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Handball-Bund verärgert über Kolumne

„Kartoffeldeutsche Sehnsucht“ Handball-Bund verärgert über Kolumne

Immer noch schlagen die Wellen um den Zeit-Online-Beitrag von Wolfram Eilenberger zum Thema Handball in Deutschland hoch. Darin bezeichnet der Philosoph den Sport als "kartoffeldeutsche Sehnsucht" - eine Aussage, die nicht nur den Deutschen Handball-Bund verärgert.

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Der Publizist und Philosoph Wolfram Eilenberger (43) schreibt seit Mai 2015 die monatliche Fußballkolumne „Eilenbergers Kabinenpredigt“ auf „Zeit online“ und hat sich jetzt in den Handball verirrt.

Quelle: Frank Peter

Kiel/Berlin. Es ist ein Dilemma. Eigentlich wollten wir Wolfram Eilenberger und seinem Beitrag auf „Zeit.de“ nicht mehr Aufmerksamkeit schenken als die Glosse in der Ausgabe unserer Zeitung am Donnerstag („Hättest du geschwiegen...“). Der Philosoph und Fußball-Kolumnist hatte die Sportart Handball (und ihre Fans) in eine rechte Ecke gestellt, in der sie eine „kartoffeldeutsche Sehnsucht“ bediene. „Blutnah und widerständig“ sei der Handball. Oder anders: „Wenn Fußball Merkel ist, ist Handball Petry“. Gemeint ist die AfD-Chefin Frauke Petry, die zuletzt mit umstrittenen Äußerungen über den Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge auf sich aufmerksam gemacht hatte.

 Nach Eilenbergers Herleitung über die ausnahmslos deutschen Vornamen der deutschen Europameister wusste man nicht, ob man nun lachen oder weinen oder dem Autor das Prinzip einer Nationalmannschaft erklären soll. Ob man ihm einen Blick in die Bundesliga, den erweiterten Nationalkader (Evgeni Pevnov hatte sich vor der EM verletzt) oder die Jugendabteilungen der Vereine empfehlen soll. Wir wollten schweigen, doch die Wellen schlagen einfach zu hoch.

 Christian Ciemalla vom Handball-Portal „handball-world.com“ beispielsweise entschied sich dafür, Wolfram Eilenberger eine eigene Kabinenpredigt als Replik zu halten. „Mensch, Wolfram: Kleiner Tipp, in Nationalteams gibt es oftmals nicht so viele Ausländer“, heißt es da. Oder: „Du hast aus einigen oberflächlichen Betrachtungen eine abstruse ,gesellschaftlich-politische Alternative’ konstruiert und die eine Sache vermissen lassen, die sportartübergreifend alternativlos ist: Respekt.“ Die „Welt“ fragt sich: „Wer gerne Handball guckt, ist ein halber Nazi? Das dürfte besonders gut ankommen bei den Klubs, die seit ein paar Monaten nicht trainieren können, weil ihre Halle zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurde.“ Der Deutsche Handball-Bund (DHB) äußerte sich auf seiner Facebook-Seite „empört“. Facebook-User „Claus Diehl“ fragt auf der Seite der Kieler Nachrichten: „Warum nimmt der Eilenberger nicht gleich den ganzen Wintersport aufs Korn?“

 Den Wintersport lässt der „Zeit“-Autor zwar links liegen, setzt auf seinem Twitter-Account unter der Hashtag #ehrlichsein allerdings noch einen drauf, verweist auf die Sportarten Hockey und Volleyball und zählt die ausnahmslos deutschen Vornamen der Volleyball-Nationalspieler auf.

 Während „Zeit.de“-Chefredakteur Jochen Wegner nun ankündigte, das Thema „Handball und Diversität“ aufgrund der bundesweit um sich greifenden Kritik noch einmal aufgreifen zu wollen, sonnt sich Eilenberger via Twitter in den Reaktionen auf seinen diskursöffnenden „kalkulierten Tabubruch“. Es bleibt ein Dilemma.

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„Zeit Online“-Artikel
Foto: Steht der Handball in der Kritik, weil er männliche-heimatliche-rechte Sehnsüchte bedient? Das meint zumindest ein "Zeit Online"-Autor.

„Offenbar ist dieser Sport sozialdynamisch irgendwo vor drei Jahrzehnten stecken geblieben“, schreibt Wolfram Eilenberger für „Zeit Online“ über Handball nach der EM. Wie er darauf kommt? Handball sei hart, die Mannschaft habe keinen Migrationshintergrund, sie sei die sportliche „AfD“. Handballer im Netz toben ob dieser Vereinfachung.

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