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„Ich bin im Melbourne-Modus“

Kerber vor Wimbledon-Finale „Ich bin im Melbourne-Modus“

161 Tage nach der magischen Nacht von Melbourne greift Tennis-Profi Angelique Kerber am heutigen Sonnabend (15 Uhr MESZ/kostenloser Livestream auf Sky.de) nach dem zweiten Grand-Slam-Titel innerhalb eines halben Jahres. Die Kielerin steht erstmals im Einzelfinale von Wimbledon.

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Angelique Kerber steht vor ihrem großen Finale in Wimbledon.

Quelle: Andy Rain/dpa

London. Wie am 30. Januar in Australien bekommt sie es dort mit der Weltranglistenersten Serena Williams aus den USA zu tun.

 Der Tag vor einem Grand-Slam-Finale dürfte sich für die Protagonisten wie Kaugummi in die Länge ziehen. Training, Medientermine, Behandlungen und dann nur noch Warten – während Serena Williams am Freitag mit ihrer Schwester Venus gegen Julia Görges und Karolina Pliskova (7:6, 6:4) auch noch den Einzug ins Doppel-Finale perfekt machte, versuchte Angelique Kerber ihre Lockerheit der vergangenen zwei Wochen zu konservieren. „Kopf und Körper geht es gut. Noch bin ich entspannt“, sagte die deutsche Nummer eins und fügte an: „Ich bin sogar entspannter als damals in Australien. Ich weiß jetzt, was auf mich zukommt. Ich bin im Melbourne-Modus.“

 Wer die blonde Schleswig-Holsteinerin im bisherigen Turnierverlauf genauer beobachtet hat, konnte sich eines Eindrucks nicht erwehren: Im Gegensatz zu vielen Turnieren nach den Australien Open wirkte die 28-Jährige auf dem Platz so unantastbar wie die Kleiderordnung im „All England Lawn Tennis and Croquet Club“. Und auch außerhalb des Courts gab sich die neue Weltranglistenzweite locker und gelöst. Bei ihren regelmäßigen Besuchen im TV-Studio von Sky strahlte die deutsche Frontfrau neben Moderator Yannick Erkenbrecher und Experte Patrick Kühnen ein derart großes Selbstvertrauen aus, wie man es zuletzt nur „Down under“ und nur ansatzweise auch beim Fed-Cup in Rumänien erlebt hatte.

 Als mentale Gradmesser dürften für Kerber die Matches gegen Carina Witthöft und Simona Halep in den persönlichen Turnier-Rückblick eingehen. 2015 hatte Kerber in Runde drei noch gegen die Spanierin Garbine Muguruza Satz eins mit 10:12 verloren. Diesmal gleicher Court und gleiche Runde: Gegen Witthöft schnappt sich Kerber mit 13:11 den Eröffnungssatz. „Da kamen die Erinnerungen schon hoch“, gab Kerber hinterher zu. „Aus dem Mugurza-Match hatte ich viele Lehren gezogen.“ Zweites Beispiel: Im Viertelfinal-Match gegen Halep schiebt Kerber beim Stand von 2:1 im zweiten Durchgang einen vermeintlich leichten Flugball ins Aus und kassiert das Break zum 2:2. Doch statt mit dem Fauxpas zu hadern, kehrt die Kielerin unerschrocken zu ihrem Arbeitsplatz auf der Grundlinie zurück und holt sich völlig humorlos acht Punkte in Folge.

 Ein Sieg noch fehlt Angelique Kerber, um als dritte Deutsche nach Cilly Aussem (1931) und der siebenfachen Gewinnerin Steffi Graf (zuletzt 1996) beim bedeutendsten Tennis-Turniers der Welt zu triumphieren. „Das wäre die Krönung und etwas ganz Besonderes“, sagte Kerber, die die großen Erwartungen aus der Heimat ausblenden will. „Ich versuche, nicht zu viel zu lesen und zu viel an mich ranzulassen. An dem Druck bin ich bei den French Open in Paris gescheitert, daher denke ich jetzt nicht zu viel darüber nach.“

 Völlig frei von Gedankenspielen dürfte Superstar Serena Williams ebenfalls nicht sein. Seit 177 Wochen die Nummer eins der Damen-Welt, fehlt ein lang ersehnter Sieg, um im Tennis-Olymp weiter nach oben zu klettern. Seit dem vergangenen Jahr jagt sie den Grand-Slam-Rekord von 22 Titeln, der bisher die Ikone Steffi Graf einzigartig macht. Die letzten beiden Major-Endspiele gingen gegen Kerber (Australian Open) und Muguruza (French Open) verloren. Und genau hier sieht Angelique Kerber ihre Chance. „Sie hat auch Druck. Ich muss sie zum Laufen bringen. Wenn sie in ihrer Komfortzone steht, schlägt sie alle 6:1 und 6:1.“

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Wimbledon-Sieg
Foto: Angelique Kerber war chancenlos im Finale von Wimbledon.

Angelique Kerber kämpfte am Sonnabend vergeblich um den ersten Wimbledon-Titel einer deutschen Tennisspielerin seit Steffi Graf vor 20 Jahren. Die 28 Jahre alte Australian-Open-Siegerin aus Kiel verlor in zwei Sätzen gegen Serena Williams. Lesen Sie den Spielverlauf im KN-Liveblog noch einmal nach.

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