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Verlängert Alfred Gislason vorzeitig?

Interview mit dem Trainer des THW Kiel Verlängert Alfred Gislason vorzeitig?

Mit dem 20. Meistertitel hat der THW Kiel seine Ausnahmestellung im nationalen Handball untermauert. Doch die Saison lief nicht so rund, wie es die Experten vermutet hatten. Als klare Favoriten gestartet, stolperten die Zebras bereits im ersten Spiel, lieferten sich mit den Rhein-Neckar Löwen erneut bis zum Ende ein enges Duell. Doch am Ende triumphierte der THW. Trainer Alfred Gislason blickt im Gespräch mit Wolf Paarmann und Ralf Abratis voraus.

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Müde, aber glücklich: Alfred Gislason (li.) verfolgte die Verabschiedung seiner ehemaligen Spieler sitzend. Auch Manager Thorsten Storm war bester Laune. Er wollte am Tag danach auf Sylt die Vertragsverlängerung mit dem Trainer perfekt machen. Oder hatte er schon?

Quelle: Uwe Paesler

Herr Gislason, im Final4 wurde der THW Vierter, im Pokal war im Viertelfinale Endstation, aber das Ende war versöhnlich. Sind Sie zufrieden?

Ich bin vor allem erleichtert. In den letzten zwei Jahren hatte ich mit dem Umbau der Mannschaft viel Arbeit. Vor dieser Saison waren zwar viele optimistisch, aber dann kam es doch anders. Aron (Palmarsson, d. Red.) und Rasmus (Lauge, d. Red.) schleppten Verletzungen mit. Nach vier Spielen hatten wir nur vier Punkte. Und Filip (Jicha, d. Red.) kam nach der Überlastung in der Saison zuvor nicht in Fahrt. Plötzlich hatte ich im Rückraum nur die Neuen. Und die brauchten Zeit, um sich auf unser schwieriges System einzustellen. In der Rückrunde hatten wir dazu das Torhüter-Problem mit der Verletzung von Palle (Andreas Palicka, d. Red.) und der Erkrankung von Johan (Sjöstrand, d. Red.), dazu den Kreuzbrandriss von Dominik (Klein, d. Red.). Kompliment an meine Mannschaft, dass sie all das kompensiert hat. Das war schon eine bekloppte Saison. So wie die vergangene...

Was ist Ihnen noch positiv in Erinnerungen geblieben?

Ich freue mich sehr für Andreas Palicka, er hat mit deutlichem Abstand seine beste Saison für den THW gespielt.

Mit Kim Sonne im Tor und Linksaußen Rune Dahmke hatten Sie zwei junge Spieler ins Team geholt, die dann in die Verantwortung gedrängt wurden. Wie sehen Sie ihre Entwicklung?

Sie waren für uns in den entscheidenden Spielen unglaublich wichtig. Ich bin stolz auf die Jungs. Das haben sie wirklich gut gemacht. Und ich bin natürlich glücklich darüber, dass mich mein Bauchgefühl nicht getrogen hat.

Mit Christian Dissinger und Alexander Williams geben sie erneut zwei jungen Spielern eine Chance...

Das macht mir Spaß, junge Leute zu entdecken und aufzubauen. Aber wir werden sie auch brauchen. Filip (Jicha, d. Red.) muss wegen seiner Schambeinentzündung erneut acht Wochen pausieren und wird die Vorbereitung verpassen. Leider hat auch Dissinger im Moment Schulterprobleme. Eine breite Basis im Rückraum ist aber wichtig.

Der Transfer von Dissinger, der schon zwei Kreuzbandrisse verkraften musste, hat viele überrascht...

...im Vergleich zu den anderen Top-Mannschaften fehlte uns in der vergangenen Saison die Durchschlagskraft aus dem linken Rückraum. Ich habe mir diesbezüglich viele Videos angesehen und bin immer wieder bei Dissinger gelandet. Außerdem ist er ein guter Abwehrspieler. Außer ihm würden uns im Rückraum nur Nikola Karabatic (noch FC Barcelona, aber auf dem Weg nach Paris, d. Red.) und Mikkel Hansen (gerade in Paris bis 2019 verlängert. d. Red.) helfen, aber die haben andere Pläne. Was Paris bezahlt, werden wir nie bezahlen können. Alle anderen Spieler, die ich mir im Rückraum wünschen kann, sind schon Kieler. Und Dissinger wird jetzt einer.

