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Schnellster Ballsport auf zwei Beinen

Lacrosse Schnellster Ballsport auf zwei Beinen

In Kanada ist es Nationalsport, an US-Colleges kennt es jeder. Lacrosse sucht in Deutschland noch seine Anhänger. Der Lacrosse Club Kiel steht jetzt wieder vor der neuen Saison in der Bundesliga.

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Lasst uns das Spiel beginnen: Mit dieser Szene namens „Draw“ eröffnen die Damen eine Lacrosse-Partie. Sobald der Schiedsrichter pfeift, schleudern Thea Fischer (li.) und Katharina Collin den eingeklemmten Ball in die Luft.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Auf den ersten Blick könnte man sie für Fußballer halten, die 30 Sportlerinnen und Sportler in ihren Stollenschuhen auf dem Nordmarksportfeld. „Laura, packst du beim Tor mit an?“ – „Wir haben heute doch gar keine Torhüterin.“ Auch das kennen viele Kicker. Es trauen sich nur wenige, todesmutig zwischen die Pfosten zu gehen. Vor allem, wenn das Spielgerät aus Vollgummi besteht und bis zu 160 Stundenkilometer erreicht.

So wie der Ball beim Lacrosse: In der Hand halten viele Sportler einen bis zu 180 Zentimeter langen Schläger mit Netztasche, so dass die Kugel katapultartig abgefeuert werden kann. Alle Spielerinnen tragen eine Schutzbrille und häufig einen Mundschutz. Noch martialischer sind die Männer ausgestattet: Ein Panzer aus Protektoren an Ellenbogen, Schultern und Rumpf, dicke Handschuhe und ein Helm sorgen für ein beängstigendes Auftreten.

Was ist bei diesem Sport bloß los? Svea Thöm, Vorsitzende des Lacrosse Clubs Kiel, beschwichtigt: „Zumindest bei den Damen ist Lacrosse eher sicherheitsbewusst“, sagt sie. Die 22-jährige Marie Holst pflichtet ihr bei, trotz Bandage am Handgelenk. „Lacrosse wird oft der schnellste Ballsport auf zwei Beinen genannt“, sagt die 26-jährige Thöm, sei eine Mischung aus Football, Eishockey und Hockey. An kanadischen und US-amerikanischen Colleges ist Lacrosse weit verbreitet, in England trägt er den Ruf des Oberklassen-Sports. Vereine in Europa sind häufig Hockeyklubs angeschlossen. Nicht so in Kiel: Der Lacrosse Club ist eigenständig und feierte in diesem Sommer 20. Geburtstag. Er ist einer der ältesten in Deutschland, betont Thöm, und ergänzt: „Wir nehmen jeden.“ Das passt zum Lacrosse-Ursprung: Im Indianerspiel bereiteten sich einst ganze Stämme auf Kriege vor.

Die verteidigende Mannschaft darf auch heute mit den Schlägern auf den des Angreifers eindreschen. Bei den Männern geht‘s noch härter zur Sache. Lukas Kins bekommt gerade jede Menge Bodychecks ab. Das sei mit Eishockey vergleichbar, räumt Svea ein: „Genau genommen sind Männer- und Frauen-Lacrosse fast zwei unterschiedliche Sportarten.“ Doch nicht Kraft oder Schnelligkeit machen einen exzellenten Spieler aus: „Das technische Geschick ist entscheidender“, sagt Holst, „besonders die Fähigkeit, auch im Zweikampf bestehen zu können.“ Damit meint sie das „Cradeln“: Die kreisförmige Schlägerbewegung sichert den Ball während des Laufens im Netz. „Aber man muss auch ab dem ersten Tag alles beidhändig machen“, stöhnt sie. Im Lacrosse gibt es keine Rückhand, es muss durchgängig gewechselt werden. Eine echte Herausforderung.

„In Zukunft wollen wir uns außerdem verstärkt um den Nachwuchs kümmern“, sieht Thöm ihre Herausforderung darin, weiblichen Nachwuchs zu rekrutieren. Das Kieler U16-Jungenteam wurde 2014 deutscher Meister – und weitere Titel sollen folgen. Dabei sprächen viele Argumente dafür, Lacrosse einmal auszuprobieren. Gerade weil Lacrosse eine „Randsportart im Kommen“ sei, herrsche ein familiäres Gefühl, so Svea Thöm. Und Familien verzeihen auch Fehler: „Bei Lacrosse passiert es selbst den Besten oft, dass der Ball hinfällt“, stellt Marie Holst fest. Aber auch für Ambitionierte gebe es Gründe, Lacrosse zu spielen. Thöm: „Man kann sehr schnell aufsteigen.“

Damit meint sie einerseits die Einzelsportler. Nationalmannschaften werden in Camps zusammengestellt, zu denen sich jeder anmelden kann. Aus Kiel schaffte es Lukas Kirns in den U19-Herrenkader, und vor wenigen Wochen belegte Luise Lürken bei der U19-WM der Damen in Schottland den neunten Platz. „Eine tolle Erfahrung“, sagt sie, „da die Mannschaft durch die Trainingscamps vorher und die vielen Erlebnisse gut zusammengewachsen ist.“

Aufstiegschancen, das gilt auch für Vereine: Die Kieler Damen starten am 20. September in Lübeck gegen die Spielgemeinschaft Braunschweig/Lübeck in die Saison. Ihnen kommt eine Reform zugute. In der Vorrunde spielen zunächst alle Teams aus der 1. und 2. Bundesliga Nord gegeneinander. Erst danach werden zwei Staffeln gebildet. Das erhöht die Spielpraxis. „Das Ziel ist definitiv in die erste zu kommen“, so Thöm. Bereits einen Tag zuvor geht es für die Herren los: Am 19. September empfangen sie in der 2. Liga Hannover B und Hamburg B. Das Ziel von Spieler Kristoph Kühl ist simpel: „Keine Verletzten.“ Dabei helfen könnte eine Neuverpflichtung: Abby Gail Ananian ist als Trainerin seit der vergangenen Woche aus den USA zu Gast. Sie betreut die Damen und Herren – in fast zwei Sportarten.

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