18 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Ewiger Handballer mischt wieder mit

Uwe Schwenker Ewiger Handballer mischt wieder mit

Manchmal kommt es anders als man denkt. Uwe Schwenker hätte vor einem Jahrzehnt eher nicht darauf gewettet, dass er einmal Präsident der Handball-Bundesliga (HBL) sein würde.

Voriger Artikel
Boston soll aus dem Rennen sein
Nächster Artikel
Mit "Anstoß" in die neue Saison

Zum Golfen kommt Uwe Schwenker nur sporadisch. Als Präsident der Handball-Bundesliga mischt er auf vielen Ebenen mit.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Nun blickt der Kieler auf sein erstes Jahr in diesem Ehrenamt zurück, und die vor seiner Wahl am 2. Juli 2014 in Düsseldorf von der Deutschen Presse-Agentur gewählte Formulierung „Die Rückkehr des Alphatiers“ hat sich bewahrheitet.

„Ich mische wieder richtig mit, aber auf einer anderen Ebene“, bestätigt Schwenker, „ich bin so gut vernetzt wie früher.“ Die Ebene hat sich in der Tat geändert. Bis zum 7. April 2009 war der Linksaußen Manager des THW Kiel. Dann folgten der Handball-Manipulationsprozess und vier Jahre in der Verbannung. Als das Kieler Landgericht am 10. April 2013 den Ex-Nationalspieler endgültig vom Verdacht des Betrugs und der Untreue freisprach, zeigte der THW seinem Ehrenspielführer die kalte Schulter. Der ewige Handballer musste neue Wege beschreiten.

 Der mittlerweile 56-Jährige traf sich im ersten Schritt mit Andreas Rudolph, dem Macher des HSV Hamburg, der ihm das Angebot unterbreitet hatte, Manager an der Elbe zu werden. Ausgerechnet Rudolph, einer der Hauptbelastungszeugen während des Prozesses. Er habe einerseits mit Rudolph die Vergangenheit aufarbeiten wollen, sagt Schwenker. Andererseits, das gibt er zu, habe es ihn gereizt, wieder bei einem Top-Klub zu arbeiten. Schließlich jedoch, und darauf legt er Wert, sei er es gewesen, der abgesagt habe. So wie drei, vier anderen Vereinen, die ihn in die Bundesliga zurückholen wollten. Dann kam das Angebot der HBL, und Schwenker trat das Erbe seines alten Bremer Freundes Reiner Witte an. Was hat er in den zurückliegenden zwölf Monaten bewegt?

 Nun, da fällt dem Kieler Bezirkskommissar der Provinzial-Versicherung einiges ein. An der Suche von Männer-Bundestrainer Dagur Sigurdsson war er erfolgreich beteiligt. Und nachdem der Deutsche Handballbund (DHB) Ende März den Rücktritt von Präsident Bernhard Bauer beklagte („Bei der HBL und auch international war Bernhard sehr geschätzt“), regelte Schwenker mit Kollegen aus dem DHB-Präsidium zunächst die Nachfolge zugunsten von Andreas Michelmann. Nun steht der Oberbürgermeister von Aschersleben plötzlich in Frage. „Ich hatte gerade deswegen wieder eine Telefonkonferenz“, erzählte DHB-Vize Schwenker gestern Mittag.

 Doch solche Findungsgeschichten sind eher keine reizvollen Aufgaben für ein Alphatier. Wer im Handball alle und alles kennt, den beschäftigt vielmehr das Erscheinungsbild dieser Sportart. Dem Präsidenten liegt die „Positionierung des Handballs“ am Herzen, besonders auf Klubebene. Dafür ist er ja auch für drei Jahre gewählt, die HBL ist schließlich die Vertretung der Erst- und Zweitligisten.

 Auf dem Feld, das beackert werden muss, liegt als größter Brocken der neue Fernseh-Vertrag für die Bundesliga, der jetzige mit Sport1 läuft am Ende der Serie 2016/2017 aus. Auch Bestrebungen von europäischen Spitzenklubs, eine eigene Liga zu gründen, bezeichnet Schwenker als große Herausforderung. Und der Ehrenamtler lässt durchblicken, dass er sich aktiv einmischen und das Feld nicht seinen Hauptamtlern um Geschäftsführer Frank Bohmann überlassen will. Der hatte im April keck die Einführung von Playoffs vorgeschlagen, um die Dominanz des Serienmeisters THW zu brechen. „Abgehakt“, versichert Schwenker, „das ist im Moment absolut kein Thema.“

 So wird klar, dass der Hobby-Golfer kein Präsident ist, der seine Erfüllung als Festredner bei Vereinsjubiläen findet. „Man kann so ein Amt als Büffet-Raupe nutzen oder sich einbringen“, schmunzelt der Kieler. Hat er in den vergangenen zwölf Monaten Vorbehalte verspürt wegen des Prozesses? Nein, meint Schwenker, er habe immer wieder gehört „Schön, dass du wieder da bist“. Eine Aussage, auf die sein ehemaliger Klub sicherlich kein Urheberrecht geltend machen dürfte. „Ich bin überall gern gesehen, nur der THW hat ein etwas verkrampftes Verhältnis zu mir“, hat der Ehrenspielführer der Zebras registriert, weshalb er als HBL-Präsident auch „professionelle Distanz“ wahre. Obwohl, das verhehlt er nicht: „Emotional wird der THW immer mein Verein bleiben.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Gerhard Müller
Sonderthemen/Aktionen

Bei SmartBets findest du alle Wettquoten und Buchmacher der 1. Bundesliga.
Mehr aus Aktuelle Sport News 2/3