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Eine Niederlage, die lächeln lässt

Kerber nach Wimbledon-Finale Eine Niederlage, die lächeln lässt

Es war das Duell zwischen den derzeit besten Tennisspielerinnen der Welt, auf dem bedeutendsten Center Court der Welt – in Wimbledon, beim als „Heiligen Gral“ geltenden Rasenklassiker von London. Mittendrin: Angelique Kerber.

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Schöne Szene nach dem Match: Angelique Kerber gratuliert Serena Williams, die Wimbledon-Siegerin zollt ihrer Gegnerin Respekt.

Quelle: Frank Molter

London. Zum zweiten Mal in diesem Jahr und zum zweiten Mal gegen Serena Williams stand sie in einem Grand-Slam-Finale. Aber nach ihrem Sieg in Melbourne zog die Kielerin diesmal trotz einer bärenstarken Leistung gegen die US-Amerikanerin den Kürzeren. Die Weltranglistenerste aus Florida siegte verdient 7:5, 6:3 und schrieb mit ihrem 22. Major-Titel Sport-Geschichte.

Das sind die Bilder vom packenden Finale zwischen Angelique Kerber und Serena Williams.

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Das Endspiel von Wimbledon steht dem Melbourne-Finale in punkto Dramatik und Klasse in nichts nach. 15000 begeisterte Tennis-Fans grölen und johlen ob der mitunter elektrisierend langen Ballwechsel im All England Tennis Club. Dort, wo Steffi Graf vor 20 Jahren als letzte Deutsche triumphierte. Dort, wo Angelique Kerber 2011 eine ihrer schwärzesten Stunden erlebte, ihrer vermeintlich übermächtigen Kontrahentin nun aber ein überragendes Match liefert. Selbst US-Sängerin Beyoncé und Ehemann Jay Z hält es in der glamourösen Williams-Box kaum auf ihren Sitzen. Bis zum 5:6 agiert Kerber auf Augenhöhe. Bis ihr zwei Fehler unterlaufen, Williams sich nach 47 Minuten den ersten Satz schnappt und ihre Anspannung wie in Trance aus sich heraus schreit. Williams in der Komfortzone, ein schlechtes Signal für die Gegnerin.

"Was soll ich nur machen"-Geste

Zehn Meter links des Williams-Gefolges stockt Kerbers Großmutter Maria, Trainer Torben Beltz, Mutter Beata, Physiotherapeutin Cathrin Junker sowie Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner und ihrem Lebenspartner Matthias Müller sekündlich der Atem. Vor allem im zweiten Satz, als sich die deutsche Nummer eins beim Stand von 3:3 als eine der wenigen Spielerinnen im Turnier anschickt, der an diesem Tag monströs gut aufschlagenden Williams das Service abzunehmen.

Doch es folgt abermals das, was an diesem schönen Nachmittag im schönen Südwesten Londons insgesamt 13 Mal geschieht: Williams drischt Kerber zwei perfekt platzierte Asse um die Ohren, ohne dass die Deutsche die Chance hat, den Ball zu berühren. Kerbers „Was soll ich nur machen“-Geste spricht Bände. Kurze Zeit später ist das Match nach 1:21 Stunden Spielzeit um 15.36 Uhr Ortszeit vorüber und die US-Amerikanerin im siebten Wimbledon-Himmel.

Bei Mutter Beata fließen längst die Tränen

Mit ihrer Analyse trifft Angelique Kerber nach dem Match den Kern des sehenswerten Tennis-Krimis: „Hätte man das Match ohne Aufschläge gespielt, wäre es vielleicht anders ausgegangen“, orakelt sie nach ihrem ebenbürtigen Auftritt. Die Enttäuschung ist groß, aber ebenso der Stolz auf das Geleistete. „Ich bin traurig, aber ich werde nie das Gefühl vergessen, wie es auf dem Platz war. Ich habe mein Herz dort gelassen“, beschreibt die blonde Kielerin ihre Achterbahnfahrt der Gefühle. „Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich habe nichts verloren, sondern Serena hat das Finale gewonnen.“

Filmreif die Szenen nach dem Matchball. Williams fällt rücklings auf den Rasen, herzt sich am Netz mit Kerber und steppt den Siegertanz. Das Mikrophon gebührt zu erst der Verliererin: Bei der Siegerehrung dankt Angelique Kerber ihrem Team und der Familie: „Es ist sicher nicht immer leicht mit mir“, sagt sie mit tränenerstickter Stimme, bevor sie sich vor den Augen der Tennis-Legenden Martina Navratilova und Martina Hingis mit ihrer kleinen „Pokal-Schale“ auf eine Ehrenrunde begeben darf. „Aber ihr habt immer an mich geglaubt.“ Ein emotionaler Moment. Da fließen bei Mutter Beata längst die Tränen.

Zu Beginn des Jahres hatte Angelique Kerber angekündigt, dass sie es bei den großen Turnieren endlich richtig wissen wolle. Und trotz des enttäuschenden Erstrunden-Fauxpas' in Paris ist diese Mission spätestens seit Sonnabend erfüllt. Die Kielerin steht in der Weltrangliste von Montag an wieder verdient auf Platz zwei und ist endgültig in der Weltspitze des Tennis angekommen. Eine wichtige Erkenntnis für die 28-Jährige, die sich stante pede in Selbstbewusstsein verwandelt. Kerber: „Ich weiß, dass ich noch weitere Finals spielen werde. Und dann mit einem anderen Ergebnis!“ Zwei eindrucksvolle Wochen lässt die 20-köpfige Kerber-Entourage am Abend beim Italiener ausklingen. mol

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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Foto: Stolz auf ein starkes Finale: Angelique Kerber gab alles im Finale von Wimbledon, doch es hat nicht gereicht.

Angelique Kerber war stark, aber chancenlos im Wimbledon-Finale gegen Serena Williams. Die US-Amerikanerin revanchierte sich für das Melbourne-Endspiel. Dank ihres 22. Grand-Slam-Titels steht sie nun auf einer Stufe mit Steffi Graf.

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