilen. Der erste begann 2003 und mündete nach acht Jahren in eine ausgeprägte Sinnkrise. Erst kürzlich wieder bezeichnete die 28-Jährige diese düsteren Monate im Jahr 2011 als „die härteste Zeit meines Lebens“.

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Alle wollen Angie: Am Tag nach ihrem Triumph in Melbourne präsentiert Angelique Kerber am 31. Januar 2015 der Welt den Daphne Akhurst Memorial Cup vor dem Government House, dem Amtssitz des Gouverneurs von Victoria. Der erste Grand-Slam-Titel macht die Kielerin zum Topstar des Weltsports.

Quelle: Frank Molter

Kiel. Die Kielerin erwog ernsthaft, alles an den Nagel zu hängen. Nur wenige Wochen später startete der zweite Abschnitt der Karriere. Nicht nur Kerber selbst als längst respektiertes Mitglied im Welttenniszirkus dürfte jetzt noch einmal drei Kreuze gemacht haben, damals am Ball geblieben zu sein.

Der 4. Juni 2011 ist ein für schleswig-holsteinische Verhältnisse ungewöhnlich heißer Sommertag. In den Gärten rauchen die Grills, an den Stränden tummeln sich die Familien. Zeitgleich steht auf der Anlage des TC RW Wahlstedt im Kreis Segeberg das wichtige Bundesliga-Heimspiel der ersten Damen-Mannschaft gegen den TC Vacono Rudolfzell an. Trainer der Wahlstedter Damen: Torben Beltz. Spitzenspielerin auf Seiten der favorisierten Gäste: sein Schützling Angelique Kerber. Während Beltz vor dem ersten Aufschlag seiner Mädels noch mit seiner Tochter Charlotte und dem Golden Retriever auf einer Wiese tobt, nimmt sich Angelique Kerber Zeit für ein Gespräch mit unserer Zeitung. Wir wollen der Krise der Kielerin auf den Grund gehen.

Nur die Kieler Nachrichten sind interessiert

Die Organisation des Treffens im Vorwege ist simpel, denn wir stellen die einzige Anfrage. Keine weiteren Fotografen, keine Kamerateams, keine Nachrichtenagenturen, kein Boulevardblatt – im Vergleich zum aktuellen Medien-Inferno ist das Interesse an der Schleswig-Holsteinerin mit polnischen Wurzeln übersichtlich. Die Rollen als Tennis-Superstars sind in Deutschland (noch) für Andrea Petkovic und Sabine Lisicki reserviert. Aber auch das sollte sich nur drei Monate später ändern.

Hätten wir es gekonnt, wir hätten Angelique Kerber an diesem Sonnabend von Wahlstedt, wo sie im Einzel ganz ihrem kämpferischen Naturell entsprechend einen Matchball abwehrt und später 13:11 gewinnt, eine rosige Zukunft vorhergesagt. Zum Beispiel, dass schon bei der kommenden US-Tour der endgültige Durchbruch gelingen werde und sie als Weltranglisten-92. erst in Dallas und dann sogar bei den US Open ins Halbfinale einziehen würde. Vermutlich aber hätte die Tennisspielerin dann umgehend den Security-Dienst gerufen – hätte es so etwas damals in Wahlstedt gegeben. Und das mit Recht.

Neuanfang war ein Schlüssel zum Erfolg

Wie lässt es sich erklären, dass es dann tatsächlich so gekommen ist? In den Medien wird Angelique Kerber wegen ihrer defensiven Stärken oft als „Entfesselungskünstlerin“ und „Fighterin“ bezeichnet. Das allein ist es aber nicht. Ein Schlüssel für den stillen Wandel zur Top-Ten-Spielerin liegt sicher in ihrer aktiven Entscheidung für einen Neuanfang. Sie wechselt Mitte 2011 in die Tennisakademie von Rainer Schüttler und Alexander Waske nach Offenbach und trainiert dort mit eisernem Willen vor allem an ihrer Fitness. Auch wenn sie noch lange brauchen wird, mental stabiler zu werden, ist ihr ein gesteigertes Selbstbewusstsein schnell anzumerken. Die ersten Siege geben ihr Recht. Als die Nummer 32 der Welt startet sie ins Jahr 2012, lässt bei den French Open (Viertelfinale) und endlich auch in Wimbledon (Halbfinale) aufhorchen. Außerdem gewinnt sie die WTA-Turniere in Paris und Kopenhagen. Kerber knackt im Mai 2012 erstmals das Top-Ten-Ranking, steht im Oktober sogar auf Platz fünf und ist plötzlich die beste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf. Mit der Teilnahme an ihren ersten Olympischen Spielen in London, wo sie das Viertelfinale erreicht, geht ein weiterer Traum in Erfüllung.

Nun beginnt der Triumphzug

Die vierte Saison in Folge in den Top Ten wird für Angelique Kerber 2015 mit vier Turniersiegen zum Triumphzug. Allein ihre Ausbeute bei den Grand Slams ist nicht zufriedenstellend. In Melbourne scheitert sie bereits in Runde eins. Außerdem versagen ihr beim WTA-Finale in Singapur im entscheidenden Match die Nerven. Ereignisse, die die Kielerin noch einmal haben umdenken lassen. Sie wolle das Mentale endlich in den Griff bekommen, sich in kniffligen Situationen innerlich das Stop-Schild setzen, und es 2016 endlich auch bei den Majors krachen lassen. 2011 wurde sie gefragt, was ihr lieber wäre – ein Major-Turnier zu gewinnen oder die Nummer eins zu werden. „Ich würde immer den Grand-Slam-Sieg nehmen“, antwortete sie damals. „Diesen Augenblick kann dir niemand nehmen. Das ist etwas ganz Besonderes. So stelle ich es mir zumindest vor.“ Jetzt weiß sie, wie es ist. Das zweite Mosaiksteinchen kann sie ja noch später dazupuzzeln.

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Angelique Kerber wird beim Fed-Cup gegen Timea Bacsinszky spielen. Foto: Hendrick Schmidt

Nach ihrem Australian-Open-Sieg freut sich Kerber über jede Minute, in der sie schlafen kann. Dennoch führt sie die deutschen Tennis-Damen gegen die Schweiz an. Mit der neuen deutschen Heldin soll der dritte Halbfinaleinzug nacheinander gelingen.

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