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„Die Angst fährt morgen gar nicht mit“

Tony Martin „Die Angst fährt morgen gar nicht mit“

"Angst? Nein": Erstmals nach seinem schweren Sturz auf der 7. Etappe der Tour de France sitzt der dreifache Zeitfahr-Weltmeister und diesjährige Träger des Gelben Trikots, Tony Martin, am Sonntag bei den Cyclassics wieder im Rennsattel.

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Gezeichnet: Tony Martin am 9. Juli in Gelb nach seinem Schlüsselbeinbruch bei der Tour de France.

Quelle: dpa

Kiel. Im Interview spricht er über den am 9. Juli im französischen Le Havre erlittenen offenen Schlüsselbeinbruch und seinen Start in Kiel.

Sie kehren nach 2003 nach Schleswig-Holstein zurück. Sind Sie bereit für die Cyclassiscs? Wie fühlen Sie sich?

Prima. Der Heilungsprozess verlief richtig gut, was nach einem offenen Bruch nicht selbstverständlich ist. Ich bin vollkommen schmerzfrei, konnte zuletzt gut trainieren und freue mich, endlich wieder fahren zu können.

Mit welcher Aufgabe und welchem persönlichen Ziel gehen Sie an den Start?

Da ich nach so langer Pause noch eine unbekannte Größe bin, werde ich wohl als Helfer für Mark Cavendish eingeteilt werden. Oder vielleicht auch für Tom Boonen, unseren zweiten guten Sprinter. Für mich selbst steht zunächst nur das Dabeisein im Mittelpunkt. Ich habe mich sehr auf Kiel und Hamburg gefreut und bin deshalb schon gestern mit meiner Freundin angereist.

Inwieweit fährt nach ihrem Sturz morgen noch die Angst mit?

Gar nicht. Angst hätte ich – sollte es erneut zu einem Sturz kommen – nur um das Schlüsselbein. Ich werde mich völlig normal im Feld bewegen und meinen Job verrichten.

Vor zwölf Jahren haben Sie als damals 18-Jähriger in Eckernförde beim Rennen „Rund um das Alte Seminar“ die Altersklasse U19 für sich entschieden. Haben Sie noch irgendwelche Erinnerungen an das Rennen?

Ja, sehr gute sogar. Ich habe das Feld damals überrundet und mich von hinten durch alle Fahrer hindurch gekämpft. Irgendwie gab es anschließend noch Ärger. Das Rennen in Eckernförde war der Abschluss einer tollen Trainingswoche. Wir kamen von Berlin, hatten in Rostock ein Rennen gefahren und dann noch in Eckernförde. Nach meinem Sieg dort sind wir dann alle noch an den Strand und haben gebadet. Eine schöne Zeit war das.

Wer fährt morgen in Hamburg als Sieger über den Zielstrich?

Das hängt natürlich vom Rennverlauf ab. Aber ich rechne damit, dass es wie in all den Jahren zuvor erneut zu einer Sprintentscheidung kommen wird. Dann gäbe es natürlich eine Handvoll Kandidaten. Viel schöner fände ich es allerdings, wenn es einmal eine Ausreißergruppe bis ins Ziel schaffen würde. Doch dazu wird es bei diesem Kurs wohl kaum kommen.

Wie ist es Ihrer Meinung nach aktuell um das Image des Radsports bestellt? Ist die Talsohle nach den schweren Jahren durchschritten?

Auf jeden Fall, der Radsport ist zurück in der Öffentlichkeit, sein Ansehen ist wieder gestiegen. Ein letztes großes Signal war der Wiedereinstieg der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in die Berichterstattung über die Tour de France. Ich stelle das übrigens auch persönlich fest, denn ich werde viel häufiger von wildfremden Menschen angesprochen als noch vor zwei Jahren.

Wie sehen Ihre Pläne für den Rest der Saison aus?

Höhepunkt wird natürlich die WM vom 19. bis 27. September in den USA sein, auf die ich mich mit einer kleinen Rennserie in Frankreich vorbereite, zu der ich gleich am Sonntag aus Hamburg aufbrechen werde. Danach folgen zwei größere Rennen in Kanada, was sehr gut passt. Die finden nämlich in der gleichen Zeitzone wie die WM statt.

Interview: Jürgen Griese

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