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Turntanz mit Mut und Vertrauen

Kieler Turnverein Turntanz mit Mut und Vertrauen

Sportakrobatik, das ist Schlittschuhlaufen ohne Eis. So erklären die Nachwuchsakrobaten aus Kiel ihre Sportart. Als einziger Verein in Schleswig-Holstein bietet der Kieler Turnverein (KTV) die Sportakrobatik als Wettkampfsport an - und hat jetzt die Nordwestdeutsche Meisterschaft ausgerichtet.

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Anmut ist auch dabei: Melanie Nieberding und Luca Tappe von der OSC Damme zeigen es eindrucksvoll bei der Nordwestdeutschen Meisterschaft der Sportakrobatik in Kiel.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Die Hein-Dahlinger-Halle wandelt sich für die Meisterschaft tatsächlich in eine Mischung aus Tanzsaal und Eislaufarena. Die Zuschauerränge sind gut gefüllt. Zu den Seiten der zwölf mal zwölf Meter großen Bodenturnmatte sitzen fein gekleidete Schiedsrichter an langen Tischen. Die vielen Helfer der Sparte haben ein rotes Sofa am Eck der Turnmatte, umrahmt von Grünpflanzen, platziert, damit die jungen Athleten dort auf ihre Wertung des Wettkampfgerichts warten können.

 Bei der Sportakrobatik können Zweier-, Dreier- und Viererteams antreten, die in ihrer zweieinhalb Minuten langen Kür zu Musik eine Mischung aus Tanz und gymnastischen Elementen zeigen. Die Kampfrichter bewerten die Hebe-, Wurf- und Balanceübungen in der Kür, den Ausdruck, das Rhythmusgefühl und auch, ob die Turnanzüge zur Musik passen. „Der Wertungskatalog ist ganz schön kompliziert“, weiß Sylke Hansen vom KTV. Im Übrigen sei die Sportakrobatik eine tolle Herausforderung für die Kinder.

 Die Turner lernen schnell Vertrauen und Mut. Schließlich fängt man bei der Sportakrobatik als Oberfrau an. Wer klein ist, wird gehoben und geworfen und muss sich sicher sein können, die da unten, die fangen mich schon wieder auf.

 Ganz neu als Oberfrau ist Sophie Malia bei dem Wettkampf dabei. Die Siebenjährige turnt mit Marike Schröder, die am Wettkampftag ihren zehnten Geburtstag feiert, und Julia Brzozowski. Sie ist mit ihren zwölf Jahren die erfahrenste im Bunde und gerade erst zur Unterfrau geworden, weil sie inzwischen recht groß ist. Das Trio hat sich gerade erst gefunden. Vier Mal in der Woche stehen sie in Kiel in der Halle, machen Krafttraining, lernen Bodenturnelemente und üben ihre Pyramiden. „Wir sind aufgeregt, weil wir das erste Mal zusammen antreten und noch nicht richtig eingespielt sind“, erzählt Julia.

 Die Musik beginnt. Julia, Marike und Sophie wirbeln los. Manchmal sind sie nicht ganz synchron, und beim Spagatheber wackelt Sophie auf den Händen ihrer Unterfrauen. Am Ende fließen ein paar Tränen. Das Trio belegt Rang fünf. „Da ist noch viel Luft nach oben. Wir wissen jetzt aber, was wir aus der Kür rausnehmen wollen und welche Elemente besser wären“, sagt Marike zum Abschluss.

 Dann läuft sie schnell in die Zuschauerränge, denn ein ganz besonderer Auftritt steht auf dem Programm. Camille Herrmann (17) und Lilly Kutta (12) aus Schwerin präsentieren ihre Kür. Die Turnerinnen aus dem Bundeskader sind gerade zurück von der Weltmeisterschaft in China. Dort haben sie einen beachtlichen fünften Rang belegt. Während die beiden zierlichen Mädchen über die Matte wirbeln, geht ein Raunen durchs Publikum. Federleicht wirken die Hebepartien, spielerisch meistern Camille und Lilly die Flugelemente. Natürlich belegen sie am Ende in der Profiklasse den ersten Platz.

 Auch Alexander (17) und Kristijan (11) Hauk aus Düsseldorf überzeugen mit ihrem Vortrag und können sich ebenfalls über den ersten Platz in der Profiklasse freuen. „Ich turne schon seit sechs Jahren, und irgendwann hat mein Bruder, der mich zum Training gebracht hat, auch angefangen. Jetzt können wir zusammen antreten“, sagt Kistijan. Seine Mutter sei damals „ganz verrückt geworden“, weil er immer auf dem Sofa rumgesprungen sei, und dann habe eine Nachbarin ihn mit zur Sportakrobatik genommen. „Seitdem kann ich mich auspowern und habe Spaß mit anderen Kindern. Das ist doch toll“, sagt er und grinst.

 Viel Spaß haben an dem Wochenende auch die Kieler Turner. Das viele Training, die Liegestütze und das Spagat dehnen hat sich gelohnt. In der Nachwuchsklasse konnten die KTVler einige Meistertitel nach Kiel holen.

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