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Rendsburger will um Olympia-Gold rudern

Lauritz Schoof Rendsburger will um Olympia-Gold rudern

Wer ist eigentlich Lauritz Schoof? Die häufigste Antwort: „Ach, das ist doch der, der bei der WM 2011 den ,Krebs’ gefangen hat ...“ Eine gute Gelegenheit also, um mit dem „Krebsfänger“-Image aufzuräumen. Bei den Olympischen Spielen in London visiert der 21-jährige Ruderer Gold an.

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Lauritz Schoof (Rendsburger Ruderverein) startet bei den Olympischen Spielen in London im Doppelvierer.

Quelle: Tamo Schwarz

Hamburg/Rendsburg. Es war im slowenischen Bled, als dem Modellathleten vom Rendsburger Ruderverein das Missgeschick passierte. Das Publikum an der Strecke und vor den Fernsehschirmen fiebert mit, der deutsche Doppelvierer liegt auf Goldkurs. Dann gerät Schoof mit dem Ruderblatt aus dem Rhythmus, fängt einen „Krebs“, Australien zieht vorbei, Deutschland fehlen nur wenige Hundertstel. Was genau damals passierte, weiß Schoof bis heute nicht. Ein Zufall? Schoof war Vizeweltmeister. „Es ist mein größter Erfolg und meine größte Enttäuschung“, sagt der Rendsburger, der in Hamburg Physik studiert, heute. Und: „Es beschäftigt einen.“

 Bei den Olympischen Spielen in London (Rudern 28. Juli bis 4. August/Dorney Lake) haben Schoof und seine Bootskameraden jetzt die große Chance zur Revanche. Schoof ist sicher dabei, die Adrenalinkurve zeigte beim vorolympischen Worldcup in München, bei dem das deutsche Boot hinter Kroatien Zweiter wurde, steil nach oben. Das Ziel ist die Goldmedaille. Eine rasante Entwicklung für den 21-Jährigen, der Handball in Schülp/Westerrönfeld spielte, erst vor sechs Jahren beim Rudern an der Herderschule entdeckt wurde und dann ins Ratzeburger Internat wechselte. Mittlerweile bringt Schoof – U23-Weltmeister im Einer 2009 – 1,95 Meter und 94 Kilogramm ins Boot, trainiert am Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein an den Standorten Ratzeburg und Hamburg-Allermöhe, wohnt in Hamburg in einer WG.

 Beim Treffen an der Elbe in Allermöhe ist er entspannt. Einer, der immer Gefahr läuft, zu viel nachzudenken. Einer, der die braunen Augen zusammenkneift, wenn die Fragen persönlich werden. Einer, der ruhig antwortet, ab und zu verlegen lacht. „Ich bin ein Teamplayer, im Boot sicher auch extrovertiert und impulsiv. Und ich bin immer auf dem Sprung irgendwie.“ Davon ist hier an der Elbe nichts zu merken. Wer ist eigentlich Lauritz Schoof? Er studiert Physik, interessiert sich für Stephen Hawking und die Astrophysik, trifft sich gern mit Freunden. „Ich hätte gern noch ein weiteres Hobby neben dem Rudern, habe schon mal über Autobastelei nachgedacht“, sagt er. Ein alter Mercedes Kombi würd’s werden. Die TV-Sitcom „The Big Bang Theory“ findet Schoof lustig. Kein Wunder bei den skurrilen Geschichten um Physik-Nerd Sheldon und seine Freunde.

 Schoof ein Nerd? Gewiss nicht. Eher ein denkender Spitzensportler. Einer, der zwar „kein Bücherwurm“ ist, aber Denkanstöße liebt, Kehlmanns „Vermessung der Welt“ gelesen hat. Einer, dem es um die Zusammenhänge auf der Erde geht, der „politisch grün“ tickt. „Der Olympiasieg ist mein Ziel, aber ich brauche das Studium als Ausgleich“, sagt Schoof. Trotzdem schindet er sich über den Winter, schwitzt auf dem Ergometer, Stunde um Stunde. Dann hört er Metal, am liebsten Slayer. Er würde gern einmal das Wacken Open Air besuchen. Im Boot extrovertiert, Metal auf dem Ohr, ist Schoof im Gespräch unglaublich reflektiert und dennoch auf den Erfolg fokussiert. „Ich will immer glücklich sein mit dem, was ich mache, will ein festes Ziel haben und meine moralischen Werte dennoch nicht verraten.“ Im Ruderboot hat er Demut gegenüber der Natur gelernt. „Natürlich sind wir Sportler Werkzeuge. Ich mache diesen Sport in erster Linie für mich und würde mein Leben außerhalb des Sports nie aufgeben.“ Nur wenn der Sport damit vereinbar wäre und der Körper mitspielt, würde Schoof („Meine Eltern sind meine Vorbilder“) auch bis 30 rudern.

 Bisher hat Schoof, der 22 Stunden pro Woche trainiert und ein „Doppelleben“ führt, das nicht selten mit der ersten Einheit um 6 Uhr morgens beginnt, von seinen Ersparnissen gelebt, freut sich darum umso mehr über die Unterstützung durch den Landessportverband und das Innenministerium (300 Euro im Monat) im „Team Schleswig-Holstein“. Schoof lacht: „Allein schon die Verpflegung: Wir brauchen ungefähr 6000 Kalorien pro Tag, das ist dreimal so viel wie ,normale’ Menschen.“ Wer ist eigentlich Lauritz Schoof? Bald vielleicht schon der, der Olympiasieger in London geworden ist. „Ich bin überzeugt, dass wir das Richtige tun.“

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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