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Ihr Aufstieg in den Profisport

Angelique Kerber Ihr Aufstieg in den Profisport

Wenige Menschen besitzen die Gabe, mit verbundenen Augen unfallfrei und zeitnah ihr Ziel zu finden – wenn überhaupt. Für Angelique Kerber war diese Übung viele Jahre lang ein Leichtes. Ihr Ziel war der Tennisplatz und der Weg kurz: Wohnungstür aufschließen, Treppe runtersprinten, einmal scharf links abbiegen, einmal scharf rechts, durch die Glastür – tataaaa – da stand sie nun.

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Nachwuchsstar Angelique Kerber 2004 im KN-Interview. Da hat das Abenteuer Profisport gerade begonnen.

Quelle: Eisenkrätzer

Kiel. Schlafwandlerisch legte die heutige Grand-Slam-Turniersiegerin viele Jahre lang diese Distanz zurück und damit auch den Grundstein für ihre Profikarriere. Selbstverständlich tobte die kleine Angelique nicht mit verbundenen Augen durch das Tennis-Center Kiel an der Christian-Kruse-Straße. Aber sie hätte es tun können. Immerhin wohnte sie mit ihrer Familie direkt über der Gastronomie der Halle und kannte jeden Winkel des Gebäudes. Auf Werben von Verbandsvizepräsident Reinhold „Ali“ Landt hatte Vater Slawomir Kerber 1988 Bremen verlassen, um in Kiel als Coach bei der TG Düsternbrook anzuheuern. Tochter Angelique war damals drei Jahre alt. Und da sie oft mit ihrem Vater unterwegs war, war auch sie ständig mit Ball und Schläger im Einsatz. Zwar hat ihr Schwimmen auch immer gut gefallen. „Immerhin habe ich als Kind fast mehr Zeit unter als über dem Wasser verbracht“, sagt sie. Aber eine Wand zum Tennisspielen fand sich doch meist schneller und unkomplizierter.

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Die Tennis-Welt erobern

Im Grunde genommen konnte sich also Angelique Kerber der Faszination Tennis gar nicht entziehen. In der Halle von Inhaber Bruno Riecken, der das Tennis-Center im Kieler „Stinkviertel“ seit 38 Jahren betreibt, führte der Weg stets über die gelbe Filzkugel nach draußen. Mutter Beata kümmert sich noch heute um das Organisatorische des Betriebs, von wo aus der kleine blonde Wirbelwind namens Angelique nun in den nächsten zwei Jahrzehnten die Tennis-Welt erobern sollte. Mit links sozusagen. „Ich spiele Tennis mit links, bin aber Rechtshänderin“, erklärt sie. „Die Trainer standen ja gegenüber von mir. Da habe ich es einfach so gemacht wie sie.“

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Auch bei der Ankunft in Posen war der Medienrummel groß.

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Die mit viel Talent gesegnete Schleswig-Holsteinerin fällt als Zehnjährige erstmals Tennis-Verbandstrainer Herbert „Herby“ Horst auf. Er ging mit ihr zunächst auf die Jugendturniertour. Exemplarisch für Kerbers langen Anlauf bis zum großen Coup „down under“ steht die Anekdote, die Horst im Interview dieser Zeitung verriet. Als 14-Jährige sei Kerber bei einem Lehrgang des Deutschen Tennisbundes nicht für förderungswürdig befunden worden. Es mangelte der Kielerin an Athletik und Fitness – exakt an solchen Tugenden, die ihr jetzt in Melbourne im Finale der Australian Open gegen Serena Williams zum historischen Sieg verhalfen.

Die harte Zeit des Draufzahlens

Schon in ihrer Jugendzeit tummelt sich Angelique Kerber in den höheren Altersklassen und heimst viele Turniersiege ein. Im Alter von 15 und 16 Jahren schnappt sie sich gleich zweimal den deutschen Meistertitel der U18 und entscheidet sich nach ihrem Realschulabschluss 2003 für das Abenteuer Profikarriere. Sie beginnt mit einem Paukenschlag. Gleich in ihrem ersten WTA-Match in Berlin besiegt die 15-Jährige Kielerin die französische Weltranglisten-61. und spätere Wimbledon-Siegerin Marion Bartoli. Einen ersten Hinweis darauf, wie schnell im Sport Freud und Leid beieinander liegen, folgt aber gleich in der nächsten Runde: Gegen die Nummer 100 der Welt, Rossana De Los Ríos aus Paraquay, setzt es für Angelique Kerber eine bittere 1:6, 0:6-Abfuhr. Die nächsten Stationen in Kerbers Premierenjahr heißen: Vaduz, Lenzerheide, Garching, Porto und Opole. Bei den ITF-Turnieren springen nie mehr als zehn Weltranglistenpunkte heraus. Kerbers Preisgeld schwankt zwischen 133 und 700 Dollar. Es ist die harte Zeit des Draufzahlens für die Familie Kerber.

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Angelique Kerber gewann den ersten Satz mit 6:4.

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Anschließend ist Angelique Kerber weiter auf der international zweitklassigen ITF-Tour unterwegs. Dort gewinnt sie 2004 ihren ersten Event in Opole. Immer öfter taucht sie jetzt aber schon in der Qualifikation der WTA-Turniere auf. Und erstmals wird sie in dieser Zeit von ihrem heutigen Coach Torben Beltz betreut. Der Itzehoer, der damals im Zweitligateam des TC Alsterquelle steht, sieht Kerber für die Frauen-Regionalligamannschaft des TCA spielen. Es dauert bis 2006, als Angelique Kerber erstmals ein großes Ausrufezeichen setzt. Beim WTA-Turnier im belgischen Hasselt spielt sie sich aus der Qualifikation heraus, unter anderem mit einem Sieg gegen ihre heutige Fed-Cup-Kollegin Andrea Petkovic, bis ins Achtelfinale vor. Dort unterliegt sie der Serbin Ana Ivanovic.

Erster Fed-Cup-Team-Einsatz

2007 geht es weiter voran: Die jetzt 19-Jährige Kerber gewinnt vier ITF-Titel und taucht am 14. Mai erstmals in den Top 100 der Welt auf. Auf der WTA-Tour erreicht sie in ´s-Hertogenbosch das Viertelfinale. Auch bei den French Open, in Wimbledon und bei den US Open qualifiziert sie sich für das Hauptfeld, scheitert aber jeweils zum Auftakt. Zum ersten Mal ist sie zudem für das Fed-Cup-Team im Einsatz.

2008 folgen zwei weitere ITF-Titel und der Zweitrundeneinzug bei den Australian Open. Eine Knieverletzung lässt Angelique Kerber 2009 zurückfallen. Sie gewinnt zwar einen ITF-Titel, kommt bei den WTA-Turnieren aber nicht über die zweite Runde hinaus. Ihr großer Einsatz, die Beharrlichkeit und die Opfer der Familie lassen sie dennoch weiter an sich glauben. Sie will etwas zurückgeben. Und spätestens 2010, sieben Jahre nach ihren ersten Gehversuchen als Profi, biegt Angelique Kerber endgültig auf den richtigen Weg ein: Am 5. Juli steht sie erstmals in den Top 50 und erreicht in Bogota ihr erstes Finale auf der WTA-Tour.

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„Sie war auch launisch auf dem Platz“

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