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Augen offen halten und mal abkochen

Formula-18-Klasse vor Schilksee Augen offen halten und mal abkochen

Die Genugtuung stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Wer die Zarnekauer Helge und Christian Sach schon länger kennt, vermisst laute Erfolgstöne nicht. Dann erscheint ihr urtypisches zufriedenes Lächeln, wenn die Brüder einmal mehr gut gesegelt sind. Und Platz zwei zum Start der Weltmeisterschaft in der Formula-18-Klasse am Dienstag vor Schilksee war zweifelsohne ein Auftakt nach Maß.

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Da muss man seine Nerven und sein Boot schon gut im Griff haben: Dicht an dicht gehen die Formula-18-Katamarane der blauen Flotte über die Startlinie.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel.  „Wir sind schon am Start traumhaft weggekommen“, so der Steuermann, und dann habe sich das Duo gepflegt „aus allem rausgehalten“. Damit meinte der 58-Jährige zahlreiche enge Positionskämpfe und Tonnenrundungen bei schwachen Winden, in denen es leicht zu ungewollten Behinderungen mit zuweilen großen Folgen kommen kann. Helge Sachs Erfolgsrezept: „Hellwach alle vier Taktikaugen an Bord offen halten und auch mal abkochen.“ Will heißen, hat ein Pulk von 20 Gegnern erst das Nachsehen, eher mal wenden und sich zwischen die Verfolger und die nächste Wendetonne bringen, als zu extrem alles auf eine Karte setzen.

Die Crews machen sich auf die Reise zum Regattafeld (li.: Gunnar Larsen und Ferdinand von West/ NED)

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 Das wurde umso wichtiger, nachdem sich die 167 Teilnehmer am Vorabend mehrheitlich für eine Änderung des Austragungsmodus stark gemacht hatten, worauf die Regattaleitung vom Kieler Yacht-Club flexibel reagierte. Statt in vier Gruppenstarts wird nun doch, wie bisher zur WM üblich, in zwei Feldern gesegelt. „Das bedeutet mehr Adrenalin, weil auf der Bahn einfach doppelt so viel los ist“, erklärt Justus Wolf, der mit seinem Stiefsohn Maximilian Said überraschend Vierter wurde. Der Hamburger Ex-Europameister in der damals olympischen Tornado-Klasse brillierte als Vierter ebenfalls im Weltklassefeld.

 Das wird zunächst von den beiden Tagessiegern angeführt. Neben den hochgehandelten US-Boys Michael Easton und Tripp Burd aus dem anderen Rennen sind das Simon Northrop und Josh O’Brien. Die Engländer entwischten den Sachs auf einer „turbulenten“ Vorwindkreuz ins Ziel, als die ohnehin sehr leichte Seebrise aus Ost auf zwei bis drei Knoten (Stärke eins bis zwei) abgenommen hatte. Beinahe wäre sogar das Zeitlimit überschritten und das Rennen gar nicht gewertet worden.

 Auf das hatten die Crews schon drei Stunden warten müssen, ehe sich die Kieler Bucht gegen 14 Uhr überhaupt etwas kräuselte. Und als sich das Wasser am späten Nachmittag wieder glättete, sollte Diplom-Meteorologe Meeno Schrader Recht behalten. „Wir hätten ja schon noch gerne weiter gemacht“, so Christian Sach, „aber es war einfach nicht mehr drin.“

 So blieb ihm das stille Genießen über den Triumpf des Tages auf Topniveau: der Rennverlauf gegen den mehrfachen Katamaran-Weltmeister und America‘s Cup-Ass Glenn Ashby und Brett Goodall von downunder, die Dritte wurden. Die Aussis verloren bereits den Zweikampf um den Startplatz direkt an der Tonne gegen ihre deutschen Freunde, ließen sich aber nie abschütteln. Immer wieder übermittelte der Tracker (die Positionsübertragung per Satellit) im Internet Führungswechsel.

 „Es ist schon eine schöne Bestätigung, dass wir mit diesen Vollzeit-Profis immer noch mithalten können“, sagte Helge Sach. Und das ganz auf sich allein gestellt. Denn die Gegner werden von Greg Goodall, dem Vater und ausgebufften Segelmacher des Vorschoters gecoacht. Auf einem geliehenen Schlauchboot der Sachs, versteht sich, die nach einer technischen Panne mit der Steuerung sogar am Dienstagabend noch Ersatz beschafften.

 Dass den Routiniers bei ihrem starken Beginn auch das laue Lüftchen entgegenkam, verhehlte der 72-Kilogramm-Mann an der Pinne nicht. Schließlich hatte der aktuelle Kieler Woche-Gewinner kurz vor der WM noch über die eigene Langsamkeit bei Mittelwind geflucht. „Aber wir Leichtgewichte müssen ja auch mal Glück haben mit den Bedingungen.“ Und selbst wenn Schrader am Mittwoch mit seinem prognostizierten Mittelwind wieder Recht behalten sollte, wollen die Brüder „ruhig bleiben, aber immer hellwach“.

Von Andreas Kling und Uwe Paesler

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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