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„Sie war auch launisch auf dem Platz“

Interview mit Kerbers Ex-Trainer „Sie war auch launisch auf dem Platz“

Das Telefon klingelt während des Interviews mit Herbert Horst im Minutentakt. „Seit drei Tagen komme ich nicht mehr dazu, etwas in Ruhe zu tun“, seufzt der Trainer des Tennisverbandes Schleswig-Holstein. Der Grund: Angelique Kerbers Sieg bei den Australien Open. Er war jahrelang ihr Trainer.

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Herbert „Herby“ Horst (60) ist auch heute noch als Nachwuchstrainer des schleswig-holsteinischen Tennisverbands aktiv. Das Talent von Angelique Kerber erkannte er früh.

Quelle: Sonja Paar

Wahlstedt. Damals wie heute ist „Herby“, wie der 60-Jährige von seinen Schützlingen, Eltern und Kollegen genannt wird, für den Tennisnachwuchs zuständig. Er begleitete den „Edelstein“ Angie Kerber in den wichtigen Teenagerjahren und wird nun mit Anfragen der verschiedensten Medien überschüttet. Wir trafen den zurückhaltenden Südafrikaner im Landesleistungszentrum in Wahlstedt.

Herby, können Sie sich noch daran erinnern, wann Ihnen Angelique Kerber das erste Mal aufgefallen ist?

Ja, das war bei den Landesmeisterschaften U12 in Wellsee. Ich wusste, dass da in Kiel ein Tennistalent ist und sie dort startet. Bis dahin hatten wir noch nichts miteinander zu tun, aber man sah gleich, da steht ein Mega-Talent auf dem Platz. Sie hatte etwas Besonderes. Man sah, dass sie wusste, wann sie schnell und wann sie langsam spielen musste. Sie hat von vornherein Vieles instinktiv richtig gemacht.

Der Sieg ist, wenn man dem andauernden Telefonklingeln glaubt, auch ein Erfolg „made in Schleswig-Holstein“?

Absolut, ohne wenn und aber. Ich habe Angie zum Landestraining eingeladen. Da sie sehr stark war, hat sie viel mit den Jungs trainiert und bekam nach und nach immer mehr individuelles Training. Ich bin mit ihr auf vielen internationalen Turnieren gewesen und habe dann die Aufgabe an Torben Beltz abgegeben, den ich lange kenne und sehr schätze. Da ist schon ein roter Faden. Bis sie 16, 17 Jahre alt war, haben wir ihr hier in Schleswig-Holstein ein gutes Umfeld geboten.

Stimmt es, dass die junge Angie damals immer alle genervt hat, weil sie ständig jemanden zum Tennisspielen gesucht hat?

Ja, und das ist ein Teil ihres Erfolges. Angie hat viele Erfahrungen in diesen lockeren Spielen gemacht, etwa so wie Kinder beim Straßenfußball. Sie wollte immer Tennis spielen. Wenn keiner da war, hat sie Ball und Schläger genommen und ist an die Tenniswand gegangen.

Es war also immer unproblematisch im Training?

Nein, Angie war auch launisch auf dem Platz, wie alle Kinder im Wachstumsalter. Sie war manchmal genial und manchmal nicht so gut. Als Mensch ist sie sehr dickköpfig. Das ist manchmal ein bisschen schwierig, aber wichtig, um dahin zu kommen, wo sie jetzt ist. Aber wir als Verband haben einen langen Atem und viel Geduld. Man muss auch an die Kinder glauben, wenn die ihre schwachen Phasen haben. Die kontinuierliche Arbeit ist da wichtig.

Was wünschen Sie Ihrer ehemaligen Tennisschülerin?

Ich wünsche ihr, dass sie gesund bleibt und noch eine wunderschöne Zeit auf der Tour hat, die sie genießen kann. Das hat sie verdient. Angie ist nun Nummer zwei in der Welt. Sie hat so viel Tennis in sich, dass sie das halten kann und bestimmt spätestens auf Rasen mit ihrem Spiel ganz vorne mit dabei ist.

Interview: Sonja Paar

Das komplette Interview finden Sie morgen in der Print-Ausgabe der Kieler Nachrichten.

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Wie hat Angelique Kerber in den vergangenen Tagen immer so schön gesagt: Ihre Profikarriere bestehe genau genommen aus zwei Teilen. Der erste begann 2003 und mündete nach acht Jahren in eine ausgeprägte Sinnkrise. Erst kürzlich wieder bezeichnete die 28-Jährige diese düsteren Monate im Jahr 2011 als „die härteste Zeit meines Lebens“.

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