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Das Wunderkind aus Bangalore

Schach Das Wunderkind aus Bangalore

So eine Geschichte gab es in Kiel schon einmal – vor 14 Jahren. Doch dazu später, denn dieses ist die Geschichte des elfjährigen Dhanush Bharadwaj aus Bangalore, der einmal Schach-Weltmeister werden will. Sein Zuhause sind die 64 Felder dieses königlichen Spiels.

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Wie zwei schwarze Löcher saugen die tiefbraunen Augen von Dhanush Bharadwaj alles in sich hinein. Der elfjährige Inder hat bereits eine höhere Elo-Zahl als der aktuelle Weltmeister Magnus Carlsen mit elf Jahren.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Wie zwei schwarze Löcher saugen die beiden tiefbraunen Augen unter dem stoppeligen Haarschnitt alles in sich hinein. „Dhanush war schon immer ein taktisches Kind“, sagt Vater Venkatesh. Der ehemalige Siemens-Ingenieur muss es wissen, denn er trainiert seinen Sohn, verbringt jetzt einen Monat mit ihm in Europa, reist von Kiel aus weiter in die Niederlande, dann nach Wien. Ein bisschen ist Dhanushs Ehrgeiz auch der Ehrgeiz seines Vaters. Aber der manchmal verschmitzt lächelnde Junge aus der indischen Metropole ist ein glückliches Kind. So sieht er aus. Das Schachfeld ist sein Bolzplatz.

 Mit fünf Jahren begann er mit dem Schachspiel, spielte sein erstes Turnier mit sechs, trainiert heute drei Stunden am Tag. In den Ferien und an schulfreien Tagen sind es sieben oder acht. Manchmal geht er mit, wenn die Freunde auf der Straße Fußball spielen. Meistens nicht, denn: „Schach ist einfach interessanter.“ Aber Badminton mag er auch, spielt täglich zwei Stunden draußen, ist kein wunderliches Kind, das keine Sonne sieht, sondern ein schüchternes Wunderkind, das mal eben das Blitzturnier im Rahmen der 29. Kieler Open gewinnt und innerhalb eines Jahres den Großmeister-Status erlangen will.

 Kleiner großer Meister? Das gab es doch schon einmal? 2002 tauchte der kleine Magnus bei den Kieler Open auf. Er war elf, hatte bereits eine Elo-Zahl von 2214. Elf Jahre später war der Norweger Magnus Carlsen Weltmeister. „Er ist mein Vorbild, ich will Weltmeister werden, so wie er“, sagt der schüchterne Dhanush auf einmal ganz energisch. Er hat allen Grund. Er, der Carlsen bisher nur einmal bei einem Turnier in Indien aus der Ferne sah, verfügt bereits über einen Elo-Wert von 2296, wurde 2014 Fünfter bei der U10-Weltmeisterschaft, ist heute Siebter der Welt in der Altersklasse U12.

 Längst ist der Sport für die Familie Bharadwaj ein teurer Sport geworden. „Und hätten wir einen noch besseren Coach als mich, würde seine Karriere sicher noch schneller vorangehen“, sagt Venkatesh. Er, der von seinem Großvater – Dhanushs Urgroßvater – lernte. „Dhanushs Talent war von Anfang an offensichtlich. Wir glauben in der Familie, dass mein Großvater womöglich in Dhanush wiedergeboren wurde.“ Mit seinem „gottgegebenen Talent“ geht es von Kiel aus durch Europa und dann, im Herbst, wieder gen Osten zur U12-WM in Georgien. Und danach? Der ehemalige Kieler Großmeister David Baradmize kann sich noch an 2002 erinnern, an diesen „sehr talentierten“ Norweger, der später Weltmeister wurde. Baramidze, damals ebenfalls erst 13 Jahre alt, ließ das Wunderkind (15.) als Turnier-Elfter in Kiel hinter sich und wird es in dieser Woche mit einem anderen Wunderkind zu tun bekommen. Eines, das auf der Suche ist nach starken Gegnern, um möglichst schnell Großmeister zu werden. Eines, das nur einen schwarz-weißen Bolzplatz mit 64 Feldern kennt. Dhanush Bharadwaj, das Schach-Wunderkind aus Bangalore.

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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