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Der erste Rekordspieler

Peter Kaack Der erste Rekordspieler

Peter Kaack wurde 1967 mit Eintracht Braunschweig deutscher Meister in der Bundesliga und war mit 299 Einsätzen der erste Rekordspieler der höchsten deutschen Spielklasse.  Am Donnerstag wird der Schleswig-Holsteiner 75 Jahre alt.

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Ein Jahr vor seinem Abschied widmete sich das Fußball-Magazin „Kicker“ mit einer Titelgeschichte dem ersten Rekordspieler der Bundesliga. Peter Kaack hat das Titelblatt aufgehoben. Zu den 268 Spielen kamen noch 31 hinzu.

Quelle: Jörg Lühn

Kiel. Mit dem Aufzug geht es hinauf in den vierten Stock. Der höchsten Etage in diesem Haus im Kieler Stadtteil Hassee. In der bel étage war der Fußballer Peter Kaack, der am heutigen Donnerstag seinen 75. Geburtstag feiert, schon während seiner aktiven Zeit zehn Jahre zu Hause.

 Noch heute darf er sich als einer der erfolgreichsten Kicker in Schleswig-Holstein bezeichnen. In der großzügig geschnittenen Wohnung, die Kaack mit seiner Gattin Lindi – das Paar ist seit 52 Jahren glücklich verheiratet – seit einigen Jahren bewohnt, blickt der gebürtige Neumünsteraner zurück.

 „Eigentlich habe ich 300 Bundesligaspiele“, sagt Kaack. „Am 31. Oktober 1972 führten wir gegen Eintracht Frankfurt 3:0, als das Spiel wegen Nebel abgebrochen wurde. Die Wiederholung am 28. November haben wir dann 2:1 gewonnen. Für mich wurde das als ein Spiel gewertet. Heute bekommen die Spieler schon für eine Minute Spielzeit ein Spiel gutgeschrieben.“

 Früh lag der Knirps seiner Mutter in den Ohren. Sie sollte ihn in einem Fußballverein anmelden. Der TSV Gadeland war 1952 der erste Klub. Sechs Jahre schnürte er dort die Schuhe, ehe der Wechsel zum damaligen Eisenbahnerklub Gut Heil Neumünster folgte. Mit GHN stieg er in die Landesliga auf und wechselte 1961 zum Oberligisten VfR Neumünster. Mit den Veilchen wurde er 1963 Vierter. Neumünster fehlten zwei Punkte zur Bundesliga. „Nein, das stimmt nicht“, berichtigt Kaack. „Der VfR hat sich ja gar nicht beworben.“

Sensationell deutscher Meister

 Für eine Ablösesumme von 35000 D-Mark wechselte Peter Kaack zur Eintracht nach Braunschweig. Der reine Straßenfußballer schaffte den Sprung vom Bauernhof in Kummerfeld in die Bundesliga, zählte zu deren Gründungsmitgliedern. Dort wurde das Team 1967 mit Trainer Helmuth Johannsen sensationell deutscher Meister. Kaack erinnert sich an den Coach: „Sein Training war langweilig. Zum Lachen ging er in den Keller. Die Gegner hat er hervorragend beobachtet und gute Analysen erstellt.“

 In die Ägide Kaacks fielen der Bundesliga-Bestechungsskandal sowie der Beginn der Trikotwerbung. „Unser Präsident Ernst Fricke bot Günter Mast, den damaligen Chef des Kräuterlikör-Herstellers Jägermeister, an, sein Hirschlogo auf das Trikot zu flocken.“ Radio, Fernsehen und Zeitungen berichteten ständig. Der DFB lehnte erst ab und stimmte dann zu. Kaack und seine Mannschaftskollegen weigerten sich aber, ein Pressefoto anfertigen zu lassen, „weil wir ja keinen Vertrag mit Herrn Mast hatten“. Eine Woche später bekamen alle Spieler einen Karton Schlehenfeuer und Jägermeister. Für heutige Verhältnisse unvorstellbar.

 Nach dem Ende seiner Bundesliga-Zeit heuerte Kaack 1973 noch einmal beim VfR Neumünster an. „Ich hätte auch bei Holstein Kiel oder dem VfB Lübeck anfragen können, aber ich musste in erster Linie meine Arbeit bei adidas machen.“

 Doch Herbert Sander, der damalige Vorsitzende des VfR, hatte Wind vom bevorstehenden Ende der Profilaufbahn bekommen. „Plötzlich stand Sander in einem Kamelhaarmantel und einem Blumenstrauß vor der Haustür. Ich habe für zwei Jahre und 30 Mark Essensgeld für einen Sieg zugesagt.“ Beide wurden Nachbarn in Boostedt. Später folgten noch zwei weitere Spielzeiten, als Kaack hörte, dass Sander Spieler wie Axel Motullo und Manfred Eichmann nach der Torjägerliste für hohe Summen verpflichtete. „Meine Frau und ich haben 200 Mark Schmerzensgeld ausgehandelt.“

 Heute drückt er dem Drittligisten Holstein Kiel auf der Tribüne die Daumen und pflegt die Freundschaften zu Willi Holdorf und Gerd Lütje. Seinen Geburtstag verbringt Kaack mit seiner Frau in Paguera auf Mallorca. „Ich möchte nicht zu Hause den ganzen Tag Telefondienst machen.“ Und im kommenden Jahr feiert die Eintracht am 3. Juni in der Braunschweiger Stadthalle das Riesenfest „50 Jahre Meisterschaft“ – mit Peter Kaack.

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