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Zwischen Hörsaal und Regattabahn

Lauritz Schoof Zwischen Hörsaal und Regattabahn

Am Donnerstag jubelte Lauritz Schoof über Gold bei den Ruder-Weltmeisterschaften im französischen Aiguebelette, nun hat ihn der Alltag in Deutschland wieder. Nach der WM ist vor Olympia, nahtlos geht es weiter im Studium, Praktikum, Trainingslager.

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Gold für den deutschen Doppelvierer bei der WM im französischen Aiguebelette: Während Karl Schulze schon feiert, sind Philipp Wende, der Rendsburger Lauritz Schoof und Hans Gruhne (von links) erstmal platt.

Quelle: AFP/Jeff Pachoud

Kiel. Der 24-jährige Rendsburger will 2016 vor Rio im deutschen Doppelvierer sitzen und den Titel von 2012 verteidigen. Um das zu erreichen, ist sein Organisationstalent gefragt.

Bei der WM lief alles wie am Schnürchen. Viele sprachen hinterher von einem Favoritensieg, doch Schoof versichert, die Crew habe den Titel nicht erwartet. „Wir dachten, es kann alles werden zwischen Platz eins und sechs“, sagt er. „Das Ziel war eine Medaille. Dass es am Ende Gold war, ist natürlich umso schöner.“ Vor der malerischen Kulisse der französischen Alpen gelang es dem Doppelvierer, mit einem energischen Schlussspurt an der Konkurrenz aus Australien und Estland vorbeizuziehen. „Wir haben uns insgesamt gut entwickelt und gesteigert. Im Finale sind wir cool geblieben, auch als andere schnell angegangen sind“, beschreibt Schoof das Gold-Rennen – es war der einzige deutsche WM-Triumph.

Zurück in Deutschland stehen für den Rendsburger andere Dinge im Vordergrund. Schoof wohnt in Dortmund, studiert in Bochum Medizin, absolviert gerade einen Teil seiner Famulatur (Praktikum) in Hamburg. Studium neben dem Rudern - oder anders herum? „Man muss auch verzichten“, fasst Schoof zusammen. Zeitmanagement steht an oberster Stelle. Eigentlich hätte er jetzt gern vier Wochen in der Herzchirurgie eines Hamburger Krankenhauses verbracht, da aber das nächste Trainingslager schon vor der Tür steht, müssen zwei genügen. Der Tages- und Jahresablauf ist streng durchgetaktet: Trainingslager im Oktober und Dezember, dazwischen Studium und tägliches Training. Weihnachten ein paar Tage zuhause bei der Familie in Rendsburg, dann weiter studieren. Im Februar zweieinhalb Wochen Trainingslager, eine Woche in Dortmund, und im März beginnt die Olympia-Saison. „Ich sitze immer irgendwie auf Kohlen“, sagt Schoof und lacht. Es scheint ihn nicht zu stören.

Damit das alles überhaupt unter einen Hut zu bekommen ist, benötigt er Unterstützung. Schoof nennt zuallererst seine Eltern, Freunde und Kommilitonen. Auch die Hochschule macht Zugeständnisse. „Ich darf Klausuren an anderen Terminen schreiben und auch mal einen Seminartermin in einer anderen Gruppe wahrnehmen“, erklärt der Weltmeister. Zudem ist der Ruderverband flexibel: „Steht eine Klausur an, fahre ich halt einen Tag später ins Trainingslager.“ Für Schoof ist das Studium nicht nur Investition in die Zukunft, sondern auch eine Art Ausgleich. „Ich hänge viel in Trainingslagern rum, mit dem gleichen Ablauf und den gleichen Leuten. Da bekommt man schnell ’nen Lagerkoller“, erklärt er. So findet er auch an Trainingstagen noch Zeit, abends zu lernen und an Lerntagen abends Zeit fürs Training.

Das nächste große Ziel heißt Olympia 2016. Der Doppelvierer ist für die Spiele in Rio de Janeiro qualifiziert – die Ruderer nicht. Also muss in internen Ausscheidungen ermittelt werden, wer im kommenden Jahr an der Copacabana an den Skulls sitzen darf. Schoof ist selbstbewusst, weiß aber auch, dass das Olympia-Ticket auch für ihn kein Selbstgänger ist. „Kraftmäßig bin ich einer der stärksten, aber ein Boot muss harmonieren“, erklärt der 24-Jährige. Ein entscheidender Faktor könnten auch die Bedingungen vor Rio werden. „Ich denke, es wird wellig und windanfällig“, sagt Schoof. Eine Testregatta, wie es sie etwa bei den Seglern gibt, wird nicht veranstaltet. „Die U19-WM wurde da ausgetragen. Also müssen wir uns erzählen lassen, wie es dort ist“, sagt der Olympiasieger von 2012.

Bis zur Reise nach Rio wartet ohnehin noch viel Arbeit. Studium, Training, Lernen, Rudern. Für den Traum von der Titelverteidigung.

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