Die Verträge der Linksaußen Dominik Klein und Rune Dahmke laufen im Juni 2016 aus. Ist es trotz der Spekulationen um Uwe Gensheimer denkbar, dass der THW mit diesem Duo verlängert?

Ja. Dominik hat bis zu seinem Kreuzbandriss seine bislang beste Saison in Kiel gespielt, wir müssen ihm die Chance geben, wieder zu dieser Form zu finden. Und Rune hat in der vergangenen Saison einen sehr großen Schritt gemacht.

Mit Rasmus Lauge und Aron Palmarsson verlassen zwei gestandene Spieler den THW, mit Christian Dissinger und Alexander Williams kommen zwei, deren Leistungsvermögen nicht genau einzuschätzen ist. Wird der THW schwächer?

Nein. Auch in der vergangenen Saison standen mir die sieben Rückraumspieler nur am Ende zur Verfügung. Was mir für Rasmus leid tut, der sich nach seinem Kreuzbandriss wieder herangekämpft hatte. Aber als er wieder da war, waren auch alle anderen wieder fit. Ich bedauere es sehr, dass Aron geht. Aber ich respektiere sie auch. Er kam als 18-Jähriger nach Kiel. Und wenn er nun herausfinden möchte, ob das Gras woanders grüner ist, dann soll er das machen. Wie gesagt, ich bin von Dissinger überzeugt. Und auch Williams traue ich zu, sich in der Bundesliga durchzusetzen.

Filip Jicha hat trotz seines langen Ausfalls gezeigt, wie wichtig seine Präsenz auf dem Feld ist. Er ist inzwischen 33 Jahre alt, sein Vertrag läuft 2017 aus. Planen Sie darüber hinaus mit ihm?

Wir wollen gern länger mit ihm zusammen arbeiten. Aber über die kommende Saison hinaus haben wir noch keine Gespräche geführt. Er muss jetzt erst einmal gesund werden. Sein Alter wird kein Kriterium sein, nur die Leistung zählt.

Im Tor wird es mit Niklas Landin und Nikolas Katsigiannis einen kompletten Umbruch geben. Ist das eine Achillesferse?

Das denke ich nicht. Niklas spielt auch jetzt schon hinter einer offensiven Abwehr. Und in der Nationalmannschaft hat er auch Rene (Toft Hansen, d. Red.) vor sich. Er wird sich sehr schnell auf unser Spiel einstellen.

Mit dem neuen Champions-League-Format wird es in der neuen Saison noch mehr schwere Spiele geben. Wird die Belastung irgendwann zu hoch?

Die neue Champions League finde ich sehr interessant. Problematischer ist die wachsende Zahl von Lehrgängen für die Nationalmannschaft. Das unterbricht immer wieder unseren Rhythmus. Wir sind an zwei Spiele in der Woche gewöhnt. Damit kommen wir trotz der hohen Belastung gut zurecht.

Welche Vereine gehören für Sie zum Favoritenkreis in der kommenden Champions-League-Saison?

Mit Paris St.-Germain wird es diesmal einen ganz großen Favoriten geben. Diese Mannschaft war schon richtig gut und wird mit Nikola Karabatic nun noch besser werden.

Was sind Ihre Lehren aus dieser und die Wünsche für die kommende Saison?

Die Abwehr hat sehr gut funktioniert. Dule (Domagoj Duvnjak, d. Red.) hat in der vorgezogenen Position eine überragende Saison gespielt. Und Joan (Canellas, d. Red.) ist sehr flexibel. Aber der Entwicklungsprozess ist noch nicht komplett abgeschlossen. Es gilt, die individuellen Stärken herauszufinden. Ich möchte auf dieser Saison gern aufbauen. Und es wäre schön, wenn unsere künftige Verpflichtung, Nikola Bilyk aus Wien, tatsächlich schon 2016 kommen würde.

Wie sieht Ihre Entspannung von dieser Saison aus?

Ich fahre in mein Haus in der Nähe von Magdeburg und nehme dort den Akku aus meinem Handy.

Ihr Vertrag läuft 2017 aus. Bleiben Sie länger?

Das kann ich mir gut vorstellen.

Interview: Ralf Abratis und Wolf Paarmann

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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