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Viele Fragen, noch wenig Antworten

Fußballverband Schleswig-Holstein Viele Fragen, noch wenig Antworten

Immer größer werden die Fragezeichen rund um das mit 250 000 Euro bezifferte Loch im Drei-Millionen-Euro-Haushalt des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV). Jetzt wurde eine weitere Finanz-Baustelle öffentlich. Die Staatsanwaltschaft Kiel soll bereits Strafanzeige gestellt haben.

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Basis kritisiert SHFV scharf

Er steht zurzeit nicht auf der Sonnenseite des Funktionärslebens: Hans-Ludwig Meyer, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes.

Quelle: imago

Kiel. Zwischen 2011 und 2013 soll ein Mitarbeiter des SHFV-Finanzressorts den Verband um rund 300 000 Euro geprellt haben. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gewährte den Nordlichtern in diesem Zusammenhang ein Überbrückungs-Darlehen, das allerdings bis 2017 zurückgezahlt werden muss. Wie konnten im Schnitt gut 12 000 Euro pro Monat bei einem Jahreshaushalt von drei Millionen Euro über einen längeren Zeitraum unbemerkt verschwinden? Nicht nur der Kieler Rechtsanwalt Andreas Meyer stellt sich diese Frage: „Bei jeder Transaktion gibt es Buchungsbelege und Rechnungskopien. Die Buchführung ist zumindest grob fahrlässig durchgeführt worden.“ SHFV-Präsident Hans-Ludwig Meyer wollte sich wegen des „schwebenden Verfahrens“ nicht konkret zu dieser Angelegenheit äußern.

Stattdessen betonte der Fußball-Funktionär: „Wir haben keine finanzielle Schieflage, wir haben nur noch keinen ausgeglichenen Haushalt.“ Der soll mit Einsparungen – wie berichtet – unter anderem in den Bereichen Personal und Talentförderung erreicht werden. Dazu stehen satte Erhöhungen der Nenngelder für die im Spielbetrieb befindlichen Mannschaften zur Diskussion, bei SH-Liga-Junioren-Teams könnten das bis zu 250 Prozent sein. Auch die Gebühren im Passwesen, für die Sportgerichtsbarkeit und Freundschaftsspiele sollen deutlich angehoben werden. Entscheidungen wollen die Mitglieder des SHFV-Beirats am kommenden Sonnabend treffen.

"Ein unverantwortlich teurer Vergleich"

Immerhin dieser Termin steht fest. Zurückgerudert ist der Verband dagegen von seinen zu Wochenbeginn getätigten Äußerungen, der für 3,6 Millionen Euro errichtete Uwe-Seeler-Fußballpark (USFP) sei die höchste Verlustquelle und deshalb der Hauptgrund für die angedachten Sparmaßnahmen. Am Mittwoch erklärte der SHFV per Pressemitteilung: „Als Aus- und Fortbildungsstätte des Verbandes ist der Standort Malente natürlich defizitär, das ist aber seit Bestehen der Sportschule der Fall.“ Der Umbau biete, so Tobias Kruse, der kaufmännische Leiter des USFP, mittelfristig die Möglichkeit, diese Defizite sukzessive zu verringern.

Visionen, bei denen Andreas Meyer ins Grübeln kommt. Der Jurist glaubt eher an Misswirtschaft und eine Selbstbedienungsmentalität in der SHFV-Spitze. Dies nicht zuletzt aus eigenen Erfahrungen im beruflichen Umgang mit den Funktionären. Anwalt Meyer vertrat den im Frühjahr 2015 nach gut zwei Jahren Tätigkeit fristlos gekündigten ehemaligen USFP-Geschäftsführer vor dem Arbeitsgericht. Schwere Vorwürfe seien seitens des SHFV gegen seinen Mandanten erhoben worden, am Ende aber stand „ein unverantwortlich teurer Vergleich“, so Meyer. Statt der nach der Berechnungsformel für diesen Fall üblichen rund 4000 Euro habe der SHFV, vertreten durch Geschäftsführer Jörn Felchner, die Summe von 12000 Euro ohne Murren akzeptiert. Vielleicht auch deshalb, so die Vermutung des Juristen, weil das Wort Prozessbetrug im Raume stand. Die beiden für die Kündigung relevanten Unterschriften des SHFV-Präsidenten Meyer und des 1. Vizepräsidenten Gerhard Schröder seien kein Original, sondern deutlich sichtbar eingescannt und daher unwirksam gewesen. Felchner indes habe das Gegenteil behauptet und daher aus Sicht des Anwalts gelogen.

