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Die Siegesserie der Bad Boys ist vorbei

Handball-Nationalmannschaft Die Siegesserie der Bad Boys ist vorbei

Die Siegesserie des Handball-Europameisters Deutschland ist nach acht Siegen in Serie gerissen. Auf das berauschende 32:17 am Freitag in Leipzig im ersten von zwei Testspielen gegen Vize-Weltmeister Katar folgte am Sonntagnachmittag ein 24:26 (11:14), das deutliche Schwächen offenlegte.

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Die Deutsche Handball-Nationalmannschaft verlor gegen Katar.

Quelle: Annegret Hilse/dpa

Berlin. „Nach dem 15-Tore-Sieg am Freitag haben wir alle noch einmal gehört, wie toll wir sind. Heute waren wir mental nicht bereit“, ätzt Bundestrainer Dagur Sigurdsson nach enttäuschenden 60 Minuten in der mit 9000 Zuschauern ausverkauften Max-Schmeling-Halle. Sechs Jahr lang hatte der Isländer dort die Füchse Berlin trainiert. Dieses Länderspiel soll sein Abschied aus der Hauptstadt sein. Doch die Weltauswahl Katars macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Der Kuba-Katari Rafael Capote und Marko Bagaric – einst ein Kroate – befehligen eine im Vergleich zum Test von Leipzig wie ausgewechselte, energische Deckung der Gäste. Deutschland beginnt mit einer offensiven 5:1-Abwehr mit Patrick Groetzki an der Spitze, stellt nach einer Viertelstunde auf 6:0 um und kommt trotzdem nicht ins Spiel.

Fünf Europameister stehen in der Anfangsformation, Andreas Wolff gibt im Tor keine gute Figur ab, zwischen dem 8:7 (19.) und 8:11 (23.) macht sich torlose Ideenlosigkeit breit. Die „Bad Boys“ lassen sich allzu oft von schnellen, unbequemen Vize-Weltmeistern narren. In der Deckung fehlt Hendrik Pekeler (krank), doch das größte Defizit zeigt sich in dem Ensemble ohne acht Spieler aus dem Team, das sechs Wochen zuvor Europameister geworden war, im Offensivbemühen. Pevnov und Späth statt Pekeler, Schmidt, Kohlbacher am Kreis. Und das Fehlen des oft unterschätzten und aus privaten Gründen abgereisten Martin Strobel sowie des Gold-Spielmachers Steffen Fäth (Schulterprobleme) wird zur zentnerschweren Hypothek. Nun ist Simon Ernst ebenso wie der für den an der Hand verletzten EM-Helden Kai Häfner nachnominierte Michael Müller eingeladen, seine Olympia-Bewerbung einzureichen. In der Rückraum-Mitte ziehen zuerst Niclas Pieczkowski, später Paul Drux die Fäden. Doch dessen noch weit hinter Normalform mäandernde Uwe-Seeler-Behäbigkeit versetzen das deutsche Spiel in einen lähmenden Aggregatzustand des Standhandballs.

Längst ist der EM-Titel Geschichte, hat das Olympia-Casting für Rio begonnen. Doch zwischen Abspielfehlern und Konzeptlosigkeit deutet sich beim 14:21 (43.) ein Debakel an. „Unsere Chancenauswertung war schwach“, zürnt Sigurdsson. Da reiht sich auch der Kieler Rune Dahmke kurzzeitig ein, dem der Ball bei seiner ersten echten Chance durch die Finger gleitet. Immerhin, Sekunden später macht er mit einem kraftvollen Tempogegenstoß-Finish seinen Fehler wieder gut (19:23, 53.), erzielt schließlich drei Tore in sieben Minuten, trägt zur Ergebniskosmetik bei. Zu viele Fehler wie der schwache Gegenstoß-Abschluss von Johannes Sellin (57.), der Goran Stojanovic den Ball auf den Fuß wirft, verhindern mehr in diesem missglückten Olympia-Casting.

Deutschland – Katar 24:26 (11:14)

Deutschland: Andreas Wolff (HSG Wetzlar; 1.-27. Minute/6 Paraden), Carsten Lichtlein (VfL Gummersbach; ab 27./6), Silvio Heinevetter (Füchse Berlin; n.e.) – Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen) 4/2, Johannes Sellin (MT Melsungen) 3/2, Finn Lemke (SC Magdeburg), Fabian Wiede (Füchse Berlin) 2, Patrick Groetzki (RN Löwen) 3, Michael Müller (Melsungen) 3, Evgeni Pevnov (Gummersbach) 1, Rune Dahmke (THW Kiel) 3, Julius Kühn (Gummersbach) 3, Manuel Späth (Frisch Auf Göppingen), Simon Ernst (Gummersbach) 1, Niclas Pieczkowski (TuS N-Lübbecke), Paul Drux (Füchse) 1.

Katar: Magdi (1.-30. Minute/6 Paraden), Stojanovic (bei zwei 7m und ab 31./10) – Markovic 8/4, Bagaric 1, Roine 2, Capote 5, Lopez n.e., Murad 3, Memisevic, Vidal, Mallash 5, Tomic, Sami n.e., Benali 1, Velic , Alla 1.

Schiedsrichter: Palsson/Eliasson (Island) – Strafminuten: GER 6 (Müller, Gensheimer, Ernst), QAT 4 (Bagaric, Benali) – Siebenmeter: GER 5/4 (Gensheimer scheitert an Stojanovic), QAT 5/4 (Lichtlein pariert Markovic) – Spielfilm: 1:0, 1:2, 3:3 (6.), 4:6 (13.), 8:7 (19.), 8:11 (23.), 10:12, 11:14 – 11:16, 12:18, 14:21 (43.), 17:22, 19:23 (53.), 21:25 (57.), 24:26 – Zuschauer: 9000 in der ausverkauften Berliner Max-Schmeling-Halle.

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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DHB-Team für Olympia
Foto: Zwei Linksaußen für Rio? „Die mannschaftliche Geschlossenheit ist unsere Stärke“, sagt Rune Dahmke (re.). Bei der EM war der Kieler „Alleinunterhalter“ auf Linksaußen, bekommt jetzt auch schon mal Getränk und Handtuch von Kapitän Uwe Gensheimer (li.) gereicht.

14 aus 25 – mindestens. Dagur Sigurdsson steht vor seiner womöglich schwersten Aufgabe als Handball-Bundestrainer. Er muss selektieren, muss die Europameister neu herunterbrechen, muss Germany’s 14 next Olympia-Handballer aus einem großen Kreis von Kandidaten herausfiltern.

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