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„Wie wird dort gewirtschaftet?“

Fußnallbasis vs. SHFV „Wie wird dort gewirtschaftet?“

Zwei Terminen blickt die Fußballszene in Schleswig-Holstein mit Spannung entgegen: Am Sonnabend tagt der Beirat des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes in Malente, und am 4. Juni steht der Verbandstag in Neumünster an. Beide Tage entscheiden über die Zukunft des Dachverbandes.

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Das Finanzloch in Höhe von mindestens 250.000 Euro und seine Folgen treiben die Akteure im Amateur- und Jugendfußball um – und mehr noch das Rätsel, wie ein Mitarbeiter des Finanzressorts darüber hinaus über mehr als zwei Jahre unbemerkt 300.000 Euro unterschlagen konnte.

Quelle: Sven Hoppe/dpa

Kiel. Für Sonnabend wird nicht ausgeschlossen, dass dem Vorstand des Verbands die Vertrauensfrage gestellt wird. Auf dem Verbandstag sollen die Mitglieder den Vorstand entlasten; das erscheint derzeit fraglich. Groß ist der Unmut an der Basis.

 Das Finanzloch in Höhe von mindestens 250.000 Euro und seine Folgen treiben die Akteure im Amateur- und Jugendfußball um – und mehr noch das Rätsel, wie ein Mitarbeiter des Finanzressorts darüber hinaus über mehr als zwei Jahre unbemerkt 300.000 Euro unterschlagen konnte. Der Mann habe es „geschickt angestellt“, sagt dazu der in die Kritik geratene Verbandspräsident Hans-Ludwig Meyer. „Das war nicht zu erkennen.“ Dem stehen Informationen unserer Zeitung gegenüber, wonach in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft von einem „plumpen Manöver“ des mutmaßlichen Täters die Rede ist.

 Im Fokus stehen neben dem ehrenamtlichen Vorstand auch die drei hauptamtlichen Geschäftsführer des SHFV. „Wären es Ehrenamtler, hätte ich sogar Verständnis“, sagt etwa der Jugendobmann des Kaltenkirchener TS, Dirk Blödorn. „Aber dass bezahlte Kräfte zwei Jahre lang von der Unterschlagung nichts mitbekommen haben, ist nicht nachvollziehbar. Wie wird dort überhaupt gewirtschaftet?“ Das fragen auch andere. „Das ist schon starker Tobak, dass die Kontrollmechanismen des SHFV offenbar versagt haben“, sagt auch Hans-Werner Raymann, Ligamanager des TSV Kronshagen.

"Ende der Fahnenstange ist erreicht“

 Die Sorge, dass nun die Vereine für die Fehler des Verbandes büßen müssen, ist allenthalben zu greifen. „Das Ende der Fahnenstange ist bereits erreicht“, sagt zum Beispiel Malte Freund, der stellvertretende Fußballobmann des Preetzer TSV. „Jede weitere finanzielle Belastung durch erhöhte Nenngelder oder Passgebühren wird zum langsamen Exodus der Vereine führen.“ Der Trainer des SH-Ligisten TSV Kropp, Dirk Asmussen, findet, „es wäre ein Skandal, wenn die Vereine jetzt dafür bluten müssten, dass die Mechanismen im SHFV nicht funktioniert haben“. Er befürchtet: „Das könnte Vereinen auch von der Größenordnung des TSV Kropp den Knockout versetzen.“

 Existenzängste gibt es auch in den 13 Stützpunkten zur Talentförderung. So sagt der Rendsburger Stützpunkttrainer Thorsten Toop: „Für die Spieler muss es kurze Wege geben, sonst ist ihnen der Zugang zum Training verwehrt.“ Der Preetzer Trainer Andreas Claasen pflichtet bei: „Die Leidtragenden sind die Jugendlichen.“ Ihr Neumünsteraner Kollege Andrew Pfennig wettert: „Der Etat für die Jugend ist doch in den vergangenen Jahren schon immer weiter gekürzt worden.“ Er warnt vor den sportlichen Folgen: „So brauchen wir mit unserer Landesauswahl bald zu keinem Turnier mehr zu fahren. Dann kriegen wir zwölf Stück vom Mittelrhein und 13 von Württemberg.“ Der Weg in die Zukunft des Fußballs gehe nur über eine vernünftig ausgebildete Jugend.

 Etwas abgewogener reagieren die Kreisvorsitzenden von Kiel und Neumünster. Der Kieler Kerem Bayrak gibt zu bedenken: „Die Nenngelder sind in Schleswig-Holstein im Bundesvergleich zu gering. Man kann für zehn Euro monatlich den Spielbetrieb nicht aufrechterhalten.“ Es sei „natürlich unglücklich, in der jetzigen Situation die Nenngelder zu erhöhen, aber unabhängig davon müssen sie aus meiner Sicht sowieso erhöht werden“. Der SHFV müsse „einen Mittelweg finden zwischen Einsparungen und neuen Einnahmequellen“. Sein Neumünsteraner Kollege Stephan Beitz nennt die finanzielle Schieflage „eine ganz bittere Pille“. Es sei jetzt „eine große Aufgabe der schleswig-holsteinischen Fußballfamilie, hier eine Lösung zu finden. Das betrifft die Vereine und Funktionäre, aber auch die Führungsspitze im SHFV.“

 Mitarbeit: Dieter Behrens, Andreas Geidel, Reinhard Gusner, Bastian Kakossa, Jörg Lühn, Wolfgang Mahnkopf, Markus Weber, Jan-Phillip Wottge.

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Ein Artikel von
Michael Kluth
Ressortleiter Sportredaktion

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