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Achterbahnfahrt durch 113 Jahre

FC Kilia Kiel Achterbahnfahrt durch 113 Jahre

Der FC Kilia Kiel erlebte in seiner 113-jährigen Vereinsgeschichte Höhen und Tiefen.

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Dieses Aufgebot erreichte 1984 den Aufstieg in die Verbandsliga: Oben von links: Trainer Hans-Werner Canal, Stegemann, Manz, Mertens, Duwensee, Bastian, Bebensee, Wiesert, Schmidt, Schumann, Abert; unten von links: Pinn, Soglowek, Albers, Kendzia, T. Homp, Warncke, R. Homp und Schubert.

Quelle: Reinhard Gusner

Kiel. 2011 drohte dem in die Fußball-Kreisliga abgestiegenen FC Kilia Kiel der Absturz in die sportliche Bedeutungslosigkeit – hätten nicht ein paar Getreue das Ruder herumzureißen versucht. Mit Erfolg: Als Kreisliga-Meister 2014 starteten die Kilianer in der Verbandsliga Nord-Ost durch, holten sich die Meisterschaft und kehren in die SH-Liga zurück. Die Kieler Nachrichten skizzieren in einem Rückblick die wechselhafte Historie des Traditionsklubs.

 Der Ursprung des Vereins liegt beim ersten Kieler Fußballverein, dem „Kieler FC von 1900“, der sich nach der Gründung des FV Holstein (4. Mai 1902) am 28. August 1902 in „1. Kieler FV“ umbenannte, um seine „Erstmaligkeit“ zu zeigen. 14 jüngere Spieler verließen aus Protest gegen die ihrer Meinung nach von älteren Mitgliedern ausgeübte Macht den Verein und gründeten am 23. Juli 1902 den FC Kilia Kiel.

 Als sich durch die Pionierarbeit von Georg P. Blaschke der „Verband Kieler Ballspielvereine“ konstituiert hatte, spielte der FC Kilia auf Anhieb eine führende Rolle. Ein unüberwindbares Hindernis war allerdings der Stadtrivale Holstein. Insgesamt fünfzehnmal wurde man nur Vizemeister. Nur 1914 gab es in der Kieler 1. Klasse Meisterschaftsjubel bei den Kilianern. Holstein spielte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Klasse höher in der neu eingeführten überregionalen norddeutschen Verbandsliga.

 Anfangs kickten die Kilianer schon mal auf dem Wilhelmplatz, regulär aber auf dem Gutenbergplatz (heute: Professor-Peters-Platz) und mussten von ihrem Umkleidelokal, dem Restaurant Eichhof, alle „Gerätschaften“ wie etwa die Tore zum Auf- und Abbau (daher „bauender“ Verein) hin- und hertragen. Seit dem 31. August 1913 trägt der FC Kilia seine Heimspiele auf dem Kiliaplatz am Hasseldieksdammer Weg aus, der zuvor eine Koppel am Stadtrand war. Die für etwa 25000 Goldmark errichtete Tribüne steht seit dem 9. Juni 1919 und ist wahrscheinlich die älteste original erhaltene Tribüne in ganz Deutschland.

 1920/21 spielte der Klub in der überregionalen Nordkreisliga (gegen Holstein und den HSV) und nahm 1925-27 an der norddeutschen Meisterschaft teil. Der 18-jährige Eduard „Ede“ Zaworski wurde im Juli 1927 von Reichstrainer Professor Otto Nerz – Vorgänger von Sepp Herberger – sogar nach Berlin zu einem Vorbereitungslehrgang für die Olympischen Spielen eingeladen, hatte aber in den Schalkern Ernst Kuzorra und Fritz Szepan zu starke Konkurrenten.

 Auch nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der Klub in der obersten Landesklasse. Der Tiefpunkt folgte 1966 mit dem Abstieg in die Bezirksliga Ost. Erst 1984 kehrte man zurück und startete mit dem neuen Trainer Hans-Werner Canal mächtig durch. Den Kilianern gehörten in Kiel die Sympathien, sie wiesen gegenüber dem alten, längst klassenhöheren Rivalen Holstein das größere Medieninteresse und deutlich höhere Zuschauerzahlen auf – 4000 waren es etwa in einem Spiel gegen Eutin 08. Selbst die Bundesliga war auf den FC Kilia aufmerksam geworden. HSV-Trainer Ernst Happel und Manager Günter Netzer tauchten am Hasseldieksdammer Weg auf und lotsten den Kilianer Tobias Homp 1985 von der Kieler Förde an die Hamburger Alster, wo er mit dem HSV 1987 den DFB-Pokal gewann. Später kam mit Sidney Sam (jetzt beim FC Schalke 04) ein Ex-Kilianer sogar zu Einsätzen in der deutschen Nationalmannschaft.

 Im Jahr 2001 gelang der Aufstieg in die Oberliga HH/SH. Der Jubel wich nur zwölf Monate später Ernüchterung: Ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Bestehens kreiste 2002 der „Pleitegeier“ über dem Kiliaplatz und brachte den freiwilligen Abstieg in die Verbandsliga. Nach schleichender Talfahrt folgten 2009 der Abstieg aus der SH-Liga und 2011 aus der Verbandsliga Nord-Ost.

 In der zweiten Kreisligasaison wurde die Wende eingeleitet – vom neuen Trainer Stefan Köpke und dem langjährigen Kilianer Peter Bartl als Ligamanager. Özcan Atasoy, unter Köpke Co-Trainer, rückte nach dessen Abgang Ende Dezember 2014 zum Cheftrainer auf und vollendete das Werk mit dem Titelgewinn. „Wir haben den schlafenden Riesen geweckt“, kommentierte „Ötschi“ den Erfolg, der in der Kieler Fußballszene aufmerksam registriert wurde. Das sieht auch Bartl so: „Der FC Kilia ist wieder eine gute Adresse.“

Von Reinhard Gusner

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