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Autobiografie sagt Ja zum Leben

Kirsten Bruhn Autobiografie sagt Ja zum Leben

Es gibt Bücher, die bewegen, obwohl man sie im Sitzen oder Liegen liest. Kirsten Bruhn hat mit dem Journalisten Jörg Lühn ihre Autobiografie verfasst. Am Mittwochmorgen stellt sie das Buch in der ZDF-Sendung „Volle Kanne“ (9 Uhr) vor.

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Die Biografin und ihr Co-Autor. „Mein Leben und wie ich es zurückgewann“ heißt das Buch von Schwimmerin Kirsten Bruhn und Jörg Lühn, aufgenommen am Dienstag im Freibad Neumünster.

Quelle: Anja Rüstmann

Kiel. In „Mein Leben und wie ich es zurückgewann“ schildert die dreimalige Paralympicssiegerin im Schwimmen, wie ein unverschuldeter Motorradunfall 1991 in Griechenland und die inkomplette Querschnittslähmung ihre Lebensplanung zerstörte. Und wie sie ihr Schicksal mühsam nicht nur zu akzeptieren lernte, sondern wie sie mit Willen und Energie – fast – alles ins Positive wendete.

„Ohne den unglücklichsten Tag in meinem Leben hätte es die glücklichsten wohl nie gegeben“, lautet ein Satz, der die Botschaft dieses 142-Seiten-Werks vortrefflich zusammenfasst. Kirsten Bruhns Geschichte ist ein Mutmacher für alle, die nach einem schweren Schicksal verzweifelt nach dem Sinn ihres Lebens suchen. So wie die damals 22-Jährige, die im Sommer vor 25 Jahren in der Kieler Uni-Klinik von einem Arzt einen niederschmetternden Satz hört: „Frau Bruhn, das mit dem Gehen können sie vergessen!“ Sie habe daraufhin so viel geheult, dass es ihr manchmal so vorgekommen sei, als habe sie gar keine Tränen mehr.

Nicht am Schicksal zerbrochen

Die heute 46 Jahre alte Rollstuhlfahrerin fühlt sich trotz elf paralympischen Medaillen und 54 Welt- und Europarekorden als Repräsentantin einer Menschengruppe, die täglich mit diesem Schicksal umgehen muss. Sie sei nicht an ihrem Schicksal zerbrochen, sondern habe ihre Kräfte mobilisiert und in Stärke verwandelt. Auch wenn auf dem Weg dorthin so viele Tränen geflossen seien, dass damit ein ganzes Schwimmbecken hätte gefüllt werden können. Eine Stärke dieses Buches ist die Offenheit, mit der die Neumünsteranerin und ihre Eltern den Weg des gemeinsamen Leidens beschreiben. Das beginnt mit der Reha in Hamburg, an die sich Kirsten Bruhn so erinnert: „Ich habe einen Oberkörper, der funktionstüchtig und nutzbar ist, und einen Unterkörper, der nicht mehr mir gehört. Dieser Rest ist ein gefühlloses, unbrauchbares und irgendwie total fremdartiges Teil von mir.“ Sie hat Suizidgedanken, verwirft sie („Niemals könnte ich meinen Eltern so sehr weh tun, mich ihnen einfach wegnehmen“). Sie lernt, aus kleinen physischen Verbesserungen, gewachsener Selbstständigkeit in den täglichen Abläufen Kraft zu gewinnen.

Zwei Jahre nach ihrem Unfall beginnt sie bei der AOK Neumünster eine Ausbildung, womit sich ihr Lebensmut allmählich zurückmeldet. Schließlich startet die ehemalige Schwimmerin beim PSV Neumünster mit dem zweiten Teil ihrer Karriere, unterstützt von ihrem Vater, der nun auch ihr Trainer ist. 2002 meldet Manfred Bruhn seine Tochter bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften in Berlin an.

Ein einmaliger Erfolgsweg

Es ist der Start auf einem einmaligen Erfolgsweg, an dessen Ende Kirsten Bruhn sechs WM-Titel gefeiert hat, mehrfach zur deutschen Behindertensportlerin des Jahres gewählt worden ist, den „Bambi“ erhalten und im Dokumentarfilm „Gold“ eine Hauptrolle gespielt hat. „Dieser Film“, sagt Produzent Hendrik Flügge, „ist eine Aufforderung, sich etwas zuzutrauen und sich über vermeintliche Grenzen hinwegzusetzen.“

Dem Neumünsteraner Journalisten Jörg Lühn gebührt das Verdienst, die in Stunden nicht zu bemessende intensive Zusammenarbeit mit Kirsten Bruhn zu einem 142-seitigen Mutmacher für Menschen mit niederschmetternden Schicksalen verdichtet zu haben. Es könnte womöglich nicht schaden, diese emotionale Buch in Reha-Kliniken als begleitende Maßnahme einzusetzen.

„Mein Leben und wie ich es zurückgewann“

Die Autobiografie von Kirsten Bruhn erscheint in der Eulenspiegel-Verlagsgruppe, ISBN 978-3-355-01844-9, 12,99 Euro.

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Sportforum Kiel
Foto: Dialog im Hallenbad. Das Studio Kohlmeier begleitete Schwimmerin Kirsten Bruhn und Ministerpräsident Torsten Albig mit der Kamera.

Promis gegen rechts, das ist nicht gerade die neueste Idee. Das Berliner Fotografenpaar Angelika und Bernd Kohlmeier hat trotzdem etwas Neues daraus gemacht. Es brachte 22 prominente Politiker mit 22 erfolgreichen Sportlern zusammen und schenkte ihnen das, was sie am wenigsten haben: Zeit.

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