Erklärung bis Donnerstag unterzeichnen

Auch die Äußerung des SHFV-Präsidenten in der Mittwochausgabe der „Lübecker Nachrichten“, der ehemalige USFP-Geschäftsführer sei wegen „Erfolglosigkeit“ entlassen worden, könnte noch ein teures Nachspiel haben. Am Mittwoch forderte Anwalt Meyer seinen Namensvetter auf, eine Widerrufs- und Unterlassungserklärung bis Donnerstag 13 Uhr zu unterzeichnen. Hintergrund: In dem gerichtlich protokollierten Vergleich habe der SHFV erklärt, an den ursprünglich erhobenen Vorwürfen nicht festzuhalten. Kosten für das Anwaltschreiben: 1242,84 Euro.

Irritiert zeigt sich Andreas Meyer zudem über die Notwendigkeit dreier hauptamtlicher SHFV-Geschäftsführer sowie darüber, dass die „torwärts Vermarktungs- und Vertriebsgesellschaft mbh“ aus dem Verband ausgegliedert worden sei. Geschäftsführer des Vermarktungsunternehmens sind SHFV-Geschäftsführer Jörn Felchner und David Lehwald, alleiniger Gesellschafter ist der SHFV. Meyers Vorwurf: Das wirtschaftliche Gebaren des Unternehmens sei mangels Transparenz für die Mitglieder nicht nachvollzuiehbar. Der Verband nehme durch die Ausgliederung ohne Not einen Einnahmeverlust wegen der Umsatzsteuerpflicht der Firma in Kauf. Er setze sich wegen Felchners Doppelfunktion zudem dem Verdacht eines Interessenkonfliktes aus.

Für SHFV-Chef Hans-Ludwig Meyer hingegen ist dieses Konstrukt „einer der wichtigsten Schritte“ des SHFV. Die Firma Torwärts generiere Einnahmen in sechsstelliger Höhe. Meyer: „Über uns hätte ansonsten dauerhaft das Damoklesschwert des Verlustes der Gemeinnützigkeit geschwebt. Wir haben uns am DFB und anderen Sportverbänden orientiert.“

An der SHFV-Basis sorgt derweil ein anderes Detail für Unmut: Die den 13 Kreisverbänden zustehenden Fördermittel für den Nachwuchs – inklusive jährlich 50000 Euro von Adidas – werden seit zweieinhalb Jahren nur noch aus der Kieler Verwaltungszentrale zugeteilt. Via Facebook postete zum Beispiel Sascha Siemssen dem KN-Sportbuzzer: „Mich nervt, dass wir als Kreis Segeberg vernünftig wirtschaften, ein Plus machen – und es dann an den SHFV überweisen müssen. Und weg ist die Kohle.“ Felchner hatte zuvor öffentlich bestätigt, den Etat Nachwuchsförderung um rund 30 000 Euro auf 330 000 Euro senken zu wollen.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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Leitartikel
Michael Kluth

Das Defizit im Haushalt des schleswig-holsteinischen Fußballverbandes ist so dramatisch, weil die in Rede stehenden Folgen so dramatisch sind. Und so ungerecht. Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum der Breitensport jetzt auslöffeln soll, was die Verbandsspitze angerichtet hat.

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