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Die Flosse macht das Tempo

Finswimming in Preetz Die Flosse macht das Tempo

Preetz ist die Hochburg des Finswimming, einer Trend-Sportart mit einer Flosse für beide Beine. Die dortigen Sportlerinnen und Sportler haben schon einige deutsche Meistertitel nach Hause geschwommen.

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Wo die Finswimmer (auf)tauchen, gerät das Wasser heftig in Bewegung. Die Preetzer Crew pflügt schneller durchs Wasser als alle anderen Schwimmer.

Quelle: Sonja Paar

Preetz. Es ist ein sonniger Abend in der Schwimmhalle in Preetz. Montags ab 18 Uhr sind die Wasserbecken für Sportvereine reserviert. In langen Reihen ziehen kleine und große Schwimmer ihre Bahnen, kraulen von Beckenrand zu Beckenrand, angetrieben von ihren Trainern.

Nur auf der mittleren Bahn geht es ungewöhnlich zu. Trainer Rolf Blechschmidt sitzt in einem Strandkorb am Rande, Arme hinter dem Kopf verschränkt, mit einem Lächeln auf den Lippen. Auf der Bahn, die er betreut, scheint das Wasser doppelt so schnell zu sprudeln wie auf den Nachbarbahnen. Zwischen den aufsteigenden Luftblasen ist kein Kopf auszumachen, keine Arme, die zumindest ab und zu aus dem Wasser ragen. Sechs Schnorchel sind zu sehen. Unter der Wasseroberfläche lassen sich schemenhaft lang gestreckte Körper erkennen, die sich, mit einer großen Schwimmflosse am Ende, in eleganten Wellenbewegungen pfeilschnell durchs Wasser bewegen.

Das sind die Bilder zur neuen Trendsportart.

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Rolf Blechschmidt hat gut Lachen. Er ist der Trainer der fleißigen Finswimmer des Tauchclubs Preetz, die jetzt auf den Deutschen Meisterschaften in Erfurt eine ganze Reihe von Medaillen und sogar sechs Meistertitel abgeräumt haben. „Wir haben gerade unseren Saisonhöhepunkt gehabt, und als Trainer ist es schön zu sehen, dass wirklich alle Sportler auf den Punkt fit und auf einem hohen Leistungsstand waren“, sagt Blechschmidt.

Das Training an dem sonnigen Montag ist eher ein vergnüglicher Ausklang. Trotzdem ziehen Jerik Weinert (19), Smilla Blechschmidt (17), Jonah Barckhan (18), Stefanie Kellmann (25), die mit vier deutschen Meistertiteln in der Klasse Masters A nach Hause fahren konnte, und die ebenfalls frisch gebackenen deutschen Meister Paul Wiesner (20) und Silja Blechschmidt (23) wie eine Gruppe übermütiger Delphine ihre Bahnen.

In den 90ern ging es los

Rolf Blechschmidt brachte mit einigen Tauchkollegen einst das Finswimming nach Preetz. „Das war in den 90er-Jahren, da wollten wir das mal ausprobieren. Die Flossen haben wir uns aus alten DDR-Beständen organisiert – und was soll ich sagen, das ging gleich richtig ab“, erinnert er sich. Blechschmidt hat aus Preetz die Hochburg des Finswimmungs in Norddeutschland gemacht. Wer die trendige Randsportart als Wettkampfsport betreiben will, der trainiert montags in der Preetzer Schwimmhalle.

Mit der riesigen Flosse an den Füßen und der richtigen Bewegung schaffen es Spitzensportler auf Geschwindigkeiten von mehr als drei Metern in der Sekunde. Das Tempo macht den Reiz der Sportart aus. „Es ist einfach toll, so schnell durchs Wasser zu gleiten“, erzählt Silja Blechschmidt. Dazu braucht es aber ein Höchstmaß an Kondition und Kraft und das Beherrschen eines sehr komplexen Bewegungsablaufes. „Ja, die blöde Technik“, stöhnt Jonah Barckhahn. Er ist seit einem Dreivierteljahr Finswimmer. Vorher war er als Ruderer erfolgreich. Kraft und Kondition sind bei ihm gut ausgeprägt. „Aber hier oben sind zu viele Muskeln, da kann er sich immer noch nicht richtig strecken“, weiß Silja und zeigt auf die starke Schultermuskulatur. Finswimmer müssen sich richtig durchstrecken und sich dann dynamisch-rhythmisch mit kräftigen Bewegungen durchs Wasser bewegen. „Wenn man das richtig macht, geht’s eben ab. Ein Wahnsinnsgefühl“, weiß Paul Wiesner.

Für diesen Montag packen die Sportler, als die Sonne untergeht, ihre Flossen ein. Werden im Sommer auch mal im See schwimmen gehen, viel Kraft und Kondition trainieren und sich damit ihrem großen Ziel nähern. „Ich hab ein Ziel und einen Traum“, verrät Rolf Blechschmidt. „Das Ziel ist die Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaften, und das ist realistisch. Der Traum ist, in dem neuen Kiel-Bad, wenn es denn eröffnet ist, mal eine deutsche Meisterschaft im Finswimming auszurichten – und der ist hoffentlich auch realistisch.“ Bei solchen Aussichten ist es kein Wunder, dass Rolf Blechschmidt eine Menge Gründe zum Lachen hat.

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