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Pumpe entnervte die DDR

Vor dem Handball-Länderspiel in Kiel Pumpe entnervte die DDR

Handball-Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft in Kiel stehen beim DHB offenbar nicht so hoch im Kurs. Zum Wintermärchen 2007, als Deutschland den WM-Titel im eigenen Land holte, wurden nur Spiele ohne deutsche Beteiligung im Kieler Handball-Tempel absolviert. Am Sonntag (15.15 Uhr) kommt Österreich in die Sparkassen-Arena.

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Die Wand: THW Kiels Torhüter Michael „Pumpe“ Krieter hatte am 21. November 1987 seinen großen Auftritt in der Ostseehalle, als er im Supercup-Halbfinale den 21:16-Erfolg der bundesdeutschen Handball-Nationalmannschaft gegen die DDR festhielt.

Quelle: KN-online

Kiel. Es ist das Kieler Länderspiel Nummer 27 in der Nachkriegsgeschichte. Erst zum fünften Mal werden in der Landeshauptstadt nicht aus Freundschaft die Wimpel getauscht. Am Sonntag wird das letzte Qualifikationsspiel zur EM in Polen (17. bis 31. Januar 2016) ausgetragen. Zwar ist die Partie bedeutungslos, da sich Deutschland mit dem Sieg in Finnland am Mittwoch bereits qualifiziert hat, doch das Spiel wird auch zeigen, wie begeisterungsfähig die Kieler in Sachen Handball abseits des THW sind. Es könnte im Zuge der Hamburger Olympia-Bewerbung ein wichtiger Fingerzeig sein, ob neben Segeln auch andere Sportarten in Kiel in das Konzept eingebaut werden können. Noch sind Restkarten verfügbar.

 Die Geschichte mit den vier wichtigen Länderspielen beginnt am 3. März 1961. Bei der Weltmeisterschaft spielt noch eine gesamtdeutsche Mannschaft. Das Kieler Handball-Idol Hein Dahlinger ist nicht mehr dabei, als Frankreich in der Ostseehalle aufläuft. Hein Daddel bestreitet lediglich das Vorspiel und muss sich hierbei der Hamburger Auswahl mit Otto Maychrzak – wegen der kraftvollen Würfe Atom-Otto genannt – mit 8:14 beugen.

 Dafür dürfen die 6000 Zuschauer später einen 21:7-Sieg gegen Frankreich feiern. Der Büdelsdorfer Claus Saß erzielt vier Tore. Zweimal erfolgreich ist Peter Kretzschmar, der Vater der späteren Legende Stefan. Obwohl Siegfried Brandt in seinem Bericht der Kieler Nachrichten die Prognose wagt, Deutschland könne das Endspiel erreichen, werden die Akteure des Trainerteams Werner Vick (DHB)/Heinz Seiler (DHV) am Ende Vierter. Der WM-Titel geht nicht zuletzt dank der Treffer von Torschützenkönig Petre Ivanescu an Rumänien.

 In den Folgejahren bestreitet Deutschland außer den Freundschaftsspielen nur noch drei offizielle Länderspiele. Am 3. Oktober 1973 gelingt dem deutschen Team im Ostseepokal ein knapper Sieg gegen Polen mit 16:15 (7:7), zehn Jahre später (2. November 1983) gibt es im Supercup eine 13:16 (7:6)-Niederlage gegen die Tschechoslowakei.

 Der Kreis der bedeutungsvollen Länderspiele schließt sich 1987. Ivanescu ist inzwischen deutscher Bundestrainer. Deutschland hat im Halbfinale um den Supercup die DDR zu Gast. 5000 Zuschauer strömen in den Handball-Tempel. 2000 Plätze bleiben leer. Diejenigen, die das Spiel in der Halle verpasst haben, „dürften sich geärgert haben“, schreibt Lothar Böttcher in seinem KN-Bericht. „Oh, wie ist es schön“, hallte es von den Rängen. Deutschland führt 21:16, und 20 Sekunden vor dem Ende verwandelt THW-Torhüter Michael Krieter die Ostseehalle in ein Tollhaus. „Pumpe“ wehrt einen Siebenmeter von Frank-Michael Wahl ab, hält einen Strafwurf von Rüdiger Borchardt und noch den Abpraller. Uwe Schwenker ist zu diesem Zeitpunkt schon ein Ex-Nationalspieler. Er wäre, so schreibt Böttcher, wohl nicht an Jochen Fraatz vorbei gekommen. Der Essener erzielt neun Tore.

 Tags darauf gewinnt das DHB-Team in der Dortmunder Westfalenhalle gegen die UDSSR zum zweiten Mal nach 1979 den Super-Cup. Von der Geburtsstunde eines WM-Favoriten ist Deutschland weit entfernt. Nach dem Verpassen der Qualifikation zur WM 1990 folgt der Abstieg in die „C-WM 1989“, und der Mann, der alle Fäden zieht, Ivanescu, muss die Nadel aus der Hand geben.

 Die Länderspielgeschichte des Landes umfasst 41 Spiele. Neben den Paarungen in Kiel machte die DHB-Auswahl siebenmal in Flensburg, sechsmal in Neumünster und zweimal in Lübeck Station.

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