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„Ich möchte zur Ruhe kommen“

Angelique Kerber „Ich möchte zur Ruhe kommen“

Welche Frage wurde Angelique Kerber in der ersten Jahreshälfte am häufigsten gestellt? Am Rande der WTA-Finals in Singapur löste Deutschlands Tennis-Ass auf: „Es war die Frage, wie es sich anfühlt, Grand-Slam-Siegerin zu sein.

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Angelique Kerber mimmt in Singapur die Trophäe für den zweiten Platz bei den WTA-Finals entgegen.

Quelle: Frank Molter

Singapur. “ Derzeit muss die Kielerin sich zu einer neuen Materie etwas einfallen lassen: Kann sie ihren Status als Weltranglistenerste 2017 dauerhaft behaupten, oder wird sie mit den Verfolgerinnen um Serena Williams im Nacken Federn lassen? Einen Tag nach der Finalniederlage in Singapur vermochte die 28-Jährige darüber ebenso wenig Auskunft zu geben wie über ihren Urlaubsort. Stunden nach der Siegerehrung im Singapur Indoor Stadium wanderten Angelique Kerbers Augen über die Lichter der südostasiatischen Stadt. Gemeinsam mit Mutter Beata, Trainer Torben Beltz, Physiotherapeut Andre Kreidler und Manager Aljosha Thron kam die junge Frau auf der Dachterrasse des Spielerinnenhotels Marina Bay Sands bei sagenhaftem Ausblick endlich mal wieder zur Ruhe. Seit der Ankunft im Fünf-Millionen-Einwohner-Inselstaat, der flächenmäßig der Größe Hamburgs entspricht, hatte es zwei Wochen lang ein mediales Dauerfeuer gehagelt. Und „nebenbei“ wurde auch noch Tennis gespielt. Viermal ließ die topgesetzte und viel umjubelte Schleswig-Holsteinerin keinen Zweifel an ihren Ambitionen, ihren vierten Turniersieg zu feiern. Im Endspiel gegen die Adrenalin-geladene Slowakin Dominika Cibulkova hat es am Sonntag aber nicht sein sollen.

Angelique Kerber blickt dennoch auf ein herausragendes Jahr zurück. Vom Legenden-Status ihres Vorbildes Steffi Graf (22 Grand-Slam-Titel) ist sie zwar noch weit entfernt. Aber was sie 2016 geleistet hat, wird sie sich in ihren am Montag begonnenen Ferien erst richtig bewusst machen: Als erste Spielerin nach Serena Williams gewann sie zwei Grand Slams in einem Jahr. Das war vor Williams zuletzt Justin Henin 2007 gelungen. Und als erste Spielerin seit Martina Hingis vollbrachte Kerber dieses Kunststück bei den beiden Hardcourt-Titelkämpfen in Melbourne und New York. „Das Jahr war der Wahnsinn“, kommentierte Kerber ihre Erfolgssammlung treffend.

Ihr Ehrgeiz ist ungebrochen

Der Aufstieg zur Nummer eins der Welt, das Wimbledonfinale und die olympische Silbermedaille in Rio stehen als weitere Meilensteine auf Kerbers Traumreise durch die Turniertableaus. Sie war die Athletin, die 2016 die Schlagzeilen bestimmte. Laut Williams’ Coach Patrick Mouratoglou allerdings nur aus einem Grund: „Angelique steht nur ganz da oben, weil sie 2016 viel mehr Turniere und Matches als Serena bestritten hat“, ätzte der Franzose. Kerber spielte inklusive Olympia 22 Turniere (insgesamt 81 Matches), Williams nur acht (44). Den Seitenhieb dürfte die Norddeutsche locker wegstecken. Ihr Ehrgeiz ist ungebrochen, ihre Vorfreude auf 2017 groß. „Es ist eine neue Situation. Das wird ein ganz anderes Jahr für mich, ein spezielles – mit vielen neuen Erfahrungen“, meinte sie voller Respekt.

Mitte/Ende November will Angelique Kerber zusammen mit Torben Beltz in die Saisonvorbereitung starten. Spätestens dann steht auch die Turnierplanung für das kommende Jahr. Erstmals im Einsatz wird Kerber ab 1. Januar beim Turnier im australischen Brisbane sein. Dort erreichte sie vor neun Monaten das erste Finale 2016. „Die erste Runde dort war für mich der erste besondere Moment in diesem Jahr. Ich lag zurück gegen Camilla Giorgi aus Italien“, erinnert sie sich. „Dann gab es eine Regenpause, und ich dachte, okay, warum nicht? Ich habe mich anders gefühlt als früher, wenn ich hinten lag. Die Einstellung war anders.“

Keine Ernährungspläne im Gepäck

Bevor es soweit ist, jettet Angelique Kerber in die Sonne. Wohin es in den Urlaub geht, das bleibt traditionell ihr Geheimnis. Nur die Malediven wie im Vorjahr schloss sie aus: „Ich entscheide das wirklich immer sehr spontan.“ In Kerbers Gepäck werden Trainings- und Ernährungspläne fehlen, dafür nimmt sie ein paar Wünsche mit in die Ferne. „Ich hoffe wirklich, dass ich abschalten kann. Das wird am Anfang sicher schwer. Und dass ich nicht krank werde“, so die WTA-Spielerin des Jahres. „Ich möchte zur Ruhe kommen, ohne auf die Uhr zu schauen, und wissen: Okay, ich hatte das beste Jahr meiner Karriere. Ich wünsche mir, dass ich das wirklich noch einmal realisieren kann.“

Und hier ein Tipp für diejenigen, die Angelique Kerber wider Erwarten am Pool oder am Strand treffen sollten. Die häufigste Frage, die ihr in der zweiten Jahreshälfte gestellt wurde, lautete: „Was hat sich alles verändert?“ Um sie zu überraschen, an dieser Stelle also gerne ein bisschen variieren!